750 Jahre Insul: Fünftägiger Feiermarathon lockte Alt und Jung ins Ahrtal
Ein ganzes Dorf feiert sich selbst
Ein reichhaltiges Bühnenprogramm, ein großer Umzug, ein Fußballturnier und Ausstellungen sorgten für viel Spaß
Insul. Die landschaftliche Kulisse wirkte wie im Urlaub oder wie aus einem der vielen Heimatfilme der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts: Unberührte Natur, viele historische Gebäude und überall nur freundliche Menschen. Insul, das merkt der Besucher sofort, ist ein Ort mit dem Herz am rechten Fleck. Insul ist ein moderner Ort, mit schnellem Internet und guter Verkehrsanbindung an Bonn und Adenau, in direkter Nachbarschaft zum legendären Nürburgring, ein Ort, der durchaus am Puls der Zeit ist, aber wo sich trotzdem auf den ersten Blick wenig verändert hat. Man neigt gar dazu, zu sagen: Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Und das nicht erst seit gestern, sondern bereits seit heuer 750 Jahren. So lange ist es nun her, dass die bis heute unabhängige Gemeinde Insul als „Oensel supra Aram“ erstmalig urkundliche Erwähnung fand.
Gelungene Festschrift vorgestellt
Bereits am Mittwoch letzter Woche, es war der 29. Mai, begannen die feierlichen Aktivitäten rund um das Dorffest. Der Auftakt sollte bewusst ein „Abend für das Dorf“, also für die Einwohner von Insul, werden. Im Rahmen der gutbesuchten Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus an der Alten Schule wurde unter anderem die sehr gelungene Festschrift „750 Jahre Insul, Insul im Leben, Leben in Insul“ vorgestellt, aber auch die Bilderausstellung „Insul – Damals und Heute“ mit einigen hundert Aufnahmen sowie diversen Exponaten aus der langen Geschichte des Orts in der Alten Schule auf zwei Etagen eröffnet.
Als absolutes Highlight wurde dabei von allen Beteiligten die Festschrift hervorgehoben. Diese wurde federführend von acht Einwohnern sowie einigen Gastautoren in über 20 Redaktionssitzungen und in „unzähligen Stunden der Recherche und Schreibtätigkeit“, wie es der Erste Beigeordnete Udo Breuer bezeichnete, seit dem April 2017 mit „viel Herzblut und viel Liebe zum Ort“ erarbeitet. Auf den rund 180 hochprofessionell illustrierten Seiten findet sich ein ergreifendes und fundiertes Erzeugnis, das die Geschichte des Ortes allumfassend aus jeglicher Perspektive abarbeitet.
Offenes Singen mit neuem Insul-Lied
Der Abend wurde vom örtlichen Blasorchester begleitet, und auch die heimische Mundart kam nicht zu kurz. So gab es entsprechende Dialektvorträge von Amelie Ullrich aus Hönningen und Udo Schrappman aus Dümpelfeld. Für viele aber war das offene Singen der Höhepunkt des Abends. . Nur von einem Akkordeon und einer Gitarre begleitet, sangen die Bewohner des Orts rheinische Lieder. Zum Finale wurde ein extra auf Insul umgetextetes Lied mit der Melodie des Vereinslieds des 1. FC Köln gesungen.
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen des Vatertags. Auf dem großen Festplatz gab es ab 11 Uhr handgemachte Musik von den Limbachtaler Musikanten und von den Jagdhornbläsern Hocheifel. Dazu gab es ganztägig diverse Wanderungen, ein großes Kuchenbuffet, die Bilderausstellung und kostenlose Kutschfahrten durch den Ort. Am Abend übernahm ein DJ mit modernen Beats.
Am Freitag wurde es offiziell. Nach einer heiligen Messe in der Insuler Kapelle und einem Festzug erfolgte ab 19 Uhr der obligatorische Festakt mit geladenen Gästen und mit vielen Grußworten aus der Politik und der Wirtschaft.
Bunter Familientag
Der Samstag stand dann ganz im Zeichen eines „Bunten Familientages“. Dieser startete zunächst mit einem traditionellen Frühschoppen und einer großen Ausstellung von Motorrädern aus der Zeit vor 1939. Die „Insuler Longboarder“ zeigten ihr Talent an der Skateboardrampe. Im Rahmen der Aktion probierten sich auch viele Kinder auf den Brettern aus, die für viele in der „Halfpipe“ die Welt bedeuten.
Parallel zu den Ereignissen auf dem Festplatz startete zunächst ein Bambini-Turiner und später ein Seniorenturnier im Fußball auf dem unmittelbar angrenzenden Sportplatz. Beim Turnier der Teams aus dem Ahrtal fand sich schließlich der Sieger aus Hönningen. Er besiegte im Finale die Erste Mannschaft des Gastgebers mit 3:0.
Auch für die Kultur- und Wanderfreunde wurde einiges aufgefahren. Rosi Hintermann bot den ganzen Tag Führungen entlang der Kulturroute an. Ebenfalls gab es auch wieder bei bestem Wetter Kutschfahrten rund um Insul.
