Spektakuläre Aktionen beim 40. Europäischen Keramikmarkt in Höhr-Grenzhausen
Feuer und Flamme für Keramik
Abends leuchtete der Chianti-Glasflaschen-Ofen – Schüler bauten „flammende“ Keramik-Stadt
Höhr-Grenzhausen. Hochzufrieden mit der Besucherzahl und ihrer Kauflust äußerten sich die Aussteller des diesjährigen Keramikmarktes in Höhr-Grenzhausen, mit denen „BLICK aktuell“ ins Gespräch kam. Christa Britscho aus Nauort arbeitet für die Keramikkünstlerin Susanne Börner in Ransbach-Baumbach und betreute deren Stand, der unter anderem durch lebensgroße Metallfiguren mit Keramikköpfen auffällt. Christa Britscho sagt: „Die Figuren verkaufen sich auch hier auf dem Markt sehr gut. Die Kunden bestellen hier und holen die Objekte dann in unserem Studio in Ransbach-Baumbach ab. Die Figuren sind sehr beliebt, auch international. Wir haben zum Beispiel auch welche an ein Kongresszentrum in Brüssel verkauft.“ Die Situation im Wirtschaftssektor Keramik bezeichnet Christa Britscho als „sehr gut“: „Die Kunden geben heutzutage mehr Geld für den Garten aus, als für die Wohnung. Richtig viel Geld!“
„Kitsch oder Kunst, das ist doch Geschmackssache!“
Die Keramikkünstlerin Tanja Necker aus Höhr-Grenzhausen fällt auf dem Markt schon durch ihr phantasievoll-buntes Outfit auf. Zusammen mit ihrem Mann Gideon stellt sie lustige Frauenfiguren her, die mal auf dem Kopf stehen, oder bei denen schon mal die Körperteile an ungewöhnlichen Stellen angebracht sind. Untertreibend sagt die gut gelaunte Frau: „Wir machen Kitsch! Das ist in meinen Augen etwas Schönes und Positives. Ich habe kein Problem damit und muss nicht unbedingt den unscharfen Begriff Kunst verwenden. Kitsch oder Kunst, das ist doch Geschmackssache!“
Tanja und Gideon sind gelernte Keramiker und haben sich in der Lehre kennengelernt. Tanja: „Seitdem sind wir zusammen und machen witzige Sachen, auch überflüssige.“ Von dieser schönen Arbeit leben die beiden Keramiker. Auch sie sind mit dem Marktbesuch und dem Kaufverhalten sehr zufrieden. Die meisten Besucher kämen von außerhalb, haben die beiden den Eindruck.
Schüler brennen für die Kunst
Spektakulär ging es beim Keramikmarkt auf dem Laigueglia-Platz zu, wo Arwed Angerer und Steffi Schmoltzi mit Schülern der Schiller-Schule eine „brennende Stadt aus Keramik“ aufgebaut hatten. Steffi Schmoltzi sagt: „Wir haben mit den Schülern eine Woche lang an dieser Feuerskulptur gebaut. Unten gibt es die Feuerung aus einer Spezialmasse und darüber die Stadtgebäude mit einigen Bewohnern und Tieren. Am Ende kommen auch Flammen aus der Skulptur heraus, die am Ende eine Temperatur von 1.000 Grad erreicht hat. Dann kommt die bunte Glasur zum Vorschein und morgen haben wir hier eine schöne bunte Stadt aus Keramik stehen, die später in der Schiller-Schule ausgestellt wird.“
Internationale Keramik-Künstler zu Gast im Westerwald
Bereits zum 40. Mal lockte der europäische Keramikmarkt mit keramischer Vielfalt sowie einem tollen Rahmenprogramm für die ganze Familie tausende Besucher aus nah und fern nach Höhr-Grenzhausen. Auf einer 500 Meter langen Marktzone wurde alles gezeigt, was die Vielfalt der Keramik ausmacht. Dabei wurden den Besuchern von rund 150 Ausstellern aus ganz Europa Gebrauchs- und Zierkeramik, echt Salzglasiertes Steinzeug, originelle Tonpfeifen, Keramikschmuck und viele andere Erzeugnisse aus Keramik angeboten. Es nahmen auch Aussteller aus Großbritannien, Spanien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Polen und Tschechien teil. Hinter dem Keramikmuseum präsentierte sich das diesjährige Gastland Slowenien.
Staunen und mitmachen
Das Keramikmuseum Westerwald präsentierte im Rahmen des Museumsfestes viele Aktionen bei freiem Eintritt. Die Ausstellung „Höhr-Grenzhausen bittet zu Tisch“ kam an diesem Wochenende zum krönenden Abschluss: die Auszubildenden des zweiten Lehrjahres der Julius-Wegeler-Schule in Koblenz schmückten die Tische mit Sträußen, Gestecken und kleinen floralen Dