Sr. Dr. Lea Ackermann ist die Trägerin des Hauptpreises der Else-Mayer-Stiftung Bonn in der Kategorie „Soziales Engagement
„Eine der großen Frauen unserer Zeit“
Bonn. Sr. Dr. Lea Ackermann, Gründerin der Menschenrechtsorganisation SOLWODI, ist die Trägerin des Hauptpreises der Else-Mayer-Stiftung Bonn in der Kategorie „Soziales Engagement“. Beim Festakt im Cusanuswerk Bonn ging Laudatorin Margareta Matuszewska einfühlsam auf das Lebenswerk von Sr. Lea ein, die den Grundstein für die Hilfsorganisation 1985 in Mombasa legte.
Die Ordensschwester, die eigentlich zur Ausbildung von Lehrerinnen nach Kenia entsandt wurde, kam vor Ort mit Frauen und Mädchen in Kontakt, die sich aufgrund ihrer Armut prostituieren mussten. Heute führt SOLWODI in Kenia landesweit Beratungsstellen für Frauen und Mädchen in Not und unterhält vor Ort eigene Ausbildungs-, Sport- und Wasserprojekte. SOLWODI unterstützt zudem ein Witwen- und Waisenprojekt in Ruanda und engagiert sich seit 1987 in Deutschland mit inzwischen 18 Beratungsstellen und neun Schutzwohnungen für ausländische Frauen und Mädchen, die hier in Not geraten sind: Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution, Opfer von Beziehungsgewalt, von Zwangsheirat, Bedrohte oder aus Zwangsehen Geflohene.
2010 eröffnete eine neue SOLWODI-Beratungsstelle in Rumänien, 2012 wurde SOLWODI Österreich gegründet. SOLWODI bietet ganzheitliche psychosoziale Betreuung und Beratung, sichere Unterbringung, Vermittlung juristischer und medizinischer Hilfe sowie Unterstützung, wenn Migrantinnen in die Heimatländer zurückkehren.
Laudatorin Margareta Matuszewska hob das gute SOLWODI-Netzwerk hervor und unterstrich Sr. Leas Durchhaltevermögen: „Sie ließ sich nie einschüchtern, kämpft bis heute für die Notleidenden und setzt sich energisch für das Priesterinnenamt ein.“
Dr. Herbert Mohr-Mayer vom Stiftungsvorstand würdigte Sr. Lea als „eine der großen Frauen unserer Zeit“. Seine Tante, Else Mayer, gründete mit der gleichgesinnten Alexandra Bischoff 1916 den katholischen Frauenorden Erlöserbund (Congregatio Salvatoris Mundi). Trotz Repressalien kämpfte Else Mayer jahrzehntelang in kirchlichen und politischen Kreisen für die Emanzipation der Frau. Ihr unermüdlicher Einsatz für Frauenrechte hat die Bonner Gesetzgebung positiv beeinflusst. Im Sinne der Gründerin wirkt die 2005 aus der Taufe gehobene „Stiftung Else Mayer“ mit ihrer jährlichen Preisvergabe.
Auch Sr. Lea, so Herbert Mohr-Meyer weiter, breche mit Traditionen und kämpfe mit SOLWODI für die Gleichberechtigung von Frauen. Sr. Lea betonte in ihrer Dankesrede: „Jede Frau und jedes Mädchen hat von Gott Stärken und Gaben mitbekommen, aber viele haben keine Chance. Dabei sind gut ausgebildete Frauen von Vorteil für die Gesellschaft.“ Mit ihrer Arbeit setzt SOLWODI an diesem Punkt an und entwickelt für Frauen und Mädchen in Not neue Lebenskonzepte und berufliche Perspektiven.
Weitere Preisträgerinnen der Else-Mayer-Stiftung 2016 sind die Schriftstellerin Juli Zeh und die Lehrerin Ute Eden von der IGS Bonn-Beuel. Der Festakt wurde musikalisch von Julia Funk und Antonia Kleinekorte begleitet, die Schauspielerin Andrea Brunetti vom Jungen Theater Bonn las aus Zehs Roman „Unterleuten“.
