Ausstellung des Fördervereins Mahnmal Koblenz
„Es war die Tragödie meines Lebens“
Zwangs- und Sklavenarbeiter in Koblenz und Umgebung im Zweiten Weltkrieg
Koblenz. Seit eineinhalb Jahren wütet in Europa wieder ein Angriffskrieg. Täglich sieht man die Verbrechen von Putins Russland an der ukrainischen Bevölkerung und am Land. Wieder haben grenzenloses Machtstreben, Nationalismus, Wahnideen von einem Großreich unsägliches Leid auf unschuldige Menschen gebracht und bringen sie jeden Tag von Neuem. Und Krieg gibt es nicht nur gegen Ukraine, sondern – und das seit vielen Jahren – überall auf der Welt. Hat die Menschheit, haben Diktatoren, „Autokraten“, Generäle und andere Militärs, nichts aus der Geschichte gelernt? Am 1. September ist zur Erinnerung an die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs „Antikriegstag“ – ein fast vergessener Gedenktag, heute mahnender denn je.
Aus Anlass des 84. Jahrestages des Kriegsbeginns zeigt der Förderverein Mahnmal Koblenz ab sofort eine Ausstellung mit Biografien von 15 Menschen aus dem damaligen Osteuropa, die aus den von Hitler-Deutschland überfallenen Ländern in das Deutsche Reich verschleppt wurden und hier arbeiten mussten. Meist waren es junge Frauen und Männer, zunächst – entsprechend den Kriegszielen Hitlers – Polen, dann Ukrainer, Sowjetrussen und Balten. Dargestellt werden exemplarische Schicksale von weit mehr als 2.000 ausländischen Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen, und KZ-Häftlingen, die Zwangs- bzw. Sklavenarbeiten verrichten mussten.
Etwa das der ukrainischen Zwangsarbeiterin Warwara T., die im städtischen Krankenhaus Kemperhof als Haushaltshilfe arbeiten musste. Als sie schwanger wurde, zwang man sie zur Abtreibung im Kemperhof – wie hunderte Polinnen, Russinnen, Ukrainerinnen.
Oder das Schicksal des polnischen Fremdarbeiters Franciszek Matczak in Engers. Der 20-jährige Pole wurde wegen eines angeblichen sexuellen Kontakts mit einem einheimischen Mädchen denunziert. Daraufhin „verurteilte“ ihn die Gestapo zur „Sonderbehandlung“. Mit einem fahrbaren Galgen, den die Koblenzer im Engerser Feld aufstellte, erhängte sie Franz Matczak. 50 polnische Zwangsarbeiter aus der Umgebung mussten – zu ihrer Warnung - die Hinrichtung miterleben.
Das Motto der Ausstellung „Es war die Tragödie meines Lebens“ ist ein Zitat des polnischen Schülers Norbert Widok. Obwohl oder gerade weil ihm keine Sabotage nachgewiesen werden konnte, verschleppte man ihn aus Polen in das Lager „Eiserne Hand“ bei Bassenheim zur Zwangsarbeit an der Reichsautobahn (heute: A 48). Über weitere Lager kam er in das KZ Groß-Rosen in Schlesien und in das KZ Theresienstadt bei Prag, dort wurde er von der Roten Armee befreit.
Gegen Kriegsende wurden dann hier für „unbrauchbar“ erklärte Zwangsarbeiter, wie der Litauer Josef J. und die Russin Anna K., in die Tötungsanstalt Hadamar bei Limburg/Lahn verschleppt und dort im Rahmen der dezentralen „Euthanasie“ ermordet.
Diese und andere Biografien sind bis auf weiteres am Mahnmal auf dem Reichensperger Platz zu besichtigen. Sie sind mit weiteren Informationen auch auf der Homepage des Fördervereins Mahnmal Koblenz abrufbar: www.mahnmalkoblenz.de.
Pressemitteilung des
Fördervereins Mahnmal Koblenz