Historischer Festumzug lockte viele Besucher nach Insul
Der Sonntag stand ganz im Zeichen des traditionellen Oktoberfestes. So erblickte man bei strahlendem Sonnenschein und rund 30 Grad auf dem ganzen Platz viele Ortsbewohner in Lederhosen und Dirndln, die der bayrischen Band „Die Skilehrer aus dem Stubaital“ lauschten.
Der große Höhepunkt der Feierlichkeiten war aber ohne Zweifel der große, historische gefärbte und mit weit über 3.000 Zuschauern gut besuchte Festumzug durch den Ort. Darin befanden sich fünf Musikkapellen, einige Fußgruppen, unter anderem vom Kindergarten, und 42 Festwagen.
Der wunderschön anzusehende Umzug hatte, analog zur Bilderausstellung, das Motto „Insul – Damals und Heute“, weswegen die Motivwagen historische Themen, Gebäude oder Sagen aufgriffen. So zeigte sich die Feuerwehr mit historischen Spritzwagen, die Schule zeigte sich auf einem Festwagen mit Schülern in historischem Klassenzimmer und die Landwirte spannten ihre Pferde vor große Heuwagen.
Landwirtschaft war von jeher ein großes Thema
Sowieso ist die Landwirtschaft von jeher das große Thema in Insul gewesen. Früher wie heute war und ist das Dorf sehr landwirtschaftlich ausgerichtet. Obstbäume und Streuwiesen prägen das Landschaftsbild. Viele Jahre wurde im Ort auch Apfelsaft gepresst, welcher überregional verkauft wurde. Udo Breuer erinnert sich, von überall seien die Menschen mit ihren Traktoren gekommen und hätten ihre Äpfel für Apfelsaft auf die Höfe gebracht, damals sei Landwirtschaft ebenso ein großes Thema in Insul gewesen wie auch die Viehzucht. Zu den besten Zeiten habe es gar vier Schafherden und mehrere Schäfer gegeben.
Heute habe sich der Ort was gewandelt. Man sei touristisch sehr gut angeschlossen im Ahrtal, nur acht Kilometer entfernt vom Nürburgring. Die Gaststätten und Hotels seien ganzjährig geöffnet, der Ort habe 50.000er Internet und das breiteste Ahrtal nach Bad Neuenahr mit vielen touristischen Möglichkeiten. Das locke auch gerne Besucher aus den BeNeLux-Ländern an. Die lokalen Wanderwege seien gut ausgebaut und gepflegt. Der Ort sei aktuell sehr gut aufgestellt, wofür ihn auch viele andere Orte beneideten, so Breuer weiter.
Der aus Rodder der Liebe wegen nach Insul gezogene und seit nunmehr 15 Jahren amtierende Ortsbürgermeister Ewald Neiss kam hingegen gegenüber Blick aktuell, angesprochen auf die große Zusammenarbeit im Ort, ins schwärmen. In Insul habe wirklich alles geholfen, was zwei Beine hatte. Genau genommen seien es in Summe rund 150 Helfer direkt aus dem Ort. Er sei wirklich sehr stolz auf seine Mitbürger, so Neiss. Man habe es geschafft, ein Fest zu organisieren, das nicht von irgendwem für den Ort sei, sondern man habe ein unvergessliches Event geschaffen, auf die Beine gestellt von allen Insulern für die Gäste und Besucher.
Udo Breuer, Erster Beigeordneter, kann dem nur beipflichten. Der Zuspruch, den man in den letzten Tagen bekommen habe, gerade von außerhalb, sei enorm groß gewesen, es sei gesagt worden, wie gemütlich, wie idyllisch es hier sei und dass das, was die Mitwirkenden auf die Beine gestellt hätten, wirklich großartig gewesen sei. Er selber sei geborener Insuler und sein Herz schlage natürlich für Insul. Das werde sich auch nie ändern.
Aber auch so ein großes Fest will natürlich finanziert werden, wie es dem Bürgermeister noch wichtig ist anzumerken. „Es hat uns sehr gefreut, dass wir auch von außerhalb so stark unterstützt wurden. Durch Institutionen wie der Kreissparkasse Ahrweiler, die örtlichen Gewerbetreibenden und vor allem auch durch die hiesige Jagdgenossenschaft, welche uns direkt 7.500 Euro zur Verfügung gestellt hat, damit wir ein solides Startkapital hatten.“Roland Schäfges
Auf thematischen Festwagen wurde die Geschichte von Insul erzählt.
Brauchtum und traditionelle Werte werden in Insul auch noch von den jungen Menschen gelebt. Foto: Roland Schaefges
Die örtliche Feuerwehr zeigte ihren alten Spritzenwagen.
Die Ortsspitze arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich zusammen: Udo Breuer und Ewald Neiss. Foto: Roland Schaefges
Nach dem Festumzug bevölkerten noch viele Besucher den Festplatz.
