200 Jahre Peter Friedhofen
Ein „Ovvehöde Jong - Vortrag in der Synagoge
Ahrweiler. Der Heimatverein Alt-Ahrweiler e.V. hatte eingeladen und die ehemalige Synagoge war gut gefüllt, als Rita Lauter vor vielen interessierten Bürgern, darunter „natürlich“ vielen aus der Oberhut, Wissenswertes über Peter Friedhofen, dem Ordenstifter der „Barmherzigen Brüder von Maria Hilf“, der vor 200 Jahren geboren wurde, berichtete. Als Ehrengäste konnte Hans-Georg Klein, 1. Vorsitzender des Heimatvereins, neben dem stellvertretenden Ortsvorsteher Ferdi Heuwagen auch den Bruder Alfons Maria aus Koblenz sowie die beiden Schornsteinfeger Karl Josef Scholl und Michael Brost in ihrer Berufskleidung mit Zylinder begrüßen.
Rita Lauter, die schon viele Jahre im „Peter-Friedhofen-Haus“ am Obertor wohnt, erzählte, dass sie schon als kleines Kind ihre ersten „Berührungen“ mit Peter Friedhofen hatte, ihre Mutter las oft aus einem kleinen Heftchen, das über das Leben von ihm berichtete, vor und Rita durfte anschließend die Bilder im Heft anschauen. Das hat Rita sehr oft getan und entsprechend zerfleddert sieht dieses Heft, das sie noch immer in Ehren hält und das das einzige Buch war, das sie als Kind nicht bemalt hat, aus.
Werdegang von Peter Friedhofen
Peter Friedhofen, 6. Kind einer armen Bauernfamilie in Vallendar, kam 1834 als Waise mit 14 Jahren zu seinem Bruder Jakob in Ahrweiler um den Beruf des Schornsteinfegers zu erlernen. In Ahrweiler lernte er auch die Aloisius-Verehrung kennen. Es folgten einige „Wander“jahre mit Kehrbezirken in der Eifel und im Hunsrück, wo er viel Elend zu sehen bekam und in denen er mehrere Aloisius-Bruderschaften gründete. 1842 machte er bei seinem Bruder Jakob die Meisterprüfung und wurde für drei Jahre Kaminfeger und „Feuervisitator“ in Vallendar. Daran anschließend erprobte er das Klosterleben in einem Kloster in Holland, um für sich herauszufinden, ob dies „Sein“ Leben sei. In dieser Zeit verstarb sein Bruder Jakob und so musste Peter Friedhofen zurück nach Ahrweiler um seine Schwägerin mit ihren 11 Kindern zu unterstützen.
Er selbst hatte nur sehr geringe Einnahmen aus seiner Tätigkeit als Schornsteinfeger in Teilen der Stadt Ahrweiler und weiteren Dörfern des mittleren und unteren Ahrtals. In dieser Zeit (bis 1850) lebte er in dem Haus am Obertor, das heute Rita Lauter gehört und ein wahres Schmuckstück an der alten Stadtmauer im Johanniswall ist. Auch wenn der Rauch und Ruß ihm zu schaffen machten und so seine Gesundheit angeschlagen war, sang der „Ovvehöde Jong“ bei seiner Arbeit auf den Dächern Marienlieder und hatte dabei in Ahrweiler immer St. Laurentius im Blick. 1846 rang er sich durch und teilte dem Bürgermeister von Ahrweiler seine Kündigung mit, weil er die ihm auferlegte finanzielle Unterstützung der Schwägerin nicht schaffte.
Im Weiteren arbeitete er intensiv an der Ordensgründung, zunächst gründete er mit Genehmigung des Bischofs von Trier die Aloisiusgesellschaft, einige Zeit später erhielt er ein kleines Häuschen in Weitersberg, in dem er Kranke pflegen konnte. 1850 erhielt er vom Trierer Bischof Wilhelm Arnoldi die Genehmigung zur Gründung eines Pflegeordens „der Barmherzigen Brüder“. 1851 zog Friedhofen nach Koblenz und legte dort den Grundstein für eine Kapelle und ein Krankenhaus. In der Folge verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends, nun brauchte er selbst Hilfe und Pflege. Am 21. Dezember 1860 verstarb er nach langer mit großer Geduld ertragener Krankheit, 39 Jünger trauerten an seinem Totenbett. Er wurde in Koblenz beerdigt, seine Gebeine liegen heute in der Maria-Hilf-Kapelle im Garten des Brüderkrankenhauses in Trier.
Sein Orden unterhält weltweit Krankenhäuser, in denen 56 Brüder mit vielen Tausend Mitarbeitern wirken. Am 23. Juni 1985 wurde Friedhofen durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen; an dieser Zeremonie konnte Rita Lauter teilnehmen – ein für sie unvergessliches Erlebnis. Nach ihrem Vortrag gab es noch lange weiterführende Gespräche der Gäste mit Rita bei Selbstgebackenem und einem guten Roten.
