Allgemeine Berichte | 14.06.2017

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Klub ließ Rheinbach bewerten

Es gibt Hoffnung auf Verbesserungen

Noch immer ist das Fahrradklima in Rheinbach eher schlecht, aber immerhin auf dem Weg der Besserung (von links): Dietmar Pertz vom ADFC, Susanne Pauk, Margit Thünker-Jansen und Bürgermeister Stefan Raetz von der Rheinbacher Stadtverwaltung sowie Dr. Georg Wilmers vom ADFC.JOST

Rheinbach. Alle zwei Jahre befragt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) bundesweit die Bürger, wie sie das „Fahrradklima“ in ihrer Stadt bewerten. Gewertet werden in Kommunen unter 50.000 Einwohnern die Ergebnisse nur dann, wenn mindestens 50 Personen teilnehmen. Dies war in Rheinbach 2014 mit damals 71 Teilnehmern erstmals der Fall, 2016 hat sich die Teilnehmerzahl mit 150 mehr als verdoppelt. „Das deutet auf ein erfreulicherweise gestiegenes Interesse am Radverkehr in Rheinbach hin“, freute sich Dr. Georg Wilmers, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC für den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis bei einer Pressekonferenz im Rheinbacher Rathaus. Dort stellte er die Ergebnisse der jüngsten Befragung, die im Herbst 2016 stattfand, vor. Dabei wurden 27 einzelne Aspekte des Radverkehrs abgefragt, die in fünf Themenbereichen zusammengefasst sind und mit Schulnoten von eins bis sechs bewertet werden konnten. So wurde im Themenbereich „Komfort beim Radfahren“ etwa bewertet, ob die Wege für Radfahrer angenehm breit sind und ein problemloses Überholen langsamerer Radfahrer ermöglichen. Gerade mal zwei Personen bewerteten diesen Aspekt in Rheinbach mit der Note eins, die Note sechs wurde dagegen von 44 Personen vergeben, die übrigen Bewertungen waren dazwischen, „die Durchschnittsnote war mit 4,9 sehr schlecht“, so Wilmers.

Deutliche Steigerung

Auffällig beim Ergebnis für Rheinbach sei es, dass es im Themenfeld „Stellenwert des Radfahrens“ nur wenige Bewertungen von eins bis vier gab, dafür aber sehr viele Bewertungen mit fünf oder sechs. Bei den anderen vier Themenfeldern „Fahrrad und Verkehrsklima“, „,Sicherheit beim Radfahren“, „,Komfort beim Radfahren“ und „Infrastruktur und Radverkehrsnetz“ waren die Bewertungen deutlich ausgewogener, obwohl die Gesamtnote, die aus dem Durchschnitt aller 27 Einzelnoten berechnet wurde, mit 4,4 insgesamt als schlecht zu bewerten sei. „Immerhin ist gegenüber 2014 eine deutliche Steigerung um eine halbe Note von 4,9 auf 4,4 zu verzeichnen“, freute sich Wilmers. „Der Fahrradklimapatient Rheinbach konnte quasi von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt werden, gesund ist er aber noch lange nicht.“ Die relativ gesehen besten Ergebnisse seien bei der „Erreichbarkeit des Stadtzentrums“ mit einer Durchschnittsbewertung von 3,5 zu verzeichnen, gefolgt von „Alle fahren Rad“, „Zügiges Radfahren“ und „Geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung“. Dies zeige, so Wilmers, dass in Rheinbach durchaus Ansätze vorhanden seien, um attraktive Radverkehrsbedingungen zu schaffen. Die schlechtesten Ergebnisse gab es bei den öffentlichen Fahrradleihsystemen, der Führung an Baustellen, der Falschparkerkontrolle auf Radwegen sowie bei der Breite der Wege für Radfahrer und der speziellen Ampelschaltung für Radfahrer. Wobei die schlechte Bewertung bei öffentlichen Fahrradleihsystemen verständlich sei, weil es Fahrradverleihsysteme in Rheinbach nicht gebe, so Wilmers. „Dieser Aspekt ist aber auch derjenige, der mit Abstand als unwichtigster angesehen wird“, räumte er ein. Die anderen besonders schlechten Ergebnisse dokumentieren in den Augen des ADFC die unzureichende Unterstützung des Radverkehrs in der Praxis und den mangelnden Stellenwert des Radverkehrs bei Verwaltung und Ratsmehrheit in Rheinbach. Die Teilnehmer am Fahrradklimatest empfänden es überwiegend so, dass der Radverkehr von den Entscheidungsträgern eher als geduldeter „Restverkehr“ denn als förderungswürdige Verkehrsart angesehen werde. Positiv sei allerdings hervorzuheben, dass sich die Bewertung im Vergleich zu 2014 bei allen 27 Fragen verbessert habe. Besonders stark werde die Verbesserung bei Fahrradabstellanlagen gesehen. Hier mache sich die neue, gute Abstellanlage am Haltepunkt Römerkanal bemerkbar. „Ein Beispiel dafür, dass mit konkreten Verbesserungen auch das Fahrradklima und die Ergebnisse beim Fahrradklimatest verbessert werden kann“, so der Hinweis des Verkehrsexperten.

Werbung besser bewertet

In der Bewertung deutlich verbessert hätten sich in Rheinbach der Winterdienst und die Reinigung der Radwege. Außerdem werde die Werbung für das Radfahren im Vergleich zu 2014 deutlich besser bewertet, was der ADFC nicht zuletzt auf die Aufgeschlossenheit von Bürgermeister Stefan Raetz (CDU) für das Radfahren zurückführt, die in Rheinbach durchaus wahrgenommen werde. Möglicherweise habe auch die konstruktive Diskussion zum Thema Radverkehr bei der Erstellung des „Masterplans Innenstadt“, bei der die 60 Mitglieder zählende ADFC-Ortsgruppe aktiv mit konkreten Vorschlägen mitgewirkt habe, mit zur Verbesserung der Bewertung des Themas „Werbung für das Radfahren“ beigetragen. Die geringsten Verbesserungen gab es beim Aspekt Fahrraddiebstahl. „Der Fahrraddiebstahl stellt tatsächlich ein großes Problem in Rheinbach dar“, wusste Wilmers, der selbst schon Opfer eines Fahrraddiebstahls war. Das Problem sei auch deshalb vorhanden, weil es außer am Haltepunkt Römerkanal fast keine Abstellmöglichkeit gebe, bei denen der Fahrradrahmen an einem Anlehnbügel oder einen anderen fest verankerten Gegenstand angeschlossen werden könne. Das sei vor allem am Bahnhof ein großes Problem. Wilmers fasste zusammen: „Insgesamt zeigen die Ergebnisse des Fahrradklimatests 2016, dass es nach Ansicht der Teilnehmer in Rheinbach in der Praxis an vielem fehlt, was ein gutes Fahrradklima ausmacht.“ Es gebe aber Entwicklungen, die Hoffnung machten. So seien die Bodenschwellen entlang der Wegstrecke vom Stadtpark an der Stadthalle und dem Baugebiet Weilerfeld entlang bis zur Koblenzer Straße entschärft worden. „Wäre das ein Jahr früher geschehen, hätte das Ergebnis des Fahrradklimatests in Rheinbach 2016 vermutlich besser ausgesehen“, vermutete Wilmers. Anlass zur Hoffnung gebe zudem die im Masterplan Innenstadt vorgesehene Erstellung eines Radverkehrskonzepts für die Rheinbacher Kernstadt, das anschließend umgesetzt werden könne. Wenn das Konzept zügig erstellt und mit der Umsetzung begonnen werde, könnten sich erste positive Auswirkungen beim nächsten Fahrradklimatest bemerkbar machen. Dringend notwendig sei die Verbesserung der Attraktivität des Radfahrens in der Rheinbacher Innenstadt nach Ansicht des ADFC aber auf jeden Fall.

Noch Luft nach oben

„Wir sind besser geworden, aber noch lange nicht gut und haben durchaus Luft nach oben“, gab auch Bürgermeister Raetz zu. Es sei angefangen worden, erste Bereiche zu verbessern und neuralgische Punkte zu entschärfen, doch das Radwegekonzept im Rahmen des Masterplans Innenstadt sei eine große Chance. Für die Erstellung des Konzepts und die Umsetzung von ersten Maßnahmen stünden 200.000 Euro zur Verfügung, von denen das Land 140.000 Euro als Zuschuss übernehme.

Zudem habe der Stadtrat bereits beschlossen, Rheinbach zur „Fahrradstadt“ weiterentwickeln zu wollen. „Allerdings ist Rheinbach eine historische Stadt und nicht am Reißbrett geplant“, wies er auf erschwerende Umstände hin. Er mahnte auch, bei allem Bemühen um die Verbesserung des Radverkehrs nicht die Fußgänger als noch schwächeres Glied in der Kette zu vernachlässigen. JOST

Noch immer ist das Fahrradklima in Rheinbach eher schlecht, aber immerhin auf dem Weg der Besserung (von links): Dietmar Pertz vom ADFC, Susanne Pauk, Margit Thünker-Jansen und Bürgermeister Stefan Raetz von der Rheinbacher Stadtverwaltung sowie Dr. Georg Wilmers vom ADFC.Foto: JOST Foto: Volker Jost

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