Lesung von Gudrun Hillmann fand Beifall im M.A.SH.
„Erzählen mit Farbe“ - Lyrik und Prosa zum Kunstsalon
Remagen. Wer am vergangen Wochenende den Kunstsalon mit seinen 17 Kunststationen besuchte und dazu den Samstag nutzte, dem entging, was Gudrun Hillmann am Sonntag an Lyrik und Prosa „auftischte“. Im M.A.SH., ModernArt Showroom, wo Stefan Zajonz aus Bonn nach der durch Renovierung erzwungenen langen Sommerpause seine sehenswerten Fotos unter dem etwas rätselhaften Titel „sein.ort“ zeigte und die Bezugspunkte Stadt, Stein, Gras belichtete, trug die Remagener Künstlerin eigene Texte vor.
Sinnliches Vergnügen
„Malen und Schreiben, beides ist für mich Bedürfnis, auch sinnliches Vergnügen; Malen mit Worten und Erzählen mit Farbe“, sagt Hillmann.
In ihrem Gedicht „Was ist das für ein Geräusch?“ malt sie dann auch Farben mit Worten aus und nimmt inhaltlich sogar die Akustik mit herein: Hörst du, hörst du es nicht? Es ist leise, himmelblau, steigert sich, wird kornblumenblau, fordernder, Magenta kommt dazu, ein Orange, Karminrot, Kobaltgrün zerläuft, Zitronengelb tröpfelt - ein schwarzer Strich durchschneidet das Schrille“, heißt es da. Oft werden Künstler gefragt, woher sie nur ihre Ideen nehmen.
Die Inspiration ist von unvorhersehbarer Natur. Mal ziert sie sich scheu, mal springt sie die Kreativen an. Hillmann kam sie einmal durch ein Gemälde von Bernard Schultze entgegen, das sie im Arp Museum sah.
So entstand ihr „Selbstgespräch einer Farbe“, das wie folgt beginnt: „Ich weiß, dass ich nicht weiß, nicht blau, grün, gelb oder schwarz gar bin. Ich leuchte hell und heiter - bin dunkel manchmal auch geheimnisvoll.“
Wenn Beethoven malt
Ihre ersten Einweisungen in die Kunst und Malerei erhielt die 1946 in Kassel Geborene durch ihren Vater, der Maler und Grafiker von Beruf war. Bereits in frühester Kindheit hatte sie den Wunsch, Malerin zu werden und führte stets einen Skizzenblock bei sich - was sie heute noch immer tut. Durch zahlreiche Seminare an verschiedenen Ausbildungsstätten und durch Studienreisen bildete sich Gudrun Hillmann in den Maltechniken fort, unter anderem in der Japanische Tuschmalerei. Hinzu kommt ihre dichterische Gabe. Sie ist Teilnehmerin einer Literaturwerkstatt und schreibt Lyrik und Kurzgeschichten. Als Malerin mag sie bekannter sein, doch bewies sie am Sonntagnachmittag in der Galerie M.A.SH., dass sie es auch versteht, mit dem Wort umzugehen. So ließ Hillmanns Fantasie Beethoven malend die Zehnte Symphonie komponieren. Ein anderes Mal setzte sie die Mondin auf Diät oder Wolkenpferdchen im späten Abendhimmel springen. Ihre beiden Mini-Krimis ließ sie am Ende offen. Den Zuhörern gefiel es, dass sie auf diese Weise auch ihre eigene Fantasie einbringen konnten.
Das interessierte Publikum - es fanden gar nicht alle, die wollten, in der kleinen Galerie Platz - hörte gespannt über eine Stunde zu. Mit Beifall wurde nicht gespart.
HG
