1. Koblenzer Federweißerfest
Erfolgreiche Premiere trotz schlechten Wetters
Koblenz. Das 1. Koblenzer Federweißerfest stand wettertechnisch unter keinem guten Stern. Regen ohne Unterlass und knappe zehn Grad Außentemperatur. Die teilnehmenden Mosel-Weingüter Hähn, Löhr und Weckbecker sowie der Weinhändler „Winetales Weine“ bezogen dennoch optimistisch gestimmt ihre Verkaufsstände auf dem Oberen Schlosshof der Festung Ehrenbreitstein. Hier hatte sich der Veranstalter, die Koblenz-Touristik GmbH, gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern „Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz“ und „Café Hahn“ tüchtig ins Zeug gelegt, um den erwarteten Gästescharen ein adäquates Ambiente zu bieten. Doch die schönen Paletten-Sitzgelegenheiten blieben genauso leer wie die Bänke vor der Musikbühne. Die wenigen Gäste, die dem Wetter trotzten, standen an den zu Stehtischen umfunktionierten Weinfässern unter den flugs noch aufgestellten Zeltdächern. Koblenzer traf man an diesem Tag nur wenige hier oben auf der Festung. Etliche Gäste waren Touristen, die für einige Übernachtungen nach Koblenz und in die Umgebung gekommen waren. Wie zum Beispiel die Sechsergruppe der Schützengilde Berkenthin aus der Nähe von Lübeck, die sich traditionell jedes Jahr aufmacht, die Weinfeste an Rhein und Mosel zu besuchen. Wirklich hohen Besuch konnte das Federweißerfest vermelden, als zwei frisch gekrönte Weinköniginnen sich ein Stelldichein auf der Festbühne gaben. Moselweinkönigin Marie (Jostock) aus Köwerich und die Koblenzer Weinkönigin Lisa II (Nonninger) aus Koblenz-Lay wurden durch Maddalena Artina von der Koblenz-Touristik auf die Bühne geleitet, um sie dem Publikum vorzustellen. Den Wein-Virus, also das Interesse an Weinbau und Weinbereitung, bekamen beide Damen über Groß- und Urgroßeltern eingepflanzt. Ansonsten sind sie ganz normale junge Frauen, die noch zur Schule gehen bzw. studieren und in ihrer Freizeit sportlich unterwegs sind. Marie begrüßte es sehr, dass mittlerweile auch Weinkönigin werden kann, wer keinen entsprechenden Hintergrund hat. Fachliche Kenntnisse und die Leidenschaft für den Wein seien ausschlaggebend. Nachdem die Königinnen gut beschirmt die Bühne verlassen hatten, war es wieder Zeit für Musik. Drei Bands spielten gegen den Regen an: „Johnny Left the Band“, „Third Hats“ und – extra aus Köln angereist – das Duo „Wild Horses With No Name“. Mit Rockklassikern, eigenen und aktuellen Hits eröffnete das „Johnny-Trio“ um Mael Brunner (Bass) das Federweißerfest musikalisch, während „Third Hats“ das Fest für das dann vorwiegend junge Publikum ausklingen ließ. Der „Horses-Musiker“ Christian Hecker (Gitarre) musste einen Teil des Konzertauftritts alleine bewältigen, weil Kollege Josef Loup mit seinem Akkordeon noch im Verkehrsstau steckte. Obwohl er an die Himmelstür klopfte („Knocking on heavens door“) und dort „Have you ever seen the rain“ anfragte, zeigte Petrus kein Erbarmen. Doch immerhin gelang es den beiden Musikern mit Rock-Oldies und Kölschen Hits, die Herzen zu erwärmen und das kleine Publikum zum Mitsingen und Mitschunkeln zu animieren. Auf den Ton seiner Trillerpfeife hin, um Punkt 15 Uhr, machte dann Festungskanonier Jörg Höfer Geschichte lebendig. In wetterfestem Lodenmantel zog er vom Brunnendenkmal mit einer kleinen Gruppe Interessierter los, um im Rahmen eines Rundgangs eine Waffenvorführung zu geben, innerhalb der er, besonders zur Freude der Kinder, drei Schüsse mit dem Schaftböller abfeuerte. Es habe in den 15 Jahren, in denen er als hauptberuflich agierender Festungskanonier unterwegs sei, noch kein Wetter gegeben, das das Schießen unmöglich machte, sagte der Mann, dem die Rolle wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Jetzt hätte ein Glas Glühwein gutgetan, aber der Federweißer wärmte auch irgendwie. Außerdem lud das Restaurant „Casino“ in seine gemütliche Stube, wo Flammkuchen und Zwiebelkuchen von der Festungskonditorin Iris der kulinarische Renner waren. Darüber hinaus ließ sich das Tagesprogramm hervorragend ergänzen durch den Besuch einer der insgesamt acht aktuellen Ausstellungen im Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein. Schließlich boten sie - wichtiger noch als beheizte und trockene Räume - jede Menge Wissenswertes über die alten Römer, über die genossenschaftliche Idee Raiffeisens, über die Beziehung von Spargel und Wein und etliches mehr. Unter dem Strich war der Besuch des Federweißerfestes auf der Festung trotz der schlechten Wetterbedingungen ein lohnender, weil unterhaltsamer. So viel Programm erhalten die Besucher sonst nur selten zu regulären Eintrittspreisen, ohne Zusatzeintritt zu bezahlen.
Sofern es 2020 eine Neuauflage des Festes gibt, kann es nicht schaden, schon jetzt die Daumen für sonnig-trockenes Herbstwetter zu drücken.
BSB
Keine wilden Pferde, sondern die fabelhaften Musiker Christian Hecker (li.) und Josef Loup wärmten das Publikum mit Hits zum Mitsingen.
Mit der richtigen Kleidung kann man auch bei Regen ein Weinfreund sein - wie diese Damen aus Schleswig-Holstein.
Mit vielen interaktiven Ausstellungsstücken ist die Ausstellung „High Tech Römer“ ein attraktiver Anlaufpunkt. Außerdem warm und trocken.
