Willi Bömerich aus Obermendig
Eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit einer außergewöhnlichen Vita
Obermendig. Obwohl der Obermendiger Autor und Heimatforscher Willi Bömerich sich über die Verdienstmedaille des Landes Rheinland Pfalz, die ihm von dem Chef der Staatskanzlei, Clemens Hoch und von Landrat Dr. Alexander Saftig in der Kreisverwaltung Koblenz ausgehändigt worden war, ebenso freut, wie über die Mendiger Ehrenbürgerschaft, die ihm 2017 verliehen wurde, mag er keine großen Worte, wenn es um ihn und seine zahlreichen Verdienste geht.
Willi Bömerich wurde am 04.12.1938 als „Kölsche Jung“ seines kölschen Vaters Wilhelm und seiner Mutter Rosa aus der „Owemennije Reudelsterzsippe“ in der Thielenstraße in Köln-Ehrenfeld geboren. Während der Kriegswirren zog er im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern von Köln nach Obermendig in die heutige Laacher Straße (damals: „Fürtürche“).
Noch bevor er 1953 eine Ausbildung zum Elektriker bei der Fa. Lung in Kottenheim machte, war sein Interesse an der Geschichte seiner Wahlheimat groß. So machte er sich im Rahmen einer Kellererweiterung in seinem ehemaligen Haus in der Laacher Straße in den 1970er Jahren an die Ausgrabung und Sicherung von archäologischen Funden aus unterschiedlichen Zeitepochen, wie zum Beispiel eines Karolingergrabes als „Reiterbestattung“. In den 1980er Jahren initiierte er im Rahmen des damals noch von der Freiwilligen Feuerwehr veranstalteten Bungertfestes jährlich wechselnde Ausstellungen zur Geschichte von Obermendig und unterschiedlichen Naturthemen.
Außerdem legte er während dieser Zeit gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aus der Nachbarschaft am Ernteweg einen Pflanzenlehrgarten mit einheimischen Natur- und Nutzpflanzen an.
Dokumentation über Funde aus der Römerzeit
Zwischen 1980 und 1990 schrieb er eine Dokumentation über freigelegte Funde aus der Römerzeit, die nach Starkregenfällen im Segbachtal, im Flurbereich Winkelwiesen vor der Errichtung eines Rückhaltebeckens in Ettringen entdeckt wurden sowie über freigelegte Funde aus der Römerzeit im Flurbereich Lungenkärchen. Maßgeblich beteiligt war er auch an der Planung und Umsetzung des Steinzirkels mit heimischen Natursteinen in der Fallerstraße, Einfahrt Friedhofparkplatz unter Mithilfe von Bernd Steffes.
Als ehrenamtlicher Wanderführer für Touren rund um Obermendig und den Hochstein war Willi Bömerich noch bis April 2019 im Einsatz. Inzwischen hat seine Tochter Silvia diesen Part übernommen.
1992 erschien der erste Band seiner mit vielen Urkunden dokumentierten „Familienchronik der Reudelsterze“ und im Jahr 2003 folgte der zweite Band, der bis zu Nachfahren der Reudelsterze in Amerika reicht.
Nicht zuletzt war Willi Bömerich bei vielen wissenschaftlichen Publikationen als Berater gefragt. Außerdem nahm er an unterschiedlichen Versuchsreihen teil.
Bevor im Jahr 2015 die von ihm verfasste Obermendiger Chronik erschien, hatte Willi Bömerich viele Stunden mit Zeitzeugen verbracht, viele Geschichten aufgeschrieben und Anekdoten gesammelt, damit diese nicht vergessen werden und für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben. Mit Freude, Elan und Optimismus besuchte er Zeitzeugen, suchte in Archiven und Büchern, durchstöberte alte Fotos und verbrachte viel Zeit an seinem Computer, um den Mitbürgern das Leben in Mendig von früher und heute zu veranschaulichen.
Seine Liebe zur Familie über Generationen hinaus, seine Liebe zur Geschichte im Allgemeinen und zur Geschichte seiner Heimat Obermendig im Besonderen spiegelt seinen Leitgedanken wider: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann in der Zukunft nicht leben.“ Willi Bömerich versucht, den Menschen das Bewusstsein für Geschichte und Kultur ebenso nahe zu bringen, wie den Respekt vor den Menschen, die in der Vergangenheit mit weit weniger Hab und Gut gelebt haben, als dies heute der Fall ist.
