Das Friedenslicht aus Bethlehem ist in Wirges angekommen
Ein Symbol des Friedens
Wirges. Einen solchen Ansturm von Menschen hat der „Wäller Dom“ in Wirges wohl lange nicht mehr erlebt, bei einem Konzert würde man sagen „ausverkauft“. Warum, was war los? Gab es etwas umsonst? Nein, unzählige Pfadfinderinnen und Pfadfinder, Gläubige und Neugierige hatten sich im Dom versammelt, um beim Entzünden des Friedenslichtes und der Aussegnungsfeier dabei zu sein.
Was ist das Friedenslicht?
1986 wurde das Friedenslicht von dem österreichischen Sender ORF ins Leben gerufen, besteht also seit 30 Jahren. Seit dieser Zeit wird jedes Jahr in der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem von einem Kind eine Flamme entzündet. Per Flugzeug wird die Flamme nach Wien gebracht, wo Pfadfinder*innen das Licht in Empfang nehmen. Diese verteilen das Licht als Symbol des Friedens in über 25 Ländern an verschiedene Institutionen, wie Krankenhäuser, Schulen, Senioren – und Pflegeheime, aber auch an private Haushalte und natürlich an die Pfarreien des Bistums Limburg. Auf dem Weg von Wien kam die Flamme über München und Frankfurt zum ICE-Bahnhof nach Montabaur, wurde dort von den Pfadfindern*innen des DPSG- Stammes Katharina Kasper Wirges in Empfang genommen und auf direktem Wege in den „Wäller Dom“ gebracht. Doch vor dem Eintreffen des Friedenslichtes und der Aussegnungsfeier war hinter dem Dom einiges „gebacken“, im Sinne des Wortes. Denn mehrere hundert Pfadfinder*innen aus der gesamten Diözese Limburg wurden von den Gastgebern zu einem Geländespiel eingeladen und konnten dabei auch in einem Zelt am Lagerfeuer bei Gitarre und Gesang am offenen Lagerfeuer leckeres Stockbrot backen. Zudem wurde den Kindern und Jugendlichen eine Aufgabe gestellt: Welche Botschaft verbindest Du mit Frieden? Male ein Bild dazu! Die fertigen Bilder wurden an einer Pinnwand ausgestellt und konnten betrachtet werden. Zusammenfassend stand bei allen Kindern der Wunsch nach Frieden, Liebe und Geborgenheit, Freundschaft, und der Schutz von Tieren und Pflanzen im Vordergrund. Unter die vielen Besucher des Geländespiels wurde kein Geringerer als Bischof Georg Bätzing gesichtet, der sich unter den vielen Kindern und Jugendlichen sichtlich wohl fühlte. Ein Bischof zum Anfassen, ohne Berührungsängste, schrieb auch schon mal einem Jugendlichen auf dessen Rücken eine Widmung auf eine Karte. Gegen 15 Uhr begann der Aussegnungsgottesdienst im Dom.
Ein lockerer Wort-Gottesdienst im Dom
Als sämtliche Besucher im Dom Platz genommen hatten, wurden sie zunächst von der Gesangs– und Instrumental-Gruppe „Salome“ mit dem Kanon „Nicht im Sturm“ empfangen. Pfarrer Karbach von der Pfarrgemeinde begrüßte die Gäste und konnte seinen Stolz nicht verhehlen, dass der Oberhirte, Bischof Georg Bätzing, es sich nicht hatte nehmen lassen, dem Gottesdienst beizuwohnen. Dafür gab es den ersten Applaus. Wer gedacht hatte, die Feier im Dom würde eine stocksteife Angelegenheit, der war im falschen Film, denn immer wieder brandete Beifall auf, es wurde gesungen, geklatscht und sogar getanzt, Party im Dom. Zurück zu Pfarrer Karbach, der sich nicht nur über den Besuch von Bischof Georg freute, sein besonderer Dank galt einer Abordnung der muslimischen Pfadfinder, die mit lautem Beifall begrüßt wurde. Anschließend spielten zwei junge Pfadfinder das Spiel „Der Weg zum Frieden“. Dazu konnten sich viele Personen im Dom zu Wort melden und ein kurzes Statement zu diesem Thema abgeben. Das Thema Frieden wurde mit all seinen Problemen, Ausreden und Facetten beleuchtet. Die Kinder erhielten viel Beifall für ihr Spiel. Danach las Jürgen Otto vom Diözesan-Vorstand aus dem Evangelium, bevor der Bischof selbst das Wort ergriff. In einer durchaus weltlich und politisch gehaltenen Predigt sprach er über die Entscheidung des US-Präsidenten Trump, Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen. Jerusalem sei die Hauptstadt von Israel und Palästina. Bischof Georg sprach auch die Krisenherde auf der Welt an, dass man nie müde werden darf, für den Frieden zu kämpfen. In diesem Zusammenhang lobte er die Pfadfinder*innen, die sich streiten können, jedoch immer wieder einen Weg zur Versöhnung suchen würden. Die Predigt von Bischof Georg wurde mehrmals von lebhaftem Beifall unterbrochen. „Salome“ spielte und sang sodann „Jesus ist das Licht der Welt“. Die Abordnung der muslimischen Pfadfinder*innen trug folgend ein Gebet auf Arabisch und Deutsch vor, halb gesprochen und halb gesungen. Dieses Gebet belohnten die Zuhörer im Dom mit sehr viel Beifall, war es doch weit mehr, als nur ein symbolischer Akt für den Frieden zu beten.
Das Friedenslicht trifft ein
Endlich war es soweit, vom Hauptportal des Domes kamen mehrere Pfadfinder*innen und trugen die brennenden Kerzen nach vorne zum Altar. Dort wurde in einer großen Schale, die mit Petroleum gefüllt war, dass Friedenslicht angezündet. Dabei standen viele Pfadfinder*innen um die Flamme herum Spalier. Die Abordnungen der verschiedenen Pfadfinder-Gruppen brachten ihre mitgebrachten Kerzen zum Brennen und nahmen diese mit in ihre Gemeinden, um dies dort zu verschenken.
Frenetischer Jubel brach im Dom aus, als Diözesanvorstand Jürgen Otto den Ausrichter der Aussegnung 2018 bekannt gab. Ähnlich wie bei der Verkündung der Vergabe der Olympische Spiele oder der Fußball-Weltmeisterschaften machte er es sehr spannend, als er sagte: „And the winner is ???? Königstein“. Jubel ohne Ende und Klatschen waren die Folge nach der Bekanntgabe. Bischof Georg Bätzing sprach dann das Schlussgebet und erteilte den Segen. Zu guter Letzt rissen die Musiker*innen von „Salome“ die Zuhören mit der sehr rhythmisch vorgetragen Hymne der Pfadfinder: „Flinke Hände, flinke Füße“ mit. Klatschen, Mitsingen, Schunkeln oder Tanzen waren die Folge. Party pur. Ein Freudenfest ging zu Ende, der „Wäller Dom“ hat in seiner langen Geschichte bestimmt schon viel erlebt, aber diese Fröhlichkeit und Lockerheit aller Beteiligten war ganz bestimmt ein Meilenstein. Als sich das Gotteshaus langsam leerte, konnten viele Besucher noch nicht loslassen, denn vor dem Dom wurde eifrig weiter diskutiert und gelacht. Ein schöner Tag für alle, die dabei sein durften.
Die brennenden Kerzen werden in den Dom getragen.
Die Musikgruppe „Salome“.
