Allgemeine Berichte | 11.02.2020

Möhnensitzung in Bad Breisig überzeugt mit kreativem Programm

Eine Reise in die goldenen Zwanzigerjahre

Die Prominenten und die für lange Möhnen-Zugehörigkeit Geehrten wurden auf die Bühne gebeten.Fotos: KMI

Bad Breisig. Nicht weniger als sage und schreibe 18 Programmpunkte hatte die diesjährige Möhnensitzung zu bieten. Und der letzte dieser Punkte war unter dem Motto „Finale der Möhnen“ noch einmal in 10 Auftritte aufgeteilt.

Als Auftakt hielt die anmutige Bad Breisiger Möhnenschar, von manchem Redner und zwei Prinzen im Laufe der Veranstaltung mehrfach wegen ihrer Schönheit gepriesen, auf der Jahnhallenbühne Einzug. Begrüßt wurden die Narren im Saal von der 1. Vorsitzenden Martina Heuser, in deren Adern nicht nur bürgermeisterliches, sondern auch karnevalistisches Blut fließt, ist sie doch die Tochter der sagenumwobenen Christina Müller. Diese konnte, wie berichtet wird, als Obermöhn die Jahnhalle im Alleingang zum Kochen bringen. Das Moderations-Gen hat Obermöhn Martina Heuser aber auf jeden Fall geerbt und zudem gemeinsam mit der Karnevalsgesellschaft (KG) unter ihrem Vorsitzenden Markus Feix ein tolles Programm ersonnen. Karnevalistische Tanzdarbietungen, Büttenreden und die bereits erwähnte Zwanzigerjahre-Show. Nicht nur die Protagonisten auf der Bühne, die Trainer, die Helfer im Hintergrund, oder die, die z. B. im Speisen- und Getränkeservice arbeiten, sondern alle zusammen machen Veranstaltungen dieser Größe möglich.

Auf der Bühne hielt dann das stets glücklich lächelnde Bad Breisiger Prinzenpaar Prinz Bernhard I. und ihre Lieblichkeit, Anne II. samt Hofstaat, zu dem auch zwei Töchter des Prinzenpaares gehören, Einzug. Das Ehepaar Jäger scheint das große Glück, tatsächlich Prinz und Prinzessin geworden zu sein, immer noch nicht fassen zu können und weiterhin in vollen Zügen zu genießen. Nachdem das prinzliche Mariechen am Hofe, Laureen Jäger, noch einmal ihr tänzerisches Können unter Beweis gestellt hatte, folgte der ganz große Auftritt der ganz Kleinen, nämlich der Minifunken und Kadetten der KG. Und wenn sich hier das eine oder andere kleine Füßchen schon einmal in die falsche Richtung dreht, ist das alles andere als eine Panne, sondern erhöht vielmehr noch einmal zusätzlich den Sympathiewert für diese Truppe.

Bühnenprogramm nimmt immer mehr Fahrt auf

Weiter ging es im nachmittäglichen Programm mit „Dick und Doof“, einer Tanzeinlage der beiden Möhnen Hella Kraemer und Heike Seidel in entsprechenden Kostümen, die schon einmal eine Kostprobe auf die spätere Zwanziger-Jahre Show am Schluss des Möhnenballs bildete. Amüsiert verfolgten das Möhnen-Komitee und die Zuschauer, wie „Dick“ beim Tanzen ständig mit dem sich ablösenden Oberlippenbärtchen zu kämpfen hatte. „Lass ihn doch ruhig runterfallen“, hieß dann auch der diesbezügliche Rat der Obermöhn am Schluss der Tanzvorführung. Dann betrat die Bühne einer, den es so nicht mehr gibt, der Briefträger Rudi Kraemer in der längst abgeschafften blau-grauen Uniform- statt in den „grellgelben Alarmklamotten“. In der Hand hielt er einen Stapel Briefe, Bittbriefe von Breisigern, wie er erklärte, die sich für den Erhalt der Jahnhalle einsetzten. „Alles langsam, in Ruhe und ohne Hetze“, ist das Lebensmotto des Briefträgers, der selbst schnelles Trinken ablehnte, weil es einfach zu müde macht.

Ehrungen und Ehrengäste

Es folgte die Begrüßung der Ehrengäste auf der Bühne. Als die ersten dieser Gattung begrüßte Martina Heuser ihren Ehemann Udo mit den Worten: „Ich weiß ja, dass Du kein großer Karnevalist bist.“ Bei Ehrengast Gerd Kaiser war sich die Obermöhn sicher, sei das genau das Gegenteil, wie er durch einige Einsätze auf der Bühne gezeigt habe. Wie es beim Ehrengast MdL Guido Ernst damit aussehe, wisse sie nicht. Diese Frage war schnell beantwortet: „Vor Euch stehen 125 Kilogramm geballter Spaß an der Freud“, klärte Ernst die Situation schlagfertig. Nachdem Brunnenkönigin Elena in ein paar anerkennenden Worten für die gute Zusammenarbeit mit den Möhnen lobte, bewies der Beigeordnete Gerd Kaiser Bühnentalent und Humor: „Bin ich froh, dass ich heute mal sagen darf, was ich will und nicht das, was man mir aufgeschrieben hat.“ Und später: „Dass die Möhnen mit Martina Heuser, der Quasi-Michelle Obama von Bad Breisig, an der Spitze die geballte Frauenpower nicht missbrauchen werden, bin ich mir sicher“. Die Ehrungen langjähriger Möhnen-Mitglieder folgten nun auf der Bühne mit Hella Kraemer (25 Jahre dabei), Ulrike Frank (20 Jahre), Anita Schäfer und Rosi Schneider (beide 10 Jahre). Zuvor war schon separat die Vorgängerin von Martina Heuser, Gisela Monien für ihre langjährigen Leistungen als Breisiger Obermöhn von Markus Feix geehrt worden.

Nach diesem ruhigen Teil sorgte die Tanzgarde Skylight Majoretten in blau/weißen Röcken begleitet von flotten Klängen wieder für viel Bewegung auf der Bühne. Unerwartet kam „Et Hüsje“ Susanne Heuser, Mitglied im Spielmannszug und Obermöhn-Tochter, zu ihrem ersten Solo-Bühnenauftritt. Die Reiseerlebnisse, von denen sie berichtete, endeten gerne im ausländischen Hospital, wie z. B. zuletzt mit gebrochenem Arm in Indonesien.

Hatte der „Postbote“ vorher noch in seiner Rede von grellgelben Alarmklamotten gesprochen, stürmte eine Band mit ebensolchem Outfit und lauter Blas- und Trommelmusik im Samba-Rhythmus die Bühne: Die „Gasseputzer“, ihres Zeichens Guggenmusiker aus Andernach. Musik, die aufputscht.

Charleston ist angesagt

Unter dem schlichten Titel „Charleston - Tanz der Möhnen“ verbarg sich eine mitreißende Tanzshow, in der die Möhnen ihr Können wieder einmal aufblitzen ließen. Weil „Männer“ bei den Möhnen Fremdkörper sind, tanzte auch Martina Heuser als Mann verkleidet auf der Männerseite mit, verstärkt durch geliehene Exemplare wie Markus Feix, Kurt Schwiedel oder Jürgen Krawetzke. Unter den tanzenden Möhnen waren Ellen Bayha, Ulrike Frank, Monika Fahrmann, Christine Cruz Bonilla, Heike Seidel und Sabrina Kraus. Als Statisten Stadträtin Doris Herminghaus, Anita Schäfer, Heike Walgenbach, Eva Schator, Anneliese Breuer.

Hoher Besuch aus Brohl

Dann eroberten die Brohler Nachbarn die Bühne und zogen mit einem mächtigen Aufgebot ein. Das Prinzenpaar Stefan I. und Prinzessin Mirja I. mit Hofstaat, Schaffner Martin Kunz, Bad Breisigs stellvertretender Wehrführer, Brohler Narrenzunft, Elferrat, Teilen der Prinzengarde und Brohler Möhnen. Die Bad Breisiger Möhnen lobte auch Prinz Stefan I. wieder: „Die schönsten Möhnen, die ich außerhalb von Brohl kenne“. Im Publikum war noch ein weiteres Prinzenpaar unter den Gästen: Prinz Jan I. und Prinzessin Anna I. aus Wassenach.

