Konzert in der Ahrweiler Synagoge
Ein farbenfroh musikalischer Hochgenuss
Ahrweiler. Ausgerechnet dem umstritteneren russischen Wanderprediger und Geistheiler Grigori Rasputin nahm sich Geigenvirtuose und Komponist Konstantin Gockel als literarische Person zum Vorbild, um ein Musikstück über sein Leben und zu ihm zu komponieren. Es war ein Werk zwischen Klavier und Violine voller musikalischer Zerrissenheit, den eingesetzten Instrumenten Geige und Klavier wurde alles abverlangt.
Die gebürtige Minsker Klaviervirtuosin Liudmila Givoina ließ sich auf Gockels Komposition ein, auch wenn ihr das Äußerste an Konzentration abverlangt wurde. Das Publikum in der Ahrweiler Synagoge war begeistert ob des musikalischen Ohrenschmauses. Von BLICK aktuell befragt, warum er ausgerechnet Rasputin als Vorlage für sein Musikstück wählte, antwortete Komponist Gockel, dass am 30. Dezember 1916 der 100. Todestag des umstrittenen Russen sich wiederhole. Und so passte er seiner Meinung nach auch in ein Konzert mit dem anspruchsvollen Titel „Petersburger Nächte“, denn Petersburg war zu Rasputins Zeiten das Machtzentrum des zaristischen Russlands, das sich 1916 mitten im Ersten Weltkrieg befand und vom Untergang zwischen Revolutionären und Militärs bedroht war.
Die Mitglieder der Bonner Tanzgruppe Gruppe „Carnevale di Venezia“ begleiteten das Konzert optisch in ihren wunderschönen, selbst gefertigten Karnevalskostümen und waren nicht nur in der Konzertpause mit ihren Tänzen ein willkommener Farbtupfer. Sie boten wahrlich einen zusätzlichen optischen Genuss. Klaus Liewald begrüßte gekonnt die Besucher in der Synagoge in Ahrweiler.
Im Mittelpunkt des Abends stand russische Tangomusik unter dem Konzerttitel „Petersburger Nächte“. Bei den gespielten Stücken kehrte nicht die Leichtigkeit ein, die man sich als musikalische Anspielungen auf die langen Sommernächte vorstellte. Zum Verständnis, Petersburger Nächte ähneln der schwedischen Mittsommernacht. Zwischen 21. Juni und 21. Juli wird auch Petersburg im Sommer nicht dunkel. Berühmt sind die weißen Nächte in St. Petersburg, die weißen Nächte an der Newa. In den „Weißen Nächten“ der Mittsommernacht versinkt die Sonne nur für zwei Stunden; alles wird in wunderbares, durchscheinendes Licht getaucht, ein Hauch von Mystik und Romantik umgibt die Stadt. Man fühlt sich in Dostojewskijs Romane und in die Klangwelt von Rimskij-Korsakow und Tschaikowsky versetzt.
Konstantin Gockel machte Konzertreisen, teilweise durch Vermittlung des Goethe-Instituts in alle europäischen Länder sowie in die USA, nach Kanada, Südamerika und Südkorea; auch als Konzertmeister des Heidelberger Kammerorchesters. Er erhielt den Grand Prix beim Internationalen Kammermusikwettbewerb in Colmar sowie den „Logos Award for the best performance of the year“ in Gent. Über 30 Uraufführungen (unter anderem von Morton Feldman, Pauline Oliveros, Doris Hays, Walter Zimmermann, Alvin Curran und Tom Johnson) spielte er auf internationalen Festivals für Neue Musik. Einige Werke wurden Konstantin Gockel gewidmet, zum Beispiel „Vorspiel Inseln“ von Markus Stockhausen und die „Rhapsodische Sonate“ von Friedrich Zehm. Von Konstantin Gockels eigenen Kompositionen produzierte der WDR den Zyklus „Fliehende Worte“. Bei Stichting Logos Gent spielte er „Die Stimme der Schlange“ als CD ein. Liudmila Givoina am Klavier stammt aus Minsk (Weißrussland). Sie studierte an der Staatlichen Musikhochschule Minsk bei Professor Leonid Juschkewitsch und erhielt das Konzertdiplom. Sie arbeitete als Repetitorin am Theater sowie als Musikredakteurin und Moderatorin am Staatlichen Rundfunk Minsk. Sie konzertierte unter anderem in Weißrussland, Lettland, Litauen und in der Ukraine. Bonn ist seit 1998 ihre neue Heimat geworden. Zahlreich sind ihre Auftritte in Solokonzerten und als Kammermusikpartnerin. 1999 wurde sie bei einem Wettbewerb im Beethoven-Kammermusiksaal Bonn mit dem „Publikumspreis“ ausgezeichnet. Liudmila Givoinas Repertoire ist sehr vielseitig. Es umfasst Werke von Beethoven, Mozart, Schubert, Chopin, Brahms sowie Melodien aus Film, Musical und Operette.
Geigenvirtuose und Komponist Konstantin Gockel.
