Unternehmernetzwerk BNI setzt auf Austausch und Empfehlungen
Erfolgsgeschichten im 45-Sekunden-Takt
2,6 Millionen Euro Mehrumsatz im ersten Jahr – Chapter Mons Tabor Montabaur sucht noch Fliesenleger, Optiker, Apotheker und Zahnärzte
Montabaur. 45 Sekunden entscheiden über ein gutes Geschäft – oder keins. Über Aufmerksamkeit oder Desinteresse. 45 Sekunden Zeit hat ein Firmeninhaber, sein Unternehmen vorzustellen. Gewinnt er die Aufmerksamkeit der mit ihm im Raum sitzenden Selbstständigen, wird er vielleicht weiterempfohlen. Und kommt so an einen interessanten Auftrag. „Es geht hauptsächlich darum, Geschäfte zu machen“, sagt Holger Bengel. Er ist in diesem Jahr der „Chapterdirektor“ dieses Unternehmertreffens im Westerwald.
Jeden Mittwoch um sieben Uhr in der Frühe treffen sich die 47 Mitglieder der BNI-Gruppe Mons Tabor zum Frühstück und zum Austausch. BNI steht für „Business Network International“, ein Unternehmernetzwerk für Geschäftsempfehlungen. BNI wurde 1985 vom Unternehmensberater und Autor Ivan Misner in den USA gegründet. Die politisch, religiös und weltanschaulich neutrale Organisation hat bis heute nach eigenen Angaben in 69 Ländern mehr als 190.000 Mitglieder gewonnen. Im Westerwald- und Rhein-Lahn-Kreis gibt es BNI seit einem Jahr. Das Unternehmerteam („Chapter“) mit dem Namen „Mons Tabor“ setzt sich aus zurzeit 47 Selbstständigen der verschiedensten Branchen zusammen.
Holger Bingel ist Inhaber eines Küchenstudios in Bad Ems. Er erklärt seine Aufgabe als Chapterdirektor: „Diese Funktion behält man für ein Jahr, dann wird ein neuer Chapterdirektor gewählt. Ich führe durch das wöchentliche Treffen mit begleitendem Frühstück. Beginn ist um sieben Uhr. Viele sind aber schon um 6.30 Uhr da, einige schon um kurz nach sechs. Es gibt immer 20 Tagesordnungspunkte, angefangen bei der Begrüßung, über die Vorstellungsrunde, die Engagement-Runde, das Netzwerken bis zum Bericht über die Leistungen in den letzten Wochen und Monaten.“ Bei der Engagement-Runde teilt jedes Chaptermitglied mit, was er für die Gruppe getan hat. In 90 Minuten müssen die 20 Tagesordnungspunkte abgehandelt sein, danach ist noch eine halbe Stunde Zeit für „offenes Netzwerken“. Einmal im Jahr bekommt jedes Mitglied mehr Zeit als die 45 Sekunden eingeräumt, sich und sein Unternehmen vorzustellen. Um 9 Uhr löst sich die Versammlung auf und die Unternehmer fahren zurück in ihre Firmen. Jeden Mittwoch wiederholt sich dieses Ereignis, immer nach demselben Muster. Ort des Treffens ist die „Genuss Manufaktur Staudt“, ein Catering- und Gastronomieunternehmen in einem Nachbarort von Montabaur.
Mehr Umsatz, neue Kunden
Auf seiner Internetseite schreibt das BNI-Chapter Mons Tabor über sich selbst: „Wir sind BNI Mons Tabor Montabaur – ein erfolgreiches regionales Unternehmerteam im weltweit größten Unternehmernetzwerk für Geschäftsempfehlungen. Seit unserer Gründung am 4. Mai 2016 haben wir uns gegenseitig provisionsfrei 2.542.843 Euro Neugeschäft vermittelt.
Für kontinuierlich mehr Umsatz und neue Kunden durch Empfehlungen tauschen sich die Unternehmer unseres Teams regelmäßig und zu besonderen Anlässen aus – ergebnisorientiert, verlässlich, positiv, offen und partnerschaftlich.“
Die Agenda der wöchentlichen Treffen ist eng gestrickt. Jeder Teilnehmer muss liefern. Nur dabeisein und vom Wissen der anderen profitieren geht nicht. Ein gewisser Druck ist da. Aber kein unangenehmer. Holger Bingel sagt: „Uns wird nie langweilig. Es geht hauptsächlich darum, Geschäfte zu machen. Bei den Präsentationen der einzelnen Chaptermitglieder geht es aber oft auch amüsant zu. Der Spaßfaktor ist hoch. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Wir sind eine recht lockere Runde. Aber wir haben Regeln, an die sich jeder halten muss!“
Eine dieser Regeln ist die Verpflichtung, den jährlichen Mitgliedsbeitrag von 900 Euro zu zahlen. Doch wenn es gut läuft, kommt das Geld in vielfacher Höhe wieder rein. Auch Holger Bingel verweist auf die knapp 2,6 Millionen Euro Mehrumsatz, die Mitgliedsunternehmen des Chapters Mons Tabor seit der Gründung im Mai 2016 durch Empfehlungen anderer Chaptermitglieder gemacht haben. Holger Bingel: „Wir führen eine klare Statistik, mit der sich das nachweisen lässt!“
Unabhängig von den nüchternen Zahlen geht es im BNI aber erst einmal um Vertrauen. Der Chapterdirektor beschreibt den Geschäftsprozess so: „Man muss als Mitglied innerhalb der Gruppe Vertrauen aufbauen. Wenn sich dann tatsächlich die Möglichkeit eines Geschäfts abzeichnet, dann setzt man sich intensiv mit dem potenziellen Partner oder dem Mitglied, das man empfehlen möchte, auseinander. Dann setzt man sich unter vier Augen zusammen. Man prüft und guckt, was dahinter steckt. Man schaut auch sehr genau, mit was für einer Person habe ich es zu tun, sowohl geschäftlich, als auch menschlich. Wenn es möglich ist, testet man ein Unternehmen vor einer Empfehlung auch aus und lässt sich zum Beispiel von einem Schreinerbetrieb mal zwei Fenster einbauen, bevor man ihn für einen Großauftrag empfiehlt.“
Fliesenleger dringend gesucht
Das Branchenspektrum der Montabaurer BNI-Mitglieder ist weit gestreut: Vertreten sind Unternehmen aus Handwerk, Dienstleistung und Industrie, vom Rechtsanwalt, über den Zahnarzt und den Architekten bis zum Küchenstudio und Unternehmensberater. Auch ein Farben- und Lackehersteller gehört zum Chapter Mons Tabor.
Dringend gesucht wird momentan noch ein Mitglied aus dem Fliesenlegerhandwerk. Auch Friseure, Apotheker und Optiker haben noch gute Chancen auf eine Mitgliedschaft.
Obwohl es nicht sein eigentlicher Zweck ist, engagiert sich der BNI Mons Tabor auch karitativ. Innerhalb des einen Jahrs seines Bestehens hat die Gruppe schon 15.000 Euro für eine Bibliothek in einer Schule in Namibia gespendet. Auf einigen Feldern wird mit bestimmten Fachrichtungen der Uni Koblenz zusammengearbeitet. Mitglieder des Chapters Mons Tabor sind selbstverständlich auch in anderen Verbänden organisiert, das Chapter selbst aber arbeitet autonom und ist an keine Weisungen von außerhalb gebunden.
BNI macht stark
Nicht nur wirtschaftlich ist der Erfolg einer Mitgliedschaft in dem Unternehmernetzwerk messbar. Chapterdirektor Holger Bingel sagt: „Man merkt, wie sich Menschen verändern. Wer anfangs in den Treffen noch schüchtern war, legt später die tollsten Präsentationen vor. Man entwickelt sich hier auch menschlich weiter. Man muss sich engagieren, sich sichtbar machen und mit den Kollegen zusammensetzen, auch mal Vier-Augen-Gespräche führen. Für mich persönlich ist die Mitgliedschaft sehr positiv. Man braucht aber auch etwas Geduld. Der Erfolg stellt sich nicht von jetzt auf gleich ein.“
Wie beurteilt der BNI die aktuelle Wirtschaftskonjunktur?
Chapterdirektor Holger Bingel hat in den wöchentlichen Treffen seiner 47 Chaptermitglieder der verschiedensten Branchen den Eindruck gewonnen, dass die Unternehmen mit der aktuellen Wirtschaftslage zufrieden sind: „Die generelle Entwicklung ist positiv. Montabaur und die geografische Lage unseres Chapters Westerwald zeichnen sich durch eine große Dynamik aus. Bei den Unternehmern herrscht eine positive Stimmung vor.“ Der einzige Wermutstropfen ist die Beschäftigtensituation. Holger Bingel: „Gute Mitarbeiter und Fachkräfte werden ständig gesucht!“ Macht in so einer Situation eine Mitgliedschaft im BNI überhaupt Sinn? Für Holger Bingel ist die Antwort klar: „Das ist auch ein Sicherheitspolster für Zeiten, in denen es mal nicht so gut läuft. Durch das Internet hat sich der Wettbewerb komplett verändert. Da ist es sehr hilfreich, wenn ich als Unternehmer zusätzlichen Input bekomme, wie ich neue Kunden gewinnen und mehr Umsatz generieren kann. BNI ist aktives Marketing für uns!“
Selbst BNI-Mitglied werden
Wer Interesse an einer Mitgliedschaft hat, kann sich auf der Internetseite www.bni-koblenz.de informieren und bestehende Mitglieder ansprechen. Möglich ist auch die Teilnahme an einem der wöchentlichen Treffen als Gast. Eine vorherige Anmeldung ist aber erforderlich. Diese Anmeldung kann auch auf der Internetseite über den grünen Button „Besucher-Anmeldung“ erfolgen.
Wer Mitglied werden möchte, bewirbt sich beim Mitgliederausschuss des jeweiligen Chapters. Die Entscheidung über eine Aufnahme wird, so beschreibt es der Westerwald-Chapterdirektor Holger Bingel, unter menschlichen und fachlichen Gesichtspunkten geprüft. Grundsätzlich spielt es keine Rolle, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Wer eine Firma zum Beispiel im Kreis Neuwied oder im Kreis Ahrweiler leitet, künftig aber im Raum Westerwald seine geschäftlichen Aktivitäten ausbauen möchte, kann sich beim Chapter Mons Tabor bewerben. Bisher sind hier hauptsächlich Unternehmen aus dem Westerwaldkreis und einige aus dem Rhein-Lahn-Kreis Mitglied.
Holger Bingel hat in diesem Jahr die Funktion des Chapterdirektors übernommen.
45 Sekunden hat jedes Mitglied Zeit für die wöchentliche Selbstdarstellung. Die können entscheiden, ob man einen großen Auftrag bekommt oder nicht. Fotos: Nitz Fotografie Montabaur
Das Business Network International versteht sich als eine politisch, religiös und weltanschaulich neutrale Organisation. Hauptsächlich geht es ums Geschäft.
„Bei uns ist es nie langweilig“, sagt Chapterdirektor Holger Bingel. Bei den Treffen lernen sich die Mitglieder persönlich und fachlich kennen.
47 Mitglieder zählt das Chapter Mons Tabor aktuell. Neue Mitglieder sind willkommen. Besonderes Interesse besteht an einem Fliesenleger.
