Allgemeine Berichte | 20.03.2019

Turmgespräch im Sinziger Schloss

Eine Grenze mit Handel und Wandel

Achim Habbel referierte über die „Frauen am Limes“

Vorsitzender Hardy Rehmann (v. r.) dankte dem Referenten Achim Habbel und Vorleser Meik Stiegler für ein gelungenes Turmgespräch. Fotos: HG

Sinzig. Im Kontext von „Römer-Spuren“, einem Projekt, zu dem sich sieben Kultureinrichtungen, darunter das Sinziger Heimatmuseum, zusammengeschlossen haben, sprach Achim Habbel beim Turmgespräch des Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig über „Frauen am Limes“.

Der Informatiker und Betriebswirt ist ungemein geschichtsinteressiert, weshalb er sich von der Deutschen Limeskommission zum Limes-Cicerone (Gästeführer) ausbilden ließ. Um seine Ausführungen im Schloss noch lebendiger zu vermitteln, hatte er Meik Stiegler gebeten, antike Texte vorzutragen. Tatsächlich erschien den Zuhörern im Licht der Literatur vieles plastischer und näher ans Heute gerückt. Habbel stieg bei um 50 Jahren vor Christus ein, als Julius Cäsar Gallien eroberte, womit die Römerzeit im heutigen Frankreich, Belgien, Luxemburg und einem Teil Westdeutschlands begann. Später nahm Rom Österreich und weitere Teile Deutschlands ein. Nach der verlorenen Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus zogen sich die Römer in die linksrheinischen Gebiete zurück. Wegen dichter Wälder und unzugänglicher Gegenden östlich des Rheins gab Rom den Plan deren Eroberung auf, um stattdessen die schon eroberten Regionen zu sichern.

So errichteten sie ab dem ersten Jahrhundert nach Christus den Limes gegen die Einfälle germanischer Stämme. Er markiert, je nach Ausbauphase mit Kastellen, Wachtürmen, Mauern und Palisaden ausgestattet, die Befestigungen, durch die die Weltmacht sich bis in die zweite Hälfte des dritten Jahrhunderts gegen das freie Germanien abgrenzte. Mit 550 Kilometern Länge und 120 Kastellen ist der Limes das längste Bodendenkmal Europas. Dort begegnete die römische Hochkultur dem „barbarischen“ Germanien. Dessen Angriffe wurden abgewehrt. Aber es gab durchaus friedliche Begegnungen. Römer und Germanen unterhielten einen schwunghaften Handel. Die Germanen begehrten Töpfereierzeugnisse und Waffen, während die Römer gerne Bernstein, das Gold Germaniens, erstanden und ebenso blondes Germanenhaar für römische Perücken.

Ex-Grenze verbindet Länder

75 Limes-Kilometer verlaufen in Rheinland-Pfalz. Der obergermanische Limes beginnt bei Rheinbrohl, der raetische Limes bei Schwäbisch-Gmünd. Er endet nahe Regensburg, bei Hienheim an der Donau. Seit 2005 hat der Obergermanisch-Raetische Limes Welterbestatus. Zusammen mit dem Hadrianswall in Großbritannien bildet der Limes die Welterbestätte „Grenzen des Römischen Imperiums“. Auch der Niedergermanische Limes, so Habbel, der als natürliche Flussgrenze rund 400 Kilometer von der Nordsee bis zur Vinxtbachmündung bei Bad Breisig entlang des Rheins verläuft, soll Teil des Welterbes werden. Dies würde in der Kernstadt Remagens zu besonderen Grabungsschutz führen.

Vor der Weiblichkeit am Limes betrachtete der Referent die Frauen im Römischen Reich. Sie hatten bereits mehr Rechte als die Griechinnen, wenn auch nicht das Wahlrecht und keine eigene Vermögensverwaltung. Und nur Männer konnten sich scheiden lassen. Indes nahmen die Rechte der Römerin in der Kaiserzeit zu. Das Ideal der römischen Frau erschließen Grabsteine als anmutig, fleißig, züchtig und fromm. Dagegen nutzte der Redner Münzen, um auf berühmte Römerinnen wie Livia oder Agrippina die Jüngere zu verweisen, die ihren Sohn, Kaiser Nero, beeinflusste und als Gründerin Kölns gilt. Das ewig junge Thema Mode schien exemplarisch durch den Kopfputz auf. Darin und in puncto Hygiene kannte sich Ovid aus. „Gepflegte Sauberkeit zieht uns an“, schrieb der Dichter. Und als typgerechte Frisur riet er unter anderem: „Auch nachlässiges Haar steht vielen.“

Die Stellung der Frau

Im römischen Kernland erfüllten die Frauen vor allem Aufgaben als Hausfrauen und Mütter. Sklavinnen verrichteten Heim- und Hofarbeit. Doch Frauen des „Mittelstandes“ übten gerne den Beruf der Ärztin oder Hebamme aus. Andere waren assistierend im Handwerk tätig. Was aber hatten Frauen am Limes zu tun? Sie kämpften nicht, stellte Habbel eindeutig klar. Die Wachtürme am Limes wurden ausschließlich von Hilfstruppen, den Auxiliare, besetzt. Nach 25 Jahren Dienstzeit erhielten diese Soldaten das Bürgerrecht und sollten solange nicht heiraten. Dennoch lebten sie nicht legalisiert mit Frauen zusammen und gründeten Familien, wovon sogar ihre Militärdiplome zeugen. In den Kastellen selbst gab es keine Frauen.

Nur der Kommandant hatte seine Familie im Wohnhaus bei sich. Allerdings existierte am Limes eine Infrastruktur zivil verwalteter Kastelldörfer und Landgüter. In den Siedlungen arbeiteten Frauen in Gaststätten und Bordellen. Sie waren in den Handwerksbetrieben tätig und traten als Händlerinnen auf. Überraschungsgast Stine Kockrick aus Limeshain trug zum Vortrag mit ihrer römischen Gewandung bei.

Für den lehrreichen und unterhaltsamen Ausführungen dankte der Vereinsvorsitzende Rehmann dem Referenten. Zugleich wies er auf die nächste Vereinsexkursion hin. Sie verfolgt wiederum „Römer-Spuren“. Die Fahrt geht am 30. März nach Rheinbrohl zum Projektteilnehmer „Römer-Welt“. Die Führung beginnt um 14 Uhr. Mitfahrgelegenheiten ab Schloss Sinzig gibt es um 13.15 Uhr. Anmeldungen nimmt Agnes Menacher unter Tel. (0 26 42) 34 06 entgegen. HG

Achim Habbel freute sich, auch die römisch gewandete Stine Kockrick zu seinem Vortrag begrüßen zu können.

Achim Habbel freute sich, auch die römisch gewandete Stine Kockrick zu seinem Vortrag begrüßen zu können.

Vorsitzender Hardy Rehmann (v. r.) dankte dem Referenten Achim Habbel und Vorleser Meik Stiegler für ein gelungenes Turmgespräch. Fotos: HG

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2025
Kreishandwerkerschaft
Rund ums Haus
Bachelor of Arts Engineering
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // AZ Commodity Rheinschiene KW 13
Innovatives rund um Andernach
Tag der offenen Tür
fit für`s Alter?
SB Standesamt
Empfohlene Artikel
Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
35

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

39

Insul. Der neue Bikepark wird feierlich eröffnet: Am Samstag, den 11. April, um 14:00 Uhr sind alle Bürgerinnen und Bürger sowie Radsportbegeisterte herzlich eingeladen, die neue Anlage am Sportplatz in Insul kennenzulernen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock
70

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
24

Bücherbrücke Meckenheim/Alfter stärkt Lesefreude bei Kindern

Bibfit-Programm bringt Vorschulkinder spielerisch in die Bibliothek

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Rund ums Haus
Kreishandwerkerschaft
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0197#
Lossprechungsfeier der Metall-Innung
Lossprechungsfeier der Metall-Innung
Lossprechungsfeier Metall-Innung
Gratulationsanzeige Bastian Köb
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Stellenanzeige Betriebsstättenleitung
Ostergrußanzeige
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Doppelseite PR/Anzeigen
Titel
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
Kreishandwerkerschaft
First Friday Anzeige März