Hinzu kommt seine Liebe zur Natur und der Tierwelt. Bis heute ist er bemüht, die Lebenswelt der Tiere zu schützen und zu erhalten. Als großer Vogelliebhaber verbringt er viel Zeit im Wald, um die Vögel zu beobachten und dem Vogelgezwitscher zu lauschen. Er ist kein Freund von „künstlich angelegten Biotopen“, sondern versuchte immer, die Natur so zu gestalten, dass sie sich alleine entwickeln kann.
Von wegen alter Dorfadel
Ebenso verfügt der „kölsche Jung“ über eine gehörige Portion Humor. So stellte er sich im Rahmen der Präsentation seiner Obermendiger Chronik am 17. Dezember 2015 im Gasthaus Bolz augenzwinkernd mit den Worten vor: „Mein Vater stammt aus Köln und meine Mutter aus dem uralten Obermendiger Dorfadel der Reudelsterze“ und fügte hinzu: „Von wegen alter Dorfadel: In Obermendig gibt es noch heute Familien, die wesentlich älter sind als die ‚Reudele‘. Bei meinen Nachforschungen konnte ich feststellen, dass der erste Reudelsterz erst 1744 nach Obermendig gekommen ist. Als ich das der Sippe bekannt gab, wurde ich fast für verrückt erklärt. Als ich jedoch versuchte, ihnen schonend beizubringen, dass der erste Reudelsterz aus Thür kam, hat man mich fast erschlagen!“ In diesem Zusammenhang ließ Willi Bömerich nicht unerwähnt, dass er denselben Ur-Ur-Großvater habe, wie Gernot Mittler, nämlich Johann Reudelsterz - genannt „das Heerche“. „Er war 1789 geboren, starb im Jahre 1878 und sorgt heute noch für Gesprächsstoff in der Sippe“, so der pfiffige Autor. Dass ihm mit der Obermendiger Chronik ein vortreffliches Werk gelungen ist, brachte der gebürtige Obermendiger Staats- und Finanzminister a.D. Gernot Mittler bei der gleichen Veranstaltung in seiner Laudatio mit den Worten auf den Punkt: „“Lieber Willi, Deine Liebeserklärung an Dein Dorf - an unser Dorf - ist vollends gelungen!“ Auch VG-Bürgermeister Jörg Lempertz bezog sich in seiner anerkennenden Rede auf die Entstehung des Werkes. Dem damals 77-jährigen Autor sei es gelungen, eine Arbeit fortzusetzen, die von einigen Menschen bereits vor Jahrzehnten in Angriff genommen worden war. Er habe es geschafft, die Historie weiterzuführen, als keine Zukunft mehr für das Projekt in greifbarer Nähe schien und den Glauben nicht verloren, den Obermendigern das zu geben, wonach sie suchten: eine eigene Chronik.
Willi Bömerich ist allerdings schon mit dem zweiten Band der „Obermendiger Chronik“ befasst. An dieser Stelle kann schon so viel verraten werden, dass der zweite Band eine ausführliche Dokumentation über den Hochstein beinhalten wird.
So ist Willi Bömerich Hauptinitiator seines gemeinsam mit Dr. Fritz Mangartz geschriebenen und vom damaligen Förderverein für ein Kultur- und Heimatmuseum 1993 herausgegebenen Buches „Der Hochstein“. Da er sich im Rahmen seiner Nachforschungen mit vielen weiteren, zum Teil spektakulären Themen rund um den Hochstein ausgiebig befasst hat, wird der zweite Band der Obermendiger Chronik nicht nur durch eine Aufarbeitung des bereits bestehenden Buches über den Hochstein bereichert, sondern auch um weitere Kapitel, wie zum Beispiel: „Die negativen Seiten der Vergangenheit“ (hier berichtet der Autor über eine groß angelegte Müllsammelaktion unter anderem mit dem Karnevalsverein, Arbeitskollegen, Freunden, Nachbarn, der Jugendfeuerwehr und mit dem Junggesellenverein Mendig im Bereich des ehemaligen Schotterwerkes der Firma Michels mit dem Ergebnis, dass sich die Natur hier nach circa 25 Jahren selbst regeneriert hat und das Areal somit zum wertvollsten Biotop am Hochstein geworden ist), „Vorschläge für die Renaturierung im Kieswerk“, „50 interessante Punkte am Hochstein“ und vieles mehr. Man darf also jetzt schon auf das Erscheinen der „Obermendiger Chronik, Band II“ gespannt sein.
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Von der Terrasse seines Hauses in der Hohl aus genießt Willi Bömerich einen herrlichen Ausblick in die Natur.
Am 22. Januar wurde Willi Bömerich mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Foto: privat Foto: Sonja
