Allgemeine Berichte | 29.11.2016

Schönstätter Marienschwester verlassen die Wildburg

Eine Ära geht zu Ende

Unzählige Erinnerungen verbinden die Vallendarer mit der Wildburg.

Vallendar. Ohne zu übertreiben kann man sagen, dass in Vallendar am letzten Samstag eine Ära zu Ende ging. Nach sechsundachtzig Jahren verlassen die Schönstätter Marienschwestern die Wildburg. Das vertraute Glöckchen, das von Hand täglich um 18 Uhr zum Angelus Gebet läutete, ist schon seit Mitte Oktober verstummt. Das Haus ist für die wenigen Schwestern, die dort wohnten, einfach zu groß geworden. So zogen sie in das Haus Sonneck in der Höhrer Straße 91.

In den 1960er Jahren und danach lebten zwischen sechzig und achtzig Ordensfrauen und an die einhundert Internatsschülerinnen in dem ehrwürdigen Gebäude. „Wir sind wirklich ein wenig traurig“, so Schwester M. Anneclaire Gerharz. Sie als Schulleiterin der Schönstätter Marienschule und eine Reihe von Kolleginnen und Mitschwestern lebten im Haus Wildburg. Man fühle sich diesem Haus sehr verbunden, es sei sehr eng mit dem Odensgründer Pater Kentenich verbunden. Man habe viele gemeinsame Messen gelesen, es fanden feierliche Profess (Ordensgelübde) statt. Die Wildburg sei ihre Heimat gewesen, so die Schwestern. Schwester Anneclaire verstärkt dies noch mit den Worten: „Ich bin immer eine Kämpferin für die Wildburg gewesen. Nun ziehen wir leider aus einer sehr zentralen Lage etwas an den Rand.“ In der Wildburg habe man sich nah am Menschen, an der Vallendarer Bevölkerung, gefühlt.

Am letzten Samstag machten die ehemaligen Bewohnerinnen die Türen von Haus Wildburg jedoch noch einmal ganz weit auf. Allen Vallendarern sollte Gelegenheit gegeben werden, sich in dem riesigen Gebäude umzuschauen. Und das taten viele. Denn solch eine Gelegenheit hat Seltenheitscharakter. Die meisten Vallendarer haben das Gebäude noch nie von innen gesehen. Die Einrichtungsgegenstände wurden in die Ukraine und nach Rumänien abgegeben.

Im ehemaligen großen Speisesaal hatte Schwester Elvira einen Basar mit allerlei hübschen Dingen zusammengestellt. Die Besucher waren eingeladen, die Dinge mitzunehmen und wenn sie mochten, konnten sie dafür eine Spende geben.

Schwester Anneclaire führte Besucher durch das mehrstöckige Gebäude. In der Tat kann da schon mehr als eine Spur von Traurigkeit aufkommen, wenn man die vielen leeren Räume sieht und man sich gut vorstellen kann, wie viel Leben und Begeisterung hier einmal präsent gewesen sein müssen. Und man konnte sogar am Nachmittag manchmal das vertraute Vallerer Wildburg Glöckchen hören und das zu läuten, weiß Schwester Anneclaire, ist eine Wissenschaft für sich und lächelt dabei.

Was wird aus der Wildburg?

Die Zukunft der Wildburg ist ungewiss und niemand weiß, was aus dem großen Gebäude, zentral in Vallendar gelegen, werden wird. Es ist im Besitz der Schönstattbewegung und wird für deren Zwecke nicht mehr genutzt. Ein großer Teil des Gebäudes steht unter Denkmalschutz. Die Bausubstanz ist gut. Je nach Nutzung sind im Inneren natürlich Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen nötig, besonders in Bezug auf die Heizung.

Vor einigen Monaten hatte eine Immobiliengesellschaft ein Konzept entwickelt, das Haus zu achtundvierzig barrierearmen Eigentumswohnungen umzubauen. Besonders war dieses Angebot an Menschen gerichtet, die sich der Schönstattbewegung verbunden fühlen und näher zusammen leben wollten. Die Nachfrage an solch einem Wohnkonzept war jedoch gering.

Dann wurde überlegt, eine Alteneinrichtung zu bauen und/oder das Gebäude für betreutes Wohnen zu nutzen. Nach Auskunft von Schwester Marieclaire Gerharz habe man mit den Waldbreitbacher Franziskanerinnen gesprochen, die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen betreiben. Eine Nutzung kam jedoch von deren Seite nicht in Frage. Im Moment gibt es von verschiedenen Seiten Überlegungen, das ehemalige Internatsgebäude abzureißen und dort den neuen Kindergarten zu errichten. Die Schönstätter Schwestern würden sich wünschen, dass der Park um die Wildburg erhalten bleibt. Wünschenswert wäre auch, dass die Kapelle weiter ihren ursprünglichen Nutzen behalten kann, das liegt ihnen besonders am Herzen. Im Moment entwickelt ein Maklermanagement ein neues mögliches Nutzungskonzept.

Die Wildburg hat eine Wechselvolle Geschichte

Die Angaben über die Entstehung des Gebäudekomplexes sind nicht ganz eindeutig. Der Architekt ist nicht bekannt. Schmidt/Mertens/Mertens schreiben in dem Buch 125 Jahre Stadt Vallendar (Vallendar 1981, Seite 79): „Nach ihnen muss er (also der Wiltberger Hof) aber zwischen 1695 und 1698 in seiner heutigen Form entstanden sein. Das Grundstück wurde 1665 von Georf Wenz aus Niederlahnstein an Johann Lothar Waldbott von Bassenheim verkauft, der es dann 1698 an Freiherr Emmerich Ernst von Wiltberg veräußert.“

Nach und nach verlor das Gebäude seine Bedeutung als Adelssitz. So wurde es später zunächst verpachtet und eine Zitzfabrik eingerichtet. Dort wurde feines Baumwollgewebe herstellt. Johann Josef Bender kaufte das Gebäude später, um es als Baumwollfabrik zu nutzen. Im 20. Jahrhundert wurde eine Zigarettenfabrik, und zwar die „Carltonsche Zigarettenfabrik“ eingerichtet.

1930 kaufte der Schönstattgründer Pater Joseph Kentenich die ehemalige Zigarettenfabrik und schenkte sie 1931 an die Schönstätter Marienschwester.

In Kriegszeiten wurde das Gebäude als Reservelazarett genutzt. Danach betrieben die Schwestern dort das erste Gymnasium, später mit Internat. Nach dem Neubau der Schönstätter Marienschule diente die Wildburg nur noch als Schwesternunterkunft. Eine Zeit lang dienten Räumlichkeiten als Paramentenwerkstatt der Schönstätter Schwestern. Mitte Oktober 2016 verlassen die letzten Schönstattschwestern die Wildburg. Das komplexe historische Gebäude steht zur anderen Nutzung zum Verkauf. AND

Die Schwestern hatten einige schöne Gegenstände bereit gelegt, die die Besucher als Andenken mitnehmen durften. -AND-

Die Schwestern hatten einige schöne Gegenstände bereit gelegt, die die Besucher als Andenken mitnehmen durften. Fotos: -AND-

Eine Ära geht zu Ende

Eine Ära geht zu Ende

Eine Ära geht zu Ende

Eine Ära geht zu Ende

Eine Ära geht zu Ende

Eine Ära geht zu Ende

Eine Ära geht zu Ende

Eine Ära geht zu Ende

Unzählige Erinnerungen verbinden die Vallendarer mit der Wildburg.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Gitta Meyer: Ehrlich,die ganze Idee Buga im Mittelrhein ist falsch. Die Gemeinden sind verschuldet. Schauen sie sich Lahnstein an. Hier ist nichts los. Die Brücke wird bestimmt toll,aber sonst.....
  • Oliver Burggraf: Sehr schöne Vorabinfo vor dem Festival. Freuen uns schon drauf

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 3

  • Claus Wiest: Das Foto zeigt die Rheinfähre Linz-Remagen, aufgenommen von der Anfahrt auf der Linzer Seite mit Blick auf den Ort Kripp.
Dienstleistungen
Dauerauftrag 2026
Kirmes Polch 2026
Rund ums Haus
Titelanzeige
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
SB Wahlen
Empfohlene Artikel
Mara Hermes ist überzeugt von der Bedeutung des Ehrenamts.  Foto: privat
16

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Blutspenden, Karnevalsumzüge oder auch Großveranstaltungen wie Rock am Ring wären ohne sie kaum denkbar: die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes. Sie engagieren sich in ihrer Freizeit, helfen Menschen in Not und leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft. In der Reihe „HeimatHelden“ stellt BLICK aktuell Menschen vor, die diesem Engagement ein Gesicht geben.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
16

Flucht trotz ausgelöstem Airback: Polizei stoppt Autofahrer unter erheblichem Alkoholeinfluss

22.04.: Kontrollverlust auf der B260: Alkoholisierter Fahrer flieht nach Unfall

Nievern. Am Abend des 22. April 2026, etwa um 20:15 Uhr, ereignete sich auf der B260 in Fahrtrichtung Bad Ems ein Unfall. Ein Fahrzeug geriet auf Höhe des Überfliegers im Nievern-Bereich außer Kontrolle, begann zu schleudern und stieß schließlich an den Bordstein. Der Schaden an der Felge war beträchtlich, und die Airbags des Autos wurden ausgelöst. Trotz dieser Umstände entfernte sich der Fahrer zunächst unerlaubt von der Unfallstelle.

Weiterlesen

„Die Umfirmierung ist für uns ein wichtiger Meilenstein“, erklärt Rechtsanwalt Kai-Daniel Friedrich.  Foto: Sabine Ring
7

-Anzeige-Umfirmierung als konsequenter Schritt in die Zukunft: „Kurtenacker Friedrich Rechtsanwälte“ wird zu FRIEDRICH Rechtsanwälte

Moderne Struktur, klare Ausrichtung und bewährte Kompetenz

Bad Neuenahr. Aus einer gewachsenen und etablierten Kanzlei entsteht eine noch klarer strukturierte und zukunftsorientierte Einheit: Die bisherige Kanzlei „Kurtenacker Friedrich Rechtanwälte“ firmiert nun unter dem Namen FRIEDRICH Rechtsanwälte. Die Umfirmierung ist dabei kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern die logische Weiterentwicklung einer erfolgreichen Kanzleigeschichte.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Holz Loth-Entsorgung
Kleinanzeigen
Kirmes Polch 2026
neue Heizung?
Rund ums Haus Daueranzeige
Heizölanzeige
Schulhausmeister
Werbeplan 2026
Kooperationsgeschäft
Maifest in Gönnersdorf
Maifest in Gönnersdorf
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Maifest in Dedenbach
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Maifest Gönnersdorf
Erzieher