Allgemeine Berichte | 05.02.2024

Die aus Mendig stammende Schriftstellerin Jasna Mittler hat sich auf Spurensuche begeben

Ein Weltreisender in Mendig

Vor 60 Jahren starb der Maler Curt Drewes

Curt Drewes in seinem Chicago Atelier.  Fotos: privat

Mendig. Am 12. Februar 1964, vor 60 Jahren, verstarb der Maler und Bildhauer Curt Drewes im Sankt Nikolaus Krankenhaus in Niedermendig. Heute ist er in Vergessenheit geraten, doch zu seiner Zeit war er in Mendig eine bekannte Persönlichkeit – mit einer bewegten Geschichte. So hat er im Verlauf seines Lebens, wenn auch nicht ganz freiwillig, per Schiff den gesamten Globus umrundet. Doch wer war dieser Mann, der sich Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts in Mendig niederließ? Das Internet hat es möglich gemacht, seine Spuren zu verfolgen, seine Nachkommen ausfindig zu machen und somit seine Lebensgeschichte, die nur bruchstückhaft in der Familie der Autorin bekannt war, zu vervollständigen.

Curt Johann Heinrich Drewes wurde im September 1882 in Hamburg in ärmlichen Verhältnissen geboren. Sein Vater und seine Schwester starben früh, fortan lebte Curt allein mit seiner Mutter. Im November 1905 heiratete er in Hamburg Altona Margareta Mittler, eine Tochter des Obermendiger Bildhauers und Steinbruchbesitzers Peter Mittler (1842 – 1918). Die beiden hatten sich zuvor auf einem Fest in Köln kennengelernt. Curt Drewes ließ sich daraufhin in Obermendig nieder, wo er am Waldrand eine Villa erbauen ließ – die später unter dem Namen „Martinsheim“ bekannt werden sollte. Das Paar hatte einen Sohn, Curt Peter Drewes, der an der Mayener Steinmetz-Fachschule ausgebildet wurde. Als Margareta in den 1920er Jahren an Krebs erkrankte und schließlich starb, verkaufte Curt Drewes die Villa. Gemeinsam mit seinem inzwischen 18-jährigen Sohn sowie seinem Schwager, dem Bildhauer Stefan Mittler, dessen Frau und Tochter brach Curt Drewes in die Neue Welt auf. An Bord der S.S. New York erreichten sie am 16. Januar 1929 die Vereinigten Staaten. Curt Drewes war 46 Jahre alt, als sein neues Leben beginnen sollte. Die Familien Mittler und Drewes ließen sich in der Stadt Madison in Wisconsin nieder, wo Stefan Mittler eine Steinmetzfirma gründete, „Stefan Mittler Monuments“ - ein Familienbetrieb, der bis heute besteht. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn gestaltete sich schwierig, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sich der Sohn von der Kunst abwandte und sich ganz dem Rudersport widmete. Curt Drewes brach erneut auf, um sich in Chicago niederzulassen, wo er fortan ein Atelier betrieb. In den Jahren der Wirtschaftskrise, der „Great Depression“, war es für den Künstler nicht leicht, sich durchzuschlagen. Er arbeitete nun auch skulptural und war an der künstlerischen Gestaltung öffentlicher Gebäude beteiligt. 1941 bestieg Curt Drewes wiederum ein Schiff, um eine weitere Reise anzutreten. Die Fahrt ging von der Westküste der USA in den asiatischen Raum, das genaue Ziel ist heute unbekannt. Jedoch wurde die Reise unterbrochen, da die USA nach dem Angriff auf Pearl Harbour Anfang Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintrat und Japan den Krieg erklärte. Das amerikanische Schiff, auf dem sich der Künstler befand, wurde in Japan festgesetzt. Hier verbrachte Curt Drewes die nächsten Jahre. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden alle Deutschen aus Japan ausgewiesen, sofern sie nicht bereits lange vor dem Krieg dort ansässig gewesen waren. Ein Schiff brachte Curt Drewes, der die deutsche Staatsbürgerschaft beibehalten hatte, 1946 zurück ins kriegszerstörte Deutschland und dort an seinen letzten bekannten Wohnort - Mendig. Im Alter von 62 Jahren musste Curt Drewes somit ein weiteres Mal von vorne anfangen. Im leerstehenden Tanzsaal einer Gaststätte richtete er sich ein Atelier ein, in welchem er lebte und arbeitete. Angeblich soll er das Atelier mit Papierwänden ausgestattet haben, wie er sie in Japan kennengelernt hatte. Begeistert von der Kultur Japans verdiente er außerdem einen Teil seines Lebensunterhalts mit dem Importgeschäft japanischer Kunstgüter. Ob es daran lag, dass ihm die finanziellen Mittel fehlten, um abermals aufzubrechen, oder ob er aus freien Stücken bis zum Lebensende in Mendig sesshaft wurde, ist nicht bekannt. In die USA kehrte er nicht zurück und lernte somit auch seine Enkeltochter, das einzige Kind seines Sohnes, nie persönlich kennen. Sie erinnert sich jedoch noch heute lebhaft an einige der Telefonate mit ihrem Großvater.

Bilder von Curt Drewes sind u.a. in der Genovevaburg in Mayen zu finden.

„Kennen Sie noch weitere Geschichten über den Künstler? Oder befinden sich Werke von ihm in Ihrem Besitz?“ Diese bitte gerne per Mail an jasna@jasnamittler.de

Jasna Mittler

Curt Drewes im Alter.

Curt Drewes im Alter.

Curt Drewes in Köln.

Curt Drewes in Köln.

Curt Drewes als junger Mann.

Curt Drewes als junger Mann.

Die Villa Drewes in Obermendig.

Die Villa Drewes in Obermendig.

Margaret Mittler Drewes.

Margaret Mittler Drewes.

Curt Drewes in seinem Chicago Atelier. Fotos: privat

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