Allgemeine Berichte | 19.10.2016, 11:35 Uhr

29. Kabarett-Saison in Swisttal

Es ist wieder Kabarett-Zeit in Morenhoven

Politisch, musikalisch, voller Humor – Kreaforum startet mit Insterburg & Black und Fatih Cevikkollu

Eröffnungsveranstaltung: Ingo Insterburg (li.) und Lothar „Black“ Lechleitner im Kreaforum mit „Höhepunkten aus zwei Künstlerleben“. RFW
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Swisttal-Morenhoven. „Weil es so schön war, noch einmal! – Kult – muss sein!“. Mit dieser Vorankündigung eröffnete die Kabarett Initiative KUSS (Kultur und Spektakel in Swisttal) ihre 29. Kabarett-Saison.

Dazu präsentierte das Team um Klaus Grewe gleich zwei Künstler, die zusammen mit 156 Lebensjahren und gefühlt fast genauso vielen Bühnenjahren wohl jedem im ausverkauften Theater nicht nur bekannt waren, sondern auch musikalische und komödiantische Wegbegleiter von der Jugend bis ins höhere Erwachsenenalter waren. Ingo Insterburg und Lothar „Black“ Lechleitner haben deutsche Musikgeschichte geschrieben, und so ist ihr Programm „Höhepunkte aus zwei Künstlerleben“ auch eine Reminiszenz an die 70er Jahre. „Ich liebte ein Mädchen in Pankow“, wohl der bekannteste Hit von Ingo Insterburg mit seiner damaligen Gruppe „Insterburg & Co.“. Für den Auftritt am Freitag hat es der Poet leicht umgedichtet in „Ich liebte ein Mädchen in Morenhoven, die gehörte zu den klugen, nicht zu den doofen.“ So hat man das Publikum sogleich auf seiner Seite. 82 Jahre alt ist Ingo Insterburg, der sich den Namen seines Geburtsortes in Ostpreußen zugelegt hat. Sein künstlerisches Hobby ist der Bau von Musikinstrumenten aus Alltagsgegenständen. Ein Blecheimer dient als Cello, eine herzförmige Pralinenschachtel und die zwei Hälften einer Kokusnuss werden zu Geigen bzw. Gitarren. Und alles ist bespielbar, wenn auch sicher nicht in einem Sinfonieorchester. Trompete und Gitarre gleichzeitig? Es geht, mit Händen und Füßen. Oder Geige und Gitarre gleichzeitig, auch die beherrscht der „alte“ Insterburg.

Sein Kumpel „Black“ alias Lothar Lechleitner (74), seinerzeit als Duo „Schobert und Black“ unterwegs, hatte sich mit dem „erst“ 53-jährigen Matthias Bardong für seine Musik und seine Limeriks eine jüngere Verstärkung mitgebracht. Mit ihren politischen Liedtexten wandten sie sich gegen Rechtstendenzen in der Gesellschaft. Ist die AfD ein Angelverein? Dann könnte man sie ja mit „Petri Heil“ begrüßen. Die Pegida-Anhänger verortet Black in den Bereich der Rattenfänger. „Zu den Liedern von diesen Leuten haben früher die Synagogen gebrannt.“

Mit seinem fünften Programm „Emifatih“ wartete der türkisch-kölsche Kabarettist und Schauspieler Fatih Cevikkollu am Samstag auf. Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Dies forderte mit großem Selbstbewusstsein der Kabarettist von den Besuchern ein. Etwa von den Kunden, die bei „Gemüse Ali“ einkaufen. Dort sollten sie dankbar sein für die „Folklore“, die ihnen dieser bietet. Denn Ali kann Hochdeutsch, im Gegensatz zu vielen seiner Kunden, aber er darf es nicht zeigen. Das gleiche gilt, wenn eine muslimische Familie auf einem Amt erscheint. Da werden die Bediensteten schon beinahe als Witzfiguren abgestempelt. Die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln? Das ist kein Problem bestimmter Gruppen, das müssen sich die Männer insgesamt anrechnen lassen. Und wie sieht der Kabarettist Polizisten etwa bei einer Demonstration? Die treten dort in „Demonstrationskostümen auf!“ Er fordert Empathie? Ja, das ist schon richtig, aber Fatih Cevikkollu verteilt sie in seinem zweistündigen Programm provokant einseitig. RFW

Ingo Insterburg musizierte mit Geige und Gitarre gleichzeitig.Fatih Cevikkollu präsentierte sein Programm „Emfathi“.

Ingo Insterburg musizierte mit Geige und Gitarre gleichzeitig. Fatih Cevikkollu präsentierte sein Programm „Emfathi“.

Es ist wieder Kabarett-Zeit in Morenhoven

Eröffnungsveranstaltung: Ingo Insterburg (li.) und Lothar „Black“ Lechleitner im Kreaforum mit „Höhepunkten aus zwei Künstlerleben“. Fotos: RFW

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