Innung für Elektro-, Gebäude- und Informationstechnik Rhein-Mosel
Elektrohandwerk ist gut auf die Zukunft vorbereitet
Vorstandswahlen, rechtliche Rahmenbedingungen und ein neuer Ausbildungsberuf als wichtige Themen der Hauptversammlung
Koblenz/Dieblich. Zu tun gib es genug, aber die rasante Entwicklung der Materialkosten belastet das Fachhandwerk. Und im Betriebsalltag lauern zahlreiche neue rechtliche Fallstricke. Doch von der „Wirtschaftsmacht von nebenan“ gibt es nicht nur nachdenklich stimmende Nachrichten. Das zeigte die Jahreshauptversammlung der Innung für Elektro-, Gebäude- und Informationstechnik Rhein-Mosel im Dieblicher Hotel Pistono. Für die Jahreshauptversammlung galten strenge Auflagen: Genesen, geimpft, getestet hieß es für alle Teilnehmer.
Informationen über rechtliche Rahmenbedingungen, Neuwahl des kompletten Vorstandes und die Diskussion über einen neuen, anspruchsvollen Ausbildungsberuf standen unter anderem auf der Tagesordnung. Der einstimmig in seinem Amt bestätigte Obermeister Marco Kraus gab darüber hinaus einen ersten Einblick in die Programmplanungen für das Jahr 2022 ein. Dabei ist es das Ziel, den persönlichen Austausch wieder voranzubringen.
2020 und 2021 mussten viele der geplanten Veranstaltungen ausfallen. Der fachliche und private persönliche Austausch fehlt, zumal alternative Onlineformate selten eine Ausnahmelösung sein können.
Der Obermeister und seine ebenfalls einstimmig gewählten Vorstandskollegen hoffen nun, dass sich die Situation im Frühjahr entschärft und dass nach zweijähriger Pause alle wieder gemeinsam auf dem Sommerfest der Innung feiern können. Auch die traditionelle Veranstaltung für Lehrlinge soll es wieder geben, und auch eine Teilnahme an der „Nach der Technik“ der Handwerkskammer Koblenz im November 2022 ist fest eingeplant – wenn es die Rahmenbedingungen zulassen. Immerhin gibt es eine gute Nachricht: Die internationale Leitmesse „light + building“ in Frankfurt, die vom 13. bis zum 18. März 2022 terminiert ist und auch für das regionale Fachhandwerk ein wichtiges Informationsforum ist, soll stattfinden.
Dass jeder Betriebsinhaber angesichts der weltwirtschaftlichen Entwicklungen und der Corona-Krise auch bei den rechtlichen Details ganz besonders aufpassen muss, zeigten weite Teile der Versammlung. Die Innung, die einen besonderen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf den Bereich Weiterbildung legt, hatte den Koblenzer Rechtsanwalt Christian Thieme-Garmann eingeladen, der über Streitpunkte im Vertrags- und Arbeitsrecht sprach. Hintergrund: Es gibt viele Probleme, die nicht durch Grundsatzurteile – beispielsweise durch die des Bundesgerichtshofes – geklärt sind. So können angesichts der aktuellen Lage die Materialkosten zu einem Bumerang mit katastrophaler Wirkung werden.
Rechtsanwalt Thieme-Garmann warnte die Innungsmitglieder davor, sich auf Pauschalangebote einzulassen. Denn: Die Kosten sind völlig aus dem Ruder gelaufen. Steigerungen im zweistelligen Prozentbereich sind schon in diesem Jahr normal, und auch im kommenden Jahr wird es dramatische Steigerungen geben – im Bereich Bau sogar bis zu 50 Prozent. Die tatsächlichen Dimensionen kann ein Handwerker unmöglich vorausahnen. Handwerker müssen deshalb darauf achten, dass der Hinweis auf mögliche Preiserhöhungen in Angeboten und Verträgen separat ausgeführt wird. Auch ist es sinnvoll, eine Gültigkeitsfrist für das Angebot festzulegen. Es reicht also nicht, den Hinweis auf mögliche Steigerungen irgendwo in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu verstecken. Das könnte spätestens vor Gericht schief gehen, weil die Richter gerade bei Privataufträgen in der Regel auf der Seite des Auftraggebers stehen – die Richter sind oft der Ansicht, dass ein solches Vorgehen privaten Kunden nicht zugemutet werden kann. Ganz genau aufpassen müssen diejenigen, die sich auf öffentliche Aufträge bewerben. Bei Auftragserteilung gibt es nämlich einen Vertrag, der das Angebot aufnimmt, eine variable Preisgestaltung ist im Nachhinein also nicht mehr möglich. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Öffentliche Auftraggeber kennen die Situation. „Man setzt sich zusammen und entwickelt Lösungen“, wusste ein Teilnehmer zu berichten.In seinem Bericht legte Obermeister Marco Kraus dar, dass die Branche trotz aller Widrigkeiten für die Zukunft gut aufgestellt ist. Das zeigt sich auch beim Blick auf die Berufsbilder, die angesichts der rasanten technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre gerade mit Blick auf die Nachwuchsgewinnung angepasst und verändert wurden. Aktuell gibt es im großen Bereich Elektro-, Gebäude- und Informationstechnik acht verschiedene Ausbildungsberufe.
Ganz neu ist die Ausbildung zum Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration – Zielgruppe des neuen Ausbildungsgangs sind unter anderem Personen mit (Fach-) Abitur sowie Studienerfahrung.
Jochen Anspach, Lehrlingswart der Innung stellte das neue fachübergreifende Angebot vor, das nach dreijähriger Entwicklungsphase am 1. August 2021 offiziell an den Start ging. In Rheinland-Pfalz gibt es aktuell acht Lehrlinge, die quasi auch Botschafter ihres jungen Handwerks sind. Die Kapazitäten sollen zügig ausgebaut werden, aktuell laufen Verhandlungen im Bereich überbetriebliche Ausbildung. Verhandlungspartner sind unter anderem die Handwerkskammer Koblenz und die Berufsschulen im Raum Koblenz. Ergänzend hierzu erläuterte Christoph Hansen, Präsident des Fachverbands Elektro und Informationstechnik Hessen/Rheinland-Pfalz (FEHR) die Intensionen bei der Einführung des neuen Ausbildungsgangs.
Der neue Ausbildungsberuf ist auch für Betriebe eine große Chance, sich auf dem Markt zu positionieren und auf Wachstumskurs zu steuern. Schon jetzt zeigt sich im Alltag, dass die unterschiedlichsten Bereiche der Haustechnik miteinander verschmelzen, wobei es wegen der vielen elektronischen Komponenten auch Verbindungen zum SHK-Handwerk ist. Damit wachsen auch die Anforderungen an die Monteure, die sich schon jetzt laufend weiterbilden müssen. Was der Nachwuchs können muss? Er soll ganzheitlich denken und ein breites mathematisch-naturwissenschaftliches Basiswissen einbringen.
Ulf Hoffmann, Geschäftsführer der Innung, stellte die Zahlen für Rechnungsjahr 2020 vor. Nach dem Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses, wurden Vorstand und Geschäftsführung einstimmig Entlastung erteilt. Auch der von Ulf Hoffmann vorgetragene Haushaltsplan für das Jahr 2022 wurde von der Innungsversammlung einstimmig beschlossen.
Natürlich war auch die Flutkatastrophe an der Ahr ein wichtiges Thema, bei der auch viele Innungsbetriebe im Katastrophengebiet aktiv waren und weiterhin sind. Geschäftsführer Hoffmann erwähnt hier insbesondere das unglaubliche Engagement der Kollegen von der Elektro-Innung Ahrweiler, die ab dem ersten Tag nach der Flutkatastrophe rund um die Uhr daran gearbeitet haben, die Haushalte der Betroffenen wieder zu elektrifizieren. Bei der Kreishandwerkerschaft wurde umgehend ein Unterstützungskonto eingerichtet. Stolze 750.000 Euro wurden eingesammelt, die größtenteils von Innungen und Kreishandwerkerschaften aus ganz Deutschland eingegangen sind, wobei es auch bedeutende Einzahlungen von Herstellern gab.
Zum Abschluss der Jahreshauptversammlung ehrte der Obermeister das scheidende Vorstandsmitglied Werner Hammes, der seit 1996 als Beisitzer im Vorstand der Innung tätig war. Marco Kraus dankte Werner Hammes für die sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und sein ehrenamtliches Engagement im Sinne des Elektro-Handwerks.
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