40 Jahre „Deutscher Herbst“: Bernd Rodewald zu Gast am Are-Gymnasium
Ein Leben in permanenter Angst
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Vor 40 Jahren war der Terrorismus in Deutschland schon einmal ein aktuelles Thema: Die „Rote Armee Fraktion“ (RAF) sorgte mit ihren Aktionen für den so genannten „Deutschen Herbst“, der mittlerweile in den historischen Kanon der weiterführenden Schulen als Curriculum eingegangen ist. Diesbezüglich war Bernd Rodewald zu gast am Are-Gymnasium. Rodewalds Bruder Fritz spielte bei den Geschehnissen eine gleichsam bedeutende, wie auch tragische Rolle. Als 1972 Ulrike Meinhof und Gerhard Müller, zwei gesuchte RAF-Terroristen, an seiner Tür klingelten, um bei ihm Unterschlupf zu suchen, verständigte Rodewald die Polizei. Diese nahm die beiden gesuchten Personen vor Ort fest. Statt jedoch Dankbarkeit und Anerkennung zu erhalten, geriet Fritz Rodewald zwischen die Fronten: Vom linken Flügel durfte er sich den Vorwurf des Verräters gefallen lassen, während der rechte Flügel ihm seine Gründe nicht abnahm. Jedoch war Fritz Rodewald nicht, wie von rechter Seite verdächtigt, Teil des linksradikalen Netzes. Fortan litt er unter der permanenten Angst, einem terroristischen Anschlag zum Opfer zu fallen, während sein gesellschaftliches Leben zeitgleich den Bach herunter ging: Seine Beziehung hielt dem Druck nicht stand und er verlor seine Anstellung als Lehrer. Über diese Situation berichtete nun, 45 Jahre später, sein Bruder Bernd Rodewald am Are-Gymnasium, jedoch konnte er auch auf andere Fragen der Schüler eingehen, die sehr interessiert an den Geschehnissen rund um die RAF und deren Untergrundaktivitäten waren. Mit Bernd Rodewald erlebten die Schülerinnen und Schüler einen Zeitzeugen eines Kapitels deutscher Geschichte, welches offensichtlich viele Fragen aufwirft. Sein Bruder Fritz kann diese wichtige Rolle leider nicht mehr einnehmen. Er verstarb 1999 und wartete bis zu seinem Tode vergeblich auf eine öffentliche Rehabilitation.
