Allgemeine Berichte | 18.12.2019

Der bulgarische Pianist Vesselin Stanev zelebrierte Werke von Schumann und Brahms

Eine Matinee in der Villa Bellestate

Es ist ein reiner Genuss, Vesselin Stanev als Zuhörer auf seiner romantischen Klangreise zu begleiten.Foto: privat

Grafschaft-Holzweiler. In dem exklusiven Rahmen der Villa Bellestate zelebrierte Vesselin Stanev ein musikalisch-pianistisches Hochamt mit Schumanns „Sinfonischen Etüden“ Opus 13 und Brahms‘ dritter Klaviersonate f-Moll Opus 5.

Seit dem inzwischen schon jahrzehntelang zurückliegenden Beginn seiner internationalen Karriere ist Stanev mit dem Ehepaar Maerker und dem Grafschafter Kunstverein freundschaftlich verbunden. Prof. Dr. Gisela Maerker freute sich sichtlich, den bescheiden auftretenden Virtuosen in ihrem musikalischen Salon anzukündigen. Schon die ersten Akkorde auf dem sehr gut gepflegten Bösendorfer-Flügel signalisierten, dass etwas Besonderes bevorstand. Sensibel und aufmerksam tastete sich Stanev gleichsam hinein in das Instrument und seine Klanglichkeit, und zugleich auch in die fantasievolle, reiche Welt des Wahl-Rheinländers Schumann und seiner epochalen „Sinfonischen Etüden“. Achtsam verfolgt er die komplex verwobenen Linien. Wo immer nötig, nimmt er sich Zeit, um überraschenden Wendungen und unerwarteten Klängen hinterherzulauschen. Er spielt ruhig, unaufdringlich und dennoch stets spannend. Im Gattungsbegriff „Etüde“ schwingt klassischerweise stets auch der Aspekt der „Übung“ mit. Das kann man rein manuell auffassen, im Sinne der technischen Geschicklichkeit, oder aber als musikalisch-inhaltliche Übung ausdeuten. Robert Schumanns Opus 13 bietet für beide Sichtweisen Anhaltspunkte in reicher Fülle und Vielfalt. Vesselin Stanev entscheidet sich, vor diese Wahl gestellt, stets und kompromisslos für den musikalischpoetischen Ansatz. Es ist ein reiner Genuss, ihn als Zuhörer auf seiner romantischen Klangreise zu begleiten. Wie inzwischen allgemein üblich, erklangen zusätzlich zu den zwölf Etüden des Erstdrucks auch die fünf von Schumann handschriftlich hinterlassenen Variationen. Wer sich in Schumanns Klaviermusik auskennt, konnte am Ende die „Florestan und Eusebius“-Motive aus seinen „Papillons“ Opus 2 wiedererkennen. Erst dann, nach nahezu einer Stunde purer pianistischer Extase, durften die begeisterten Besucher erstmals applaudieren.

Nach der Pause ging es mit Brahms‘ dritter Klaviersonate in vergleichbarer Intensität weiter. Auch hier werden die orchestralen Klangmöglichkeiten des Konzertflügels vollständig ausgereizt. Der hymnisch-jugendliche Brahms-Sound seiner frühen Werke ist bei dem gereiften Meister Stanev buchstäblich in besten Händen. Majestätische Fülle im Kopfsatz, meditativ-besinnliche Linien mit deutlich hörbaren Schumann-Zitaten im „Andante espressivo molto“, und musikantischer Übermut im „Scherzo Allegro energico“: Der bestens aufgelegte Pianist wusste mit jedem Ton, jeder auch noch so kleinen musikalischen Regung zu faszinieren. Das „Intermezzo Andante molto“ leitete sanft und entschieden hin zum fünften und letzten Satz der Großform, dem großartigen „Finale Allegro moderato ma rubato“. Jenseits aller oberflächlicher und äußerlicher Superlative schenkte Vesselin Stanev seinen Gästen und Zuhörern in der Villa Bellestate ein nachhaltig beglückendes musikalisches Erlebnis. Zur Zugabe gab es zwei Intermezzi obendrauf: Das erste stammte aus Robert Schumanns Zyklus „Ein Faschingsschwank aus Wien“, das andre war Opus 117 Nr. 2 von Johannes Brahms.

Es ist ein reiner Genuss, Vesselin Stanev als Zuhörer auf seiner romantischen Klangreise zu begleiten.Foto: privat

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