Kultursommer Tage Rheinland Pfalz auch in Bad Ems
Eröffnung der Ausstellung „Homo sapiens?“ mit Vernissage
Bad Ems. In einem breiten Spektrum von Malerei über Fotografie und Skulpturen bis hin zu Videoinstallationen präsentierten die Absolventen Iris Brahm, Maike Baur, Anna Balthasar und Robin Schmitt der Universität Koblenz-Landau ihre Sicht auf die heutige Gesellschaft. Hierbei bezogen sie sich auf die These von Prof. Dr. Hartmut Rosas: „Moderne, das ist Beschleunigung und Entfremdung.“
Iris Brahm konnte am Samstagabend viele Gäste zur Eröffnung der Ausstellung „Homo sapiens?“ in den ehrwürdigen Mauern der ehemaligen Güterhalle des Bad Emser Hauptbahnhofs begrüßen.
Im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz, setzten sich diese jungen Künstlerinnen(ler) mit dem diesjährigen Thema „Industriekultur“ auf vielfältige Weise auseinander.
In seinem Eröffnungsvortrag verstand es Kurator Dr. Dieter Marcos, die Vernissage-Besucher in seinen Bann zu ziehen. Marcos erörterte sehr genau die Phänomene „Moderne“, „Entfremdung“, „Beschleunigung“ und machte deutlich wie stark wir uns doch beeinflussen lassen von dem was wir sehen, sehen wollen oder nicht sehen.
„Obwohl wir heute den Unterschied zwischen Bild und Wirklichkeit verstanden haben sollten, und obwohl wir uns bewusst sind über die Manipulationsmöglichkeiten gemalter, fotografierte, ja selbst vermeintlich authentischer Filmaufnahmen, fallen wir doch immer wieder auf die Suggestionskraft des Bildes ‚rein. Niemand von uns – denke ich – geht davon aus, dass der kleine Hund für das Foto von Robin Schmitt wirklich gekuttert wurde, aber – und das ist
vielleicht das Schlimme daran – wir halten es für möglich! „Anythimg goes“, ist es nicht genau das, was uns die unbegrenzte Freiheit suggeriert? Ich denke nicht. Freiheit ist nur ein abstrakter Begriff, lassen wir uns nicht von ihm entfremden. Verwechseln wir nicht ein ums andere Mal das wirkliche Leben mit künstlich Geschaffenem?“
Somit war die Vernissage eröffnet. Die Besucher konnten viele Kunstwerke in Fotografie, Malerei und Druck von Robin Schmitt sowie eine Autotür zum Zerkratzen bewundern. Die junge Filmemacherin Anna Balthasar die während ihres Studiums der Bildenden Kunst und Philosophie im Master of Education diverse praktische Erfahrungen im Bereich Film sammelte. Präsentierte eine Videoinstallation. Sie arbeitet transmedial und erhielt 2016 den Diffring Preis für Skulptur.
Iris Brahm sorgt mit einem weißen Kleid für Bewunderung
Iris Brahm ist für ihre einzigartigen Skulpturen bekannt. Inmitten des frisch
renovierten Gebäudes sorgte sie mit
einem überdimensionalen weißen Kleid „Gravitas“ (ehemaligen Lastenfallschirm zum Abwurf von Panzern) für Bewunderung. Auch die Zeitkapsel aus einem alten Weinfass (170 X 270 cm) erstrahlte im Inneren mit frischen Farben aus Lack.
Einen Hauch von Erotik versprühte Maike Bauer mit ihren wunderschönen und ästhetischen Aktbildern „Flawless“ und weiteren Werken in der Schwarzweißfotografie.
Musikalische Unterhaltung
Umrahmt wurde dieser gesellige Abend musikalisch von der Band „Soundconflusion“ aka „Die Band, die aus dem Keller kam“. Mit ihren eigenen jazzigen Improvisationen mit Elementen des Funks, des Drum ´n´ Bass, Reggae und der Polka war dies ein musikalisches Ereignis für das Publikum - Koordination versus Evolution. Die Einstellungen am Mischpult übernahm Gregor Ellwart.
Bei wohlschmeckendem Lahnwein und Snäcks wurde in der lauen Sommernacht lange zusammengesessen. Eine einzigartige Liason zwischen Klang und Kunst, erwartet die Besucher am Samstag 28. Juli in der ehemaligen Güterhalle. Am 29. Juli heißt es dann „Pack die Badehose ein“. Um 15 Uhr geht es los „Am Prellbock 9 - Open Air“. Der Eintritt erfolgt auf Spendenbasis.
Foto: MONIKA
(V.l.) Robin Schmitt und Iris Brahm bedankten sich bei ihrem Dozenten, Dr. Dieter Marcos.
Zeitkapsel - heißt dieses Kunstwerk.
