Zwibbelsmaat 2026 mit neuem Konzept eröffnet
Endlich wieder wöhle, maggele un fiere
Bad Breisig. Bereits im Vorfeld war viel über den diesjährigen Zwibbelsmaat diskutiert worden, hatte doch der Bad Breisiger Stadtrat bereits im Frühjahr beschlossen, die Veranstaltungsfläche des Traditionsmarktes zu verkleinern und nur noch rheinseitig der B9 stattfinden zu lassen. Gründe waren erhebliche Defizite in den letzten Jahren, erhöhte Sicherheitsanforderungen sowie Einbrüche der Besucherzahlen. Dafür wurde das Kirmesgelände auf den Parkplatz des Kurparks verlegt, und mehr Marktbuden schmückten den Park.
Und schon jetzt darf konstatiert werden, dass das neue Konzept voll aufgegangen ist. Der Zwibbelsmaat ist weniger langgezogen, sondern konzentrierter geworden, und gerade das Kirmesgelände wirkt großzügiger und attraktiver. Auch wenn sich die Hauptfläche des Marktes nun im und um den Kurpark befindet, war weiter nördlich um die Feuerwehr und die Rheinstrasse viel Betrieb. Insbesondere die bisherigen Gefahrenpunkte Kreuzung B9/Rheinstrasse und B9/Bachstrasse sind deutlich entschärft worden.
Traditionsreiches Stadtfest
Der Bad Breisiger Zwibbelsmaat ist nicht nur das größte, sondern auch das traditionsreichste Stadtfest. Bereits seit der Verleihung des Marktrechtes im Jahr 1374 durch Kaiser Karl IV. und weiter durch die Verehrung einer Kreuzreliquie in der Kapelle des Templerordens strömten viele Händler und Pilger in das damalige Dorf Breisig, wo seit dem 14./15. Jahrhundert alljährlich ein Markt stattfand. Nach dem Abriss der Templerkapelle wurde die Reliquie, die einen Splitter vom Kreuz Christi enthalten soll, in die Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt überführt, und nach dem Einfall französischer Soldaten in Hönningen versteckt, bis sie vor genau 200 Jahren wieder nach Breisig zurückkehrte. Im 19. Jahrhundert verlagerte sich das Marktgeschehen als „Heiligkreuzmarkt“ in die Straßen rund um die Marienkirche, zumal seitdem zu diesem Zeitpunkt die wertvolle Kreuzreliquie ausgesetzt und damit den Gläubigen gezeigt wurde. Bis heute ist dies ein Bestandteil der Festlichkeiten, und dieses Jahr fand die Aussetzung der Reliquie anlässlich des 300-Jahre-Jubiläums der Kirche statt.
Bierdusche blieb aus
Eröffnet wurde der Zwibbelsmaat durch die Brunnenkönigin Elisa I. und Bürgermeister Marcel Caspers. Im Beisein vieler prominenter Gäste aus Politik, Handel und Wirtschaft trieb Elisa I. bei ihrer Premiere mit mehreren kräftigen Schlägen den Zapfen in das Faß und vermied eine Bierdusche wie 2023 bei einer Vorgängerin. Und so konnte der Verbandsbürgermeister des Brohltals Johannes Bell bei seinem ersten Besuch des Zwiebelmarktes trockenen Fußes bleiben, und auch die Brunnenkönigin von 1990 und heutige Landtagsabgeordnete Petra Schneider hatte ihre helle Freude am Geschehen. Persönlich begrüßt von Bürgermeister Caspers wurde auch der neue Pfarrer der Marienkirche Anthony Antwi-Boasiako, der sich fröhlich lächelnd unter das Volk mischte und erste wichtige Kontakte anbahnte. Auch die erstmalige Kooperation von Feuerwehr und Rotem Kreuz klappte vorzüglich. Während der Rot-Kreuz-Stand ständig umlagert war von Fans des leckeren Reibe- und Zwiebelkuchens, sorgte die Löschtruppe der Feuerwehr für reichhaltige Durstlöschung.
Nach der Eröffnung wurde das Marktgelände begangen, und ein Besuch des Pfarrheims durfte nicht fehlen, wo die katholische Frauengemeinschaft zu leckerem Kuchen und Kaffee geladen hatte.
Neuerungen und interessantes Programm
Neu auf dem Kirmesgelände war eine Geisterbahn, die gut besucht wurde, während im Kurpark viele Besucher das schöne Wetter am Freitag und Samstag genossen, sich an zwei Blumenzwiebelständen mit neuen Saatzwiebeln eindeckten oder an einer der vielen Buden neue Socken oder Haushaltswaren kauften. Am Samstagabend tanzte die jüngere Generation zur fetzigen Musik einer Rockband, während die bunte Beleuchtung der Kirmesstände eine wunderbare Atmosphäre in den Kurpark zauberte.
Auch das Puppenmuseum, das direkt am Kurpark im alten Rathaus residiert, hatte seine Pforten anlässlich des Marktes geöffnet. Leider verzeichnete der Inhaber Oscar Ferreira kaum Besucher, obwohl der Ort ein Eintauchen in eine Welt voller Charme und Nostalgie ermöglicht. Das Betrachten von über 400 Puppen aus der Zeit von 1860 bis 1939 sowie von liebevoll gepflegten Puppenstuben lässt Kinderherzen höherschlagen, tut aber auch Erwachsenenaugen und -seelen gut angesichts einer Welt voller Krisen und Bedrohungen. Diesem magischen Ort für Kinder und Erwachsene sind mehr BesucherInnen zu gönnen. Ein weiteres Museum, das Museum der Stadt hatte zur Ausstellung „Gifte der Jahrhunderte“ geladen, wie so oft von „Schimmelche“ (Franz Gert Hammes) gestaltet und betreut.
Schmerzlich vermisst wurde der wunderbare Stand der Zwiebelbauern Pötzschke aus Thüringen, der mit seinen Bouquets aus Speisezwiebeln vor drei Jahren für große Begeisterung gesorgt hatte.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das neue Konzept dem Zwibbelsmaat gutgetan hat und die Attraktivität erhöht hat, wie die riesigen Besucherströme am Samstag zeigten. Und wenn weiterhin viele Gäste den Markt goutieren und der Wettergott mitspielt, kann dieses historische Fest sicherlich noch viele Jahre bestehen bleiben. AKS
Impression vom neuen Kirmesplatz im Kurpark
Auch die Kinder hatten ihren Spaß
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Brunnenkönigin Elisa I. und Bürgermeister Caspers eröffneten das Brunnenfest. Fotos: AKS