Große Hans Klinz-Ausstellung im Glasmuseum Rheinbach
Ein Denkmal für "de Posch"
Jugendfreund Fritz Berg würdigt die Verdienste von Hans Klinz
Rheinbach. In den Herzen und den Köpfen der Rheinbacher bleibt der vielseitig begabte Künstler Hans Klinz auch 16 Jahre nach seinem Tode noch höchst lebendig. Das zeigte sich bei der Eröffnung einer umfassenden Werkschau im Rheinbacher Glasmuseum, das mit mehr als 200 Besuchern bis zum letzten Platz gefüllt war. „De Posch“, wie er liebevoll von seinen Freunden genannt wurde, war als Glasmaler und Keramiker, vor allem aber als Zeichner und Grafiker sowie als Karikaturist und Bühnenmaler überaus erfolgreich. Sein langjähriger Freund Fritz Berg zeichnete vergnügt den Lebensweg des Malers nach, der 1934 in Rheinbach geboren und 1998 in Rheinbach gestorben ist. Mit flottem Zeichenstift und humorvollem Augenzwinkern hielt Klinz seine geliebte Heimatstadt Rheinbach mit ihrem unverwechselbaren Ortsbild, aber auch mit den kleinen Schwächen, Eigenheiten und Eitelkeiten ihrer Bewohner fest. Legendär sind seine Bühnenbilder für den Rheinbacher Landsturm und seine farbenfrohen Plakate für so manche Großveranstaltung, darunter das erste Rheinbacher Volksfest 1986 sowie das erste Rheinbacher Rentnerfest aus Anlass des Baus der „Buure Bank“. Natürlich hatte Berg auch unzählige Anekdoten parat, angefangen von einer abenteuerlichen Europatour mit gebrauchten Fahrrädern von Campingplatz zu Campingplatz, die Hans Klinz zusammen mit Johannes Kleefuhs 1959 startete. Doch das Heimweh war zu stark, sodass er schließlich wieder in seine Heimatstadt zurück kam, der er bis zu seinem allzu frühen Tod 1989 treu blieb.
Viele Bühnenbilder für den Landsturm
Vor allem für den „Landsturm“ malte Klinz unzählige Bühnenbilder, Plakate und „Jesangbooch-Karikaturen“. Er war auch beim „ersten Rheinbacher Kinderzoo“ dabei, der für eine Nacht an der alten römischen Wasserleitung mit einer Schar Hühner und einigen Stoffaffen existierte. Auch für die Unterstützung des Rheinbacher Krankenhauses malte er Plakate, ebenso für unzählige Jubiläen und Geburtstage. So fanden sich auch so manche Gäste der Vernissage auf den ausgestellten Bildern wieder. Fritz Berg stellte fest: „In all seinen Zeichnungen steckt die Wahrheit, er hat nämlich immer mit diesen normalen Leuten zu tun gehabt, und deswegen stimmt das, was er malt.“ Was er für die Bürger und die Stadt jahrzehntelang geschaffen habe, sei nicht zu überbieten. Nicht zu Unrecht sei er auch der „Eifel-Picasso“ genannt worden, deshalb gebühre ihm eigentlich ein Denkmal in Lebensgröße auf dem Wilhelmsplatz. „Dann hätte der Nachtwächter immer etwas zu erzählen, und unser geliebtes Rheinbach eine Attraktion mehr“, schloss er unter dem Beifall der Gäste.
Eine Ausstellung mit Originalen
Bürgermeister Stefan Raetz schmunzelte bei seiner Begrüßung ebenfalls: „Eine Ausstellung für ein Original aus Rheinbach mit vielen Originalen - sowohl in den Vitrinen als auch im Publikum.“ So gut wie jeder könne eine Anekdote zu einem seiner Werke erzählen, und man entdecke beim genauen Hinschauen immer etwas Besonderes in einer Ecke. Seine Bilder strahlten viel Frohsinn aus, man sei stets gut gelaunt, wenn man eines seiner Werke betrachte, rühmte Raetz die Lebensfreunde von „Klinze Posch“. Seine Ausstellungen seien zeitlebens gesellschaftliche Großereignisse gewesen, und jeder habe es als Auszeichnung verstanden, auf einem seiner Bilder abgebildet zu sein - und sei es noch so karikaturenhaft. Museumsleiterin Dr. Ruth Fabritius erhob allerdings gleich „Einspruch“ gegen die Charakterisierung Klinz als „Rheinbacher Heimatmaler“, denn das sei bestenfalls die halbe Wahrheit. „Betulich, konservativ und provinziell war der Posch nie“, er habe zu seiner Heimat und ihren Bewohnern stets ein liebevoll-zwiespältiges Verhältnis gehabt. Obwohl auch für ihn in Anlehnung an Loriot gegolten habe: „Ein Leben außerhalb von Rheinbach ist zwar denkbar, aber sinnlos.“
Szenen aus dem prallen, saftigen Leben
Seine Werke sah Fabritius als „aus dem prallen, saftigen Leben gegriffene Kompositionen mit zahlreichen kleinen Szenen am Rande, für die sich stets ein zweiter Blick lohnt.“ Doch „de Bosch“ sei mehr als ein Rheinbacher Jong gewesen, es gebe durchaus auch den ernsthaften und ernst zu nehmenden Maler Hans Klinz mit überörtlicher Bedeutung. Der Blick in seinen Bildern gehe nämlich in Wahrheit nicht so sehr nach außen, sondern nach innen mit der Frage: „Wer bin ich, Hans Klinz?“ Schließlich habe er sich auch sehr oft selbst gezeichnet und gemalt in den verschiedensten Lebenssituationen und Stimmungen. Klinz habe sich zeitlebens mit der klassischen Moderne auseinandergesetzt, mit dem Symbolismus und dem Informalismus, er habe von den größten Malern gelernt und so seinen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt.
Die Werkschau von Hans Klinz ist noch bis zum 18. Januar 2015 zu den Öffnungszeiten des Glasmuseums zu sehen. Als Begleitprogramm gibt es am Mittwoch, 19. November, von 10 bis 16 Uhr eine Führung durch die Ausstellung mit einem Workshop für Erwachsene unter dem Titel „Rheinbach mit Bleistift entdecken - Zeichnen für Erwachsene“ mit Ronny Klinz, der Witwe des Künstlers. Am Donnerstag, 15. Januar, erzählt Fritz Berg ab 19 Uhr unter dem Titel „De Klinze Posch un andere Rhembacher Orjinale“ Anekdoten und Verzällcher auf Rheinbacher Platt.
