20. Bad Emser Orgelpromenade bot abwechslungsreichen Spaziergang
Fantasievolle Momente mit der Königin erlebt
Mehr als hundert Besucher aus nah und fern genossen den Klang dreier Instrumente
Bad Ems. Zur Erfolgsgeschichte hat sich die Bad Emser Orgelpromenade entwickelt. Auch zur 20. Ausgabe fanden sich zahlreiche Besucher aus nah und fern ein, um einmal quer durch die Kurstadt zu spazieren und dabei in Kurzkonzerten den Klang der unterschiedlichen Instrumente in den Kirchen zwischen dem alten Ems und dem neuen Bad flussaufwärts zu genießen.
„Wir versuchen eigentlich immer, dabei zu sein“, erzählte Elfriede Fischer aus Braubach. Neben den unterschiedlichen Kirchenräumen und Orgeln und den damit verbundenen Klangvariationen findet sie ganz toll, dass die Musiker zu Beginn einführende Worte zu Werken und Komponisten sprechen und die folgende Musik mit Hintergrundgeschichten bereichern. Einer Bekannten vom Rhein hatte sie trotz wechselhaften Wetters die Promenade an der Lahn schmackhaft gemacht.
Und viele andere Stammgäste ließen sich die runde Promenade nicht entgehen. Auch Kantor Gunther Zimmerling, der 1988 mit seinem katholischen Kollegen Harald Schmitt die Reihe ins Leben rief, gehörte zu ihnen. Mehr als 100 Besucher zählte die kleine Jubiläumspromenade, die sich von der Orgel, die auch „Königin der Instrumente“ genannt wird, und ihren Klangvarianten in Bann ziehen ließen.
Den Anfang machte Ingo Thrun an der Eule-Orgel
Den Anfang machte wie fast in jedem Jahr Dekanatskantor Ingo Thrun in der evangelischen Martinskirche. „Fantasie & Co.“ hatte er die kleine Auswahl an der 2014 erbauten Eule-Orgel überschrieben. Ein Präludium des weniger bekannten Franz Tunder (1614 - 1667) stellte er an den Anfang, dem eine österliche und quirlig rasante Choralfantasie Johann Sebastian Bachs zu „Christ lag in Todesbanden“ folgte.
Die empfindsame Fantasia à gusto italiano von Johann Krebs, einem Schüler von Bach, habe den Orgelausschuss der Bad Emser Kirchengemeinde schon bei ihren Touren zu Orgeln im Land immer begleitet, bevor er sich für die Eule-Orgel entschied, erzählte Thrun. „Laut können die alle“, so der Kantor, aber Krebs‘ Komposition habe auch die empfindsamen Möglichkeiten des Instruments auf die Probe gestellt.
Reichtum an Klangpracht
Der Reiz der Orgelpromenade liegt nicht nur im unterschiedlichen Charakter der Instrumente selbst und dem akustischen Spektrum der Gotteshäuser. Die drei Organisten hatten in den 20-minütigen Konzerten auch Werke ausgewählt, in denen sie an den beiden großen Orgeln den Reichtum an Registern demonstrieren konnten. Das tat auch Norbert Fischer an der nächsten Station, der Sandtner-Orgel in der katholischen Martinskirche.
Der Organist wartete mit wunderschöner Orgelmusik französischer Kirchenmusiker von Louis Nicola Clerambault, Francois Couperin und Nicola de Grigny auf. Mit deren Werken entfaltete Fischer am majestätischen Instrument dessen Reichtum an Klangfarben und -pracht.
Anschließend versüßten Kaffee und Kuchen vor der Kirche eine kleine Pause. Weil die Kaiser-Wilhelm-Kirche noch geschlossen war, legte Lutz Brenner an der Sandtner-Orgel noch einen nach. Dem grandiosen Finale aus der Symphonie in d-Moll von Louis Vierne hatte der Kantor zur Feier des Tages eine „Bad Emser Jubiläumspromenade“ vorangestellt: frei improvisierte Variationen, die tonal und rhythmisch mit dem berühmten Promenade-Thema aus Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ spielten. Ein wahres das Gemüt bewegendes Hörvergnügen.
Abschluss in der Kapelle Maria Königin
„Kleine Kostbarkeiten für die kleine Königin“ hatte Brenner sein Kurzkonzert in der Kapelle Maria Königin überschrieben, zu der sich die Promenaden-Besucher anschließend durch die Kurstadt auf den Weg machten.
Dem 1830 erbauten Instrument des Bad Emser Orgelbauers Christian-Ernst-Schöler, Sohn des bekannten Johann Wilhelm Schölers, gewann der versierte Kirchenmusiker seine charakteristischen Klangfarben ab etwa mit drei entzückenden Stücken für die „Flötenuhr“ von Joseph Haydn sowie mit Werken von Christian Friedrich Raupe, Johannes Brahms und Nicolas-Jacques Lemmens
Die Treue der Orgelmusik-Liebhaber wurde belohnt, denn es blieb trocken, auch als sich die Gäste auf den Weg ins Gemeindehaus an der Kaiser-Wilhelm-Kirche zu einem leckeren Abschluss begaben.
Pressemitteilung
Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Rhein-Lahn
