Musik in der Gnadenkirche
Ein Dichter, „Feinsliebchen“ und ein Chor von 150 Stimmen
Das Programm aus Volksliedern und Gedichten bei „Musik in der Gnadenkirche“ in Rheinbach stieß auf begeistertes Interesse
Rheinbach. Sie nennen sich „Feinsliebchen“ und singen Volkslieder, wie „Nun will der Lenz uns grüßen“, „Ännchen von Tharau“, „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“, Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuß gehen“ oder „Der Mond ist aufgegangen“. Die meisten Lieder sind ausdrücklich zum Mitsingen und davon machen die über 150 Besucher in der Gnadenkirche regen Gebrauch. Das klingt so schön und mächtig, dass es erst in der Mitte der Veranstaltung auffällt, dass das Mikrofon des Feinsliebchen-Sängers Gerd Engel nicht hoch genug ausgesteuert ist. Zudem ist mit Dirk Plücker (Piano und Bass-Bariton), Jan-Paul-Kalka (Konzertgitarre und Tenor) sowie die Gastsängerinnen Heike Glaser, Birgit Bilstein-Kalka und Maike Zimmermann das Projektensemble ohnehin schon stimmlich gut bestückt. Zu den sechs gesellt sich an diesem Abend noch das Musikschultalent Florian Plücker (13), der mit seiner Geige die eingängigen Melodien kunstvoll umspielt. Zwischendurch liest die Schauspielerin und Deutschlandfunk-Sprecherin Anja Jazeschann aus dem neuen Gedichtband „Zeitenwende – Machtwechsel auf der Erde“ des Merzbacher Lyrikers Wolfgang Bittscheidt. Ruhig und kraftvoll sprechend, ohne jedes Pathos, lässt die Wahlkölnerin die Texte wirken und schafft zugleich Momente der Stille. In den Gedichten selbst geht es um zentrale menschlichen Fragen: Bewahrung der Schöpfung, Frieden und die Kraft der Liebe. „Es ist eine große Ehre, dass uns Kantorin Mascha Korn in diesem Jahr wieder gefragt hat“, so Gerd Engel. „`Musik in der Gnadenkirche` ist ein tolles Format und das Gefühl, sich über Lieder mit so vielen Menschen zu verbinden, wirkt wie ein wahrer Energiespender.“ Die Stimmung in der voll besetzten Kirche ist kaum zu übertreffen. Kräftiges Mitsingen und aufmerksames Lauschen, wie beispielsweise bei dem wehmütigen jiddischen Liebeslied „Oy, dortn“ wechseln sich immer wieder ab. Die 16-jährige Maike Zimmermann, Singer-Songwriterin und langjähriges Mitglied bei den Young Voices, kannte vor den wenigen gemeinsamen Proben viele der Volkslieder aus dem Programm noch nicht, bekennt aber mit den anderen beiden Gastsängerinnen: „Das hat so viel Spaß gemacht.“ Der Reinerlös des Abends ist für eine Leseförderaktion von Kooperationspartner Rheinbach liest e. V. im evangelischen Kindergarten bestimmt.