Einen weiteren Höhepunkt der Show mit viel Akrobatik in ihrer Tanzdarbietung lieferten die Oberbreisiger Headlines. Gefährlich sahen die jungen Damen aus, die zur passenden Musik von „She’s a little bit dangerous“ mit einem antiken Kampfwagen einfuhren- mit einer Kriegerin, die die anderen angebundenen Tänzerinnen als Zugtiere nutze. Auf der Bühne legten sie schnell ihre Fesseln ab und zeigten einen unglaublichen Showtanz.

Eine ganz andere Art der Tanzkünste, nämlich die klassisch karnevalistische und ebenso perfekte, zeigten anschließend die Funken der KG mit ihrem hervorragenden Tanzpaar und ihrem Spielmannszug. Auf der Bühne der guten alten Jahnhalle wurde den Karnevalsjecken wieder unheimlich viel geboten. Und das mit einem Programm, das sich nicht mit dem der vorherigen Veranstaltungen deckte. Zu dieser Abwechslung trugen auch die Brohler Möhnen bei, die mit ihrer gekonnten Bollywood-Showeinlage, bunten indischen Gewändern und passender Musik wieder eine neue Tanz-Variante zeigte.

Wer eine Büttenrede erwartete, kam mit dem „Feuerwehrmann“ auf seine Kosten. Jochen Moll erzählt in Seelenruhe eine Anekdote nach der anderen von seiner Erfahrung im Internet oder dem ganz alltäglichen Wahnsinn daheim. Es folgte die nächste Tanzeinlage. Die bekannten „Dragoner“ sorgten schon beim Einzug für großes Staunen, als sie eine der Tänzerinnen liegend in den Saal trugen. Die Tanzgruppe als akrobatisch zu bezeichnen, ist noch untertrieben. Ein Showtanz der Extra-Klasse, wie auch die anderen Darbietungen der KG-Tanzgruppen. Bei den Dragonern hielt - wie schon bei den Headlights - so mancher Zuschauer den Atem an, weil sich der Dachbalken im Bühnenbereich für die obersten Tänzerinnen als echtes Hindernis erwies.

Zwanzigerjahre Bühnenshow

Das große Finale der Möhnen - eine goldene Zwanzigerjahre Show, moderiert von Martina Heuser, versetzte die Besucher ins Staunen. Auf der Bühne ging es rund. Unruhe auf der Straße, eine Gangsterbande hat eine Bank überfallen und wird von der Polizei verfolgt. Dann die Vorstellung der „Größen“ sowie der Schlager der Zwanziger des letzten Jahrhunderts, Zarah Leander (dargestellt von Ellen Bayha), die Comedian Harmonists (Markus Feix, Udo Heuser, Sebastian Goerke, Tim Baumann, Michael Mattern, Hella Kraemer und Emily Cruz Bonnilla), Charly Chaplin (Susanne Heuser), Brigitte Mira (Ulrike Frank), Sigismund (Anita Schäfer), „Ich fahr mit meiner Klara“ (Christine Cruz Bonilla), „Schorschel, ach fahr mit mir im Automobil“ (Doris Herminghaus), Marlene Dietrich (Ellen Bayha mit Markus Feix). Mit dem Aufmarsch und Tanz der Majoretten und der Verabschiedung durch alle Finalisten endete die herrliche Bühnenshow, mit der in dieser Form wohl kaum jemand gerechnet hatte.

KMI

Die knallgelben „Gasseputzer“ überzeugten als Guggenmusiker aus Andernach.

Die knallgelben „Gasseputzer“ überzeugten als Guggenmusiker aus Andernach.

Publikums-Lieblinge: die Minifunken.

Publikums-Lieblinge: die Minifunken.

Das Bad Breisiger Prinzenpaar wurde mit großem Hofstaat begeistert begrüßt.

Das Bad Breisiger Prinzenpaar wurde mit großem Hofstaat begeistert begrüßt.

Die Prominenten und die für lange Möhnen-Zugehörigkeit Geehrten wurden auf die Bühne gebeten.Fotos: KMI

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