In 50 Jahren viele Herausforderungen und Probleme gemeistert
Entscheidungen auch mal gegen den Rat von Experten gefällt
BLICK aktuell im Interview mit Hans Peter Röhrig
BLICK aktuell: Herr Röhrig, Sie sind jetzt schon 50 Jahre in Ihrem Betrieb tätig. Was war die größte berufliche Herausforderung in dieser langen Zeit?
Hans Peter Röhrig: In den 50 Jahren gab es natürlich viele Herausforderungen, wovon viele auch nur durch die Treue von Mitarbeitern und Kunden bewältigt werden konnten. Die erste Herausforderung war natürlich für mich im Alter von 19 Jahren direkt nach dem Abitur - bedingt durch die Krankheit des Vaters - die Verantwortung für den damaligen Landhandelsbetrieb zu übernehmen. Danach gab es sehr viele schwierige Entscheidungen, die ich oft auch gegen den Rat von vielen Experten gefällt habe, weil ich von der Richtigkeit überzeugt war. Hierzu zählten zum Beispiel die Aufgabe des Landhandels zugunsten des Baustoffhandels. Schon im Jahre 1970 den Start als einer der bundesweiten Pioniere in das Baumarktgeschäft mit Farben, Tapeten, Bodenbelägen und Sanitär, als dieser Begriff noch gar nicht existierte und es große Probleme bei der Beschaffung der Waren gab. 1984 dann der Umzug in den Ortsteil Treis, obwohl wir gerade sehr viel in Karden investiert hatten und das Fabrikgebäude Am Laach, welches wir damals erwerben konnten, noch ganz einsam lag und sich erst später hier weitere Einzelhandelsbetriebe ansiedelten. Natürlich ist 1991 auch der Entschluss nicht leicht gefallen, direkt nach der Wende Betriebe in den neuen Bundesländern aufzubauen - trotz der 450 Kilometer Entfernung. In Gera haben wir eines der ersten Garten-Center in einem Neubau in den neuen Bundesländern eröffnet, obwohl zu diesem Zeitpunkt viele Garten-Centern keine Chance geben. Auch heute betreiben wir noch erfolgreich einen hagebaumarkt mit Garten-Center in Zeulenroda/Thüringen. Die größte und öffentlichkeitswirksamste Herausforderung war natürlich der Wiederaufbau nach dem Großbrand mit einem Schaden von zehn Millionen Euro im Jahre 2007. Viele trauten uns nicht zu, dass wir mit einem Baumarkt dieser Größenordnung in einem Ort mit gerade einmal 2500 Einwohnern nochmals erfolgreich starten könnten.
BLICK aktuell: Vor einiger Zeit haben Sie das Zepter an Ihren Sohn Volker übergeben. Ist Ihnen das schwergefallen?
Hans Peter Röhrig: Wenn man 50 Jahre mit hohem Engagement einen Betrieb aufgebaut hat, der auch höchste Auszeichnungen erhalten hat, dann fällt es sicherlich niemandem leicht, die Verantwortung abzugeben. Da ich aber viele Unternehmer erlebt habe, die zu spät die Verantwortung abgeben habe, so glaube ich doch, dass damals, mit 66 Jahren, der richtige Zeitpunkt war. Dies erst recht, da eine Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie möglich war, da mein Sohn Volker sich bereit erklärt hatte, diese Verantwortung zu übernehmen, und ich auch wusste, dass er hierfür bestens geeignet ist.
BLICK aktuell: In die Nachwuchsförderung und heimische Wirtschaft bringen Sie sich mit Ihrer Erfahrung und viel Engagement ebenfalls ein. Bleibt da noch Zeit für Hobbies und die Familie?
Hans Peter Röhrig: Wenn man als mittelständischer Familienbetrieb erfolgreich sein will und man auch für die Region etwas bewegen will, dann muss das Engagement für den Betrieb und für die Region auch gleichzeitig Hobby sein. Natürlich besteht die Gefahr, dass die Familie zu kurz kommt und meine Frau Annegret hätte natürlich gerne gehabt, wenn ich mehr Zeit für sie und vor allem für die drei Kinder gehabt hätte, zumal ja ein Sohn auch von Geburt an stark behindert ist. Ich denke aber, dass es dieses Problem nicht nur in der Selbstständigkeit gibt, sondern in vielen anderen Berufen, vor allem wenn Berufstätige weit pendeln müssen.
BLICK aktuell: Sie engagier(t)en sich enorm in der Kulturarbeit. Hat das nicht sehr viel Arbeit und Einsatz gekostet?
Hans Peter Röhrig: Kultur und Veranstaltungen haben mich schon von Kindheit an sehr interessiert. Als ich dann 1999 das röhrig-forum gründete - die bis heute deutschlandweit einzige „Kulturbühne im Baumarkt“ - war mir natürlich nicht bewusst, wie viel Arbeit und Einsatz hierfür erforderlich ist. Trotzdem war diese Arbeit auch immer ein schöner Ausgleich zu der sonstigen Tätigkeit. Auch wenn man oft nach einer großen Veranstaltung erschöpft war, so ist man doch glücklich, wenn die auftretenden Künstler von unserer einzigartigen Atmosphäre begeistert sind und die Besucher rundum zufrieden waren. Vor allem bin ich froh, dass ich mit den Veranstaltungen so hohe Beträge für Kinder-Hilfsprojekte erwirtschaften kann. Nachdem wir ja beispielsweise mit „Fly & Help“ schon den Aufbau von Schulen in Ruanda unterstützt haben, freue ich mich jetzt im März auf eine Delegationsreise mit Reiner Meutsch, bei der Schulen in Brasilien eröffnet werden. Besonders froh bin ich natürlich, dass meine Tochter Yvonne die röhrig-forum Kulturbühne erfolgreich fortführt, wobei ich sie gerne noch unterstütze. Auch hoffe ich, dass es gesundheitlich möglich ist, dass ich noch recht lange den röhrig-Kultur-Freundeskreis fortführe und den monatlichen Gratis-Kultur-Newsletter herausgebe.
BLICK aktuell: Herr Röhrig, wir danken Ihnen für das Gespräch.
TT
