Allgemeine Berichte | 29.08.2023

„Tag der Offenen Burg“ als Dialogforum für Burg Odenhausen

Ein mittelalterliches Juwel in Gefahr

Wachtberg. Mit einem „Tag der Offenen Burg“ lädt Familie Vieten, die seit 18 Jahren auf Burg Odenhausen in Wachtberg-Berkum lebt, zum Dialog über die von einem geplanten Neubaugebiet bedrohte mittelalterliche Wasserburg am hohen Hang des Wachtbergs ein. Der „Tag der Offenen Burg“ findet am 9. September 2023 statt, am Vortag des bundesweiten „Tags des offenen Denkmals“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Familie Vieten hat dazu einen der besten Kenner rheinischer Burgen, Dr. Harald Herzog, gewonnen. Der Kunsthistoriker hatte schon die Vorbesitzer der in den 1960er Jahren stark sanierungsbedürften Wehranlage am Rande des Wachtberger Zentralorts Berkum begleitet, als diese mit weit mehr als 12 Millionen Mark alles taten, um sie vor dem Verfall zu retten. Dr. Herzog tat dies damals in seiner Eigenschaft als zuständiger Denkmalschützer und Mitarbeiter des Landschaftsverbands Rheinland (LVR). In dieser Funktion hatte er bereits bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans im Jahre 2012 dringend vor einer Ausweitung der Berkumer Neubaugebiete auf die Äcker gewarnt, unter denen die Wasseradern fließen, die der Burg ihre (fast) einzigartige Stellung verleiht unter den Burgen des Rheinlands als hoch an einem Hang gelegene Wasserburg. Der für jeden offene und kostenlose Vortrag mit anschließender Gesprächsrunde findet auf Burg Odenhausen am Samstag, den 9. September, 2023 um 14 Uhr statt. Zuvor (ab 12.30 Uhr) und anschließend sind Interessenten jeweils zu einer Burgführung eingeladen.

„Wir suchen mit diesem Informations- und Diskussionsangebot den Dialog mit unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Wachtberg und insbesondere in Berkum – aber auch darüber hinaus - sowie mit Verwaltung und Politik, die diesen Dialog – und es ist bitter, das so sagen zu müssen – bisher weitgehend vermieden, ja sogar verweigert hat“, so Wolfgang Vieten. Eine entsprechende Einladung nach der Vorstellung des Neubauprojekt im Planungsausschuss vor einigen Monaten an Bürgermeister Jörg Schmidt sei von diesem zurückgewiesen worden. „Dabei sind wir ein offenes Haus, was die zahllosen Besucher der Burg und des Parks seit vielen Jahren bestätigen können“, so Vieten. „Wenn jährlich weit mehr als 12.000 Menschen den Weg zu uns finden in Gruppen oder als Einzelpersonen, im Rahmen der von Politik und Verwaltung stets gefeierten Burgenroute, zu der wir mit den drei anderen Wachtberger Burgen gehören, oder aus individuellem Interesse, dann verwundert eine diese kalte Schulter der Gemeinde schon sehr. Mal als herzlich gerne zur Verfügung gestellte, wenige Schritte vom Rathaus entfernte „Visitenkarte“ Wachtbergs genutzt, beispielsweise als Bühne für Besucher aus den französischen und italienischen Partnergemeinden Wachtbergs, werden wir als betroffene Anlieger – und potentielle Erheber von Einsprüchen - eines mehr als 100 Wohneinheiten umfassenden Neubaugebiets von den am Entscheidungsprozess Beteiligten weitgehend geschnitten“ zeigt sich Vieten enttäuscht.

Es mute schon seltsam an, wenn ganz viele Wachtberger den Weg in die Burg fänden, zum Schauen, Verweilen und zum Gedankenaustausch, nicht aber diejenigen, die über deren Schicksal mitzuentscheiden haben. Befremdlich sei, dass das Projekt „Am Brunnengarten“, dass die Investoren später möglicherweise noch besser als Wohnlage „Am Schlosspark“ vermarken könnten, weder den Stellenwert zu haben scheint, den der Bürgermeister kürzlich dem geplanten Rathausneubau mit seiner Bürgerinformation zugebilligt hatte. Genauso befremdlich wirke, dass dieses Thema bisher auch an dem bei örtlichen Themen von Bedeutung einzuschaltenden Berkumer Ortsausschuss vorbeigeschleust wurde – und das knapp vor der in wenigen Wochen anstehenden Beschlussfassung im Planungsausschuss und im Gemeinderat. Und wenn dann auch noch in der Bürgerinformation zum Rathausneubau aus der Versammlung heraus die Frage nach einer Verbindung zwischen den Wohnungsbauplänen sowie den bisher in der Öffentlichkeit nicht diskutierten Plänen zu einem ausgedehnten, mehrstöckigen Komplex von Gewerbe-Immobilien zwischen Wohngebiet und Wachtbergring unkommentiert und unbeantwortet blieb, bekomme das ganze „Geschmäckle“.

„Das alles würden wir gerne in aller Öffentlichkeit an diesem „Tag der Offenen Burg“, eingeleitet mit dem fachlichen Vortrag des langjährigen Denkmalschützers, mit unseren Mitbürgern und unseren Ratsvertretern besprechen“, wünscht sich Vieten. Um möglichst vielen Menschen zuvor schon eine Basisinformation zu geben, habe die Familie einen Flyer drucken lassen, der in diesen Tag jeden Wachtberg Haushalt erreichen sollte und neben der Einladung auch zu den beiden Hauptanliegen „die Burg braucht Wasser, die Burg braucht Abstand“ informiert . Man freue sich zudem, dass sich aktuell eine Initiative „Freunde der Burg“ aus dem Kreis der schon weit mehr als 1000 Menschen bilde, die sich mit ihrer Unterschrift in der Burg wie auch über das Internet (www.burgodenhausen.de) gegen das Neubaugebiet an dieser Stelle wenden. Aus diesem Kreis häuften sich die Hinweise auf die für Bauvorhaben in Wachtberg schwierigen Boden- und Wasserverhältnisse, wie sie zuletzt beim Bau der Leichtathletikanlage – unmittelbar unterhalb der Burg – trotz vorhergehender Bodenexpertise zu ungeplanten Mehrkosten in erheblicher Höhe geführt haben.

„Es ist nicht unsere Aufgabe, alle diese Umstände jetzt schon zusammenzutragen, vertiefte Gutachten anzustoßen, die Auskunft darüber geben können, ob eine Gefährdung der Burg durch ein Neubaugebiet garantiert ausgeschlossen werden könne. Das liegt in der Hand und im Risiko der Gemeinde und des Investors“, unterstreicht Wolfgang Vieten. Der aber seinerseits keinen Zweifel daran lässt, dass er gegen jede Gefährdung der Burg gegebenenfalls mit allen rechtlichen Mittel vorgehen wird: „Im privaten Interesse, wie im Interesse aller Wachtberger, denn eine Burg gehört letztlich wie alle anderen Denkmäler in der Gemeinde - seien es Kirchen, Fachwerkhäuser, geschützte Hofanlagen und anderes mehr – nicht nur den Eigentümern. Sie ist zugleich kulturelles Erbe von uns allen.“

Pressemitteilung

Initiativkreis „Freunde der Burg“!

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