Allgemeine Berichte | 09.09.2017

Frostschäden im Obstbau im Kreis Neuwied

Existentielle Verluste in regionalen Obstanbaubetrieben

Frostnächte im April sorgen für drastischen Einbruch der diesjährigen Ernte

(Von links) Thomas Ecker, Untere Landwirtschaftsbehörde, Frank Nickenig, Bärbel Birkenbeil und der erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach im Austausch. privat

Kreis Neuwied. „Die Frostnächte um den 20. und 21. April haben unsere Erntekosten für 2017 drastisch gesenkt“, erklärt Frank Nickenig vom Obsthof Birkenbeil in Heimbach-Weis gegenüber Achim Hallerbach, dem ersten Kreisbeigeordneten des Landkreises Neuwied und zuständigem Dezernenten für die Untere Landwirtschaftsbehörde. Dabei zeigt er auf seine Süßkirschenanlage. „Von den 69 Bäumen habe ich gerade mal 50 Kilogramm Kirschen geerntet.“ Das ist die Ernteleistung von maximal zwei Bäumen in einem durchschnittlichen Erntejahr. Und bei den Apfelsorten Braeburn und Elstar sieht es kaum besser aus. „Jeder Apfel kann persönlich begrüßt werden“, fügt Bärbel Birkenbeil, Mitinhaberin des Obsthofes hinzu. Angesichts eines 90-prozentigen Ertragsausfalls über alle Obstsorten bleibt dem Ehepaar nur der Galgenhumor. Achim Hallerbach schiebt die Zweige eines Apfelbaumes auseinander – Sorte Braeburn. Stirnrunzelnd betrachtet er den einzigen sichtbaren Apfel. Der seltene Lichtblick in der weiträumigen Anlage ist der Boskoop. „Diese Apfelsorte hat fast vier Wochen lang geblüht. Deshalb haben diese Bäume einen annähernd normalen Behang,“ erklärt Frank Nickenig.

„Kann ein Betrieb solche Ausfälle kompensieren?“, fragt sich Achim Hallerbach und weist auf die Möglichkeit hin, staatliche Beihilfen für eingetretene Elementarschäden zu beantragen. Das Frostereignis mit Nachttemperaturen von unter -5 Grad Celsius gerade in der Blütezeit von Apfel- und Kirschbäumen wurde als ein solches Schadenereignis anerkannt, da der Obstbau bis weit über die Grenzen von Rheinland-Pfalz extrem geschädigt wurde. Der Obsthof Birkenbeil war bereits von der Unteren Landwirtschaftsbehörde der Kreisverwaltung Neuwied auf die Möglichkeit der Antragstellung hingewiesen worden. Doch Bärbel Birkenbeil winkt ab.

„Zum Glück sind wir nicht vollständig von unseren vier Hektar Obstbau abhängig und erzielen noch Einkünfte aus außerlandwirtschaftlicher Tätigkeit. Die Vordrucke für die Entschädigungsanträge sind zwar alles andere als selbsterklärend, aber diese hätten wir schon ausgefüllt bekommen. Doch ich denke, andere Betriebe, die ausschließlich vom Obstbau leben, haben die Entschädigungszahlungen nötiger als wir.“ Die Sorge des ersten Kreisbeigeordneten Achim Hallerbach, dass mit dem Obsthof Birkenbeil ein weiterer Obstproduzent die Lust am Apfel- und Kirschanbau verlieren könnte, wird von Frank Nickenig ausgeräumt. „Wir machen weiter“, und verweist auch auf seine Produktion von Edelbränden.

Tatsächlich gibt es im Landkreis Neuwied nur wenige Obstproduzenten. „Der Stuxhof in Unkel hat den Anbau von Äpfeln und Kirschen bereits vor einigen Jahren eingestellt. Grund war die starke Frostgefährdung insbesondere aufgrund der dortigen topografischen Lage“, berichtet Thomas Ecker von der Unteren Landwirtschaftsbehörde der Kreisverwaltung.

Das Obstgut Müller in Torney hat mit seiner Frostschutzberegnung eine Strategie entwickelt, um das Frostschadensrisiko einzudämmen. Dabei wird die Anlage in Frostnächten mit Wasser besprüht. Durch das Gefrieren der Tröpfchen um die Blüten und Knospen entsteht Kristallisationswärme, welche die Fruchtanlagen vor dem Erfrieren schützt. Thomas Ecker: „Ganz ohne Schäden ist das Frostereignis allerdings auch beim Obstgut Müller nicht vorübergegangen. Zudem ist der Aufwand für diese Beregnung recht hoch.“

Die Produktion von hochwertigen regionalen Produkten hat ihren Preis. „Wird dieser vom Verbraucher honoriert, so wird auch der Tisch weiterhin mit regionalen Produkten gedeckt sein“, ist sich Achim Hallerbach sicher. Hier verweist er auf die von ihm initiierte Veranstaltungsreihe LANDreisen mit Vortragsveranstaltungen zu unterschiedlichen landwirtschaftlichen Themen, um Landwirte und Verbraucher in einem gemeinsamen Dialog zusammenzuführen und für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse von Rhein, Wied und Westerwald zu werben.

Pressemitteilung

Kreisverwaltung Neuwied

(Von links) Thomas Ecker, Untere Landwirtschaftsbehörde, Frank Nickenig, Bärbel Birkenbeil und der erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach im Austausch. Foto: privat Foto: Picasa

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Biker: Ich bin den Radweg am Wochenende gefahren. Tatsächlich fragt man sich, warum man keinen Weg nach Mayen gefunden hat. Als Ortskundiger war das zwar kein Problem, aber darum geht es ja nicht. Von Mayen...

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 6

  • Annette Saal: In Nickenich, Montfort L‘ Amaury Platz
  • Schmitz, P: Die illegale Abfallentsorgung nimmt leider Überhand. Habe schon mehrere Male Firmenmitarbeiter von ausländische klingenden Firmen bei mir am Glas Container in der Straße aufgefordert ihren Müll wieder au zu laden.
Dauerauftrag
Dauerauftrag Imageanzeige
Daueranzeige 2026
Outdoormöbel
Rigomagvs-Fest
Kirmes in Weißenthurm
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Mai 2026
Imageanzeige
Empfohlene Artikel
BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 7
66

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

Dr. Bert Droste-Franke und Daniel Gronwald bei der Begrüßung der Gäste.  Foto: ROB
19

Sinzig. Beim siebten Treffen des regionalen Katastrophenschutz-Netzwerks H-Kat-Net stand in Sinzig ein Thema im Mittelpunkt, das angesichts zunehmender Extremwetterereignisse immer mehr an Bedeutung gewinnt: die frühzeitige Warnung vor Hochwasser- und Starkregenlagen sowie moderne Möglichkeiten der Strömungsrettung. Eingeladen hatten die Initiatoren Daniel Gronwald, Ortsbeauftragter des THW-Ortsverbandes Sinzig und Dr.

Weiterlesen

Gute Laune beim Schützenfest.  Foto: privat
27

Sinzig. Zum traditionellen Schützenfest trafen sich die St. Hubertus-Schützen am Sonntag zum Antreten und Festzug zu Ehren Seiner Majestät Matthias IV. in der Rheinstraße am Hause des Königs. Pünktlich um 14.00 Uhr hieß es „Schützen stillgestanden“, und unter dem Kommando von Hauptmann Hans-Peter Floter sowie unter den Klängen der Blaskapelle schritt seine Majestät die Front ab. Durch die Stadt ging es auf kurzem Wege zum Schützenplatz zu Füßen des Mühlenberges.

Weiterlesen

Weitere Artikel
„Für dich. Für uns. Für alle“ war das Motto des Ehrentages.Fotos: WAMFO.DE
7

Breslauer Platz in Andernach erstrahlt in neuem Glanz

Bürgerinnen und Bürger packten mit an

Andernach. Am bundesweiten Ehrentag am 23. Mai 2026 verwandelte sich der Breslauer Platz in Andernach in eine lebendige Baustelle des bürgerschaftlichen Engagements. Unter dem offiziellen Motto „Für dich. Für uns. Für alle.“ packten zahlreiche Freiwillige, lokale Vereine und die Klima-Werkstatt Andernach gemeinsam an, um das Areal in der Südstadt grundlegend zu modernisieren. Die bundesweit von Bundespräsident...

Weiterlesen

Auf dem Programm standen eine Sprintdisziplin, der Zonen-Weitsprung sowie eine Wurfübung mit dem 80-g-Schlagball.  Foto: K. Doetsch
32

Bundesjugendspiele 2026 der Astrid-Lindgren-Schule standen ganz im Zeichen von Teamgeist, Fairness und gemeinsamer Freude an Bewegung

Laufen, Springen, Jubeln – ein unvergesslicher Sporttag an der Grundschule Rheinbrohl

Rheinbrohl. Am 22. Mai fanden bei schönstem Wetter die Bundesjugendspiele 2026 der Klassen 1 bis 4 an der Astrid-Lindgren-Schule Rheinbrohl statt. Auf dem Sportgelände wurde gesprintet, gesprungen, geworfen, angefeuert und gemeinsam gefeiert. Die Kinder zeigten dabei nicht nur sportlichen Ehrgeiz, sondern vor allem Fairness, Motivation und großen Teamgeist.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: Adobe Stock
41

Region. Wir von BLICK aktuell möchten wissen, wo in eurer Heimatstadt oder Kommune der Schuh drückt! Aus diesem Grund haben wir die neue Serie „HeimatCheck“ ins Leben gerufen. Ob kleine Ärgernisse oder große Probleme: Schreibt uns, was euch bewegt, und wir berichten für euch! Handlungsbedarf gibt es eigentlich immer, sei es bei:

Weiterlesen

Alles rund ums Haus
Rund ums Haus
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Hausmeister, bis auf Widerruf
"Harald Schweiss"
Kreishandwerkerschaft
Anzeige 35-jähriges Jubiläum
Kirmes in Weißenthurm
Kirmes in Weißenthurm
JGV-Fest Ringen-Bölingen
Landespfleger/in (w/m/d)
Titelanzeige
Dorffest in Bell
Brückenstraßenfest
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Mai 2026
Dorffest Bell