Allgemeine Berichte | 26.02.2018

Falsch verstandene „Toleranz“ treibt Menschen zur AfD

Eine Bekannte arbeitet in einem katholischen Kindergarten als Erzieherin. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Bevölkerungsstruktur so verändert, dass ein großer Teil der Kinder nun aus muslimischen Familien kommt. Seit ein paar Jahren wird darum im Kindergarten nicht mehr Sankt Martin oder Weihnachten gefeiert. Man feiert ein sogenanntes „Lichterfest“. Aus Gründen der „Toleranz“. Die muslimischen Eltern hatten dies gar nicht gefordert. Toleranz aus Vorsicht.

Meine Vikarin unterrichtet an einer Realschule evangelischen Religionsunterricht. Aus verschiedensten Gründen sind einige Muslime in ihrer Klasse. Vor kurzem diskutierten wir darüber, ob sie ihren Unterricht an die muslimischen Schüler anpassen muss. Aus Gründen der Toleranz. Auch hier hatte das niemand gefordert. Es war nur so ein Gefühl. „Wir müssen doch tolerant sein“.

Das Wort „Toleranz“ wird meiner Meinung nach leider viel zu oft falsch verstanden. Und ich kann es verstehen, wie solch falsch verstandene Toleranz in Politik und Gesellschaft Menschen in die Arme von AfD oder anderer rechter Gruppierungen treibt, die sich als Hüter von „Recht und Ordnung“ präsentieren wollen. Das lateinische Wort „tolerare“ bedeutet „ertragen oder erdulden“. Wenn ich also tolerant bin, „ertrage und erdulde“ ich, dass mein Gegenüber anders ist, als ich. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich ihm anpassen muss.

Menschen, die aus fernen Ländern und Kulturen hier zu uns nach Deutschland gekommen sind, sind ja gerade deshalb hier, weil die Werte und Traditionen in unserem Land und Europa so sind, wie sie sind. Und es sich hier gut leben lässt: in Freiheit, in Demokratie, in Selbstbestimmung, in Meinungsfreiheit, in Solidargemeinschaft, im Rechtsstaat, im Gesundheitssystem,…

Vor rund 2000 Jahren schreibt der Apostel Paulus den Christen in Rom: „Nehmt einander an, so wie Jesus Christus Euch angenommen hat!“ (Römerbrief 15,7). In der römischen Christengemeinde gibt es damals starke Spannungen und Streit. Die Gemeinde droht vor lauter Konflikten zu zerreißen.

„Nehmt einander an, wie Christus Euch angenommen hat!“ - Paulus trägt uns Christen auf: Nimm den anderen, wie er ist. Sei barmherzig voller Nächstenliebe. Hilf dem, der Hilfe braucht, auch wenn Du ihn nicht magst. – Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Wichtige Werte des Christentums, auf denen Europa und vor allem die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurden. Unsere Fundamente sozusagen.

„Nehmt einander an!“ – Ja! - Aber deswegen muss ich meine Werte und Traditionen nicht abschaffen. „Wie Christus Euch angenommen hat“ – heißt ja gerade: Vergiss nicht Deine Tradition. Vergiss nicht Dein christliches Fundament, sondern gerade deshalb handle barmherzig und annehmend.

„Tolerant sein“ - „Einander annehmen, wie Christus uns angenommen hat“ heißt: Ich akzeptiere Dich, wie Du bist – ich helfe Dir, wenn Dein Leben ins Wanken gerät – aber ich darf dabei auf meinem guten Fundament stehen bleiben. Ich darf meine christlichen Traditionen und Werte pflegen, weil sie gerade der Grund dafür sind, dass ich Dir helfe, dass Dich toleriere, und dass ich Dich annehme, so wie Du bist!“

Passen Sie gut auf sich auf!

Ihr Pfarrer Andre Beetschen

Evangelische

Kirchengemeinde Mendig

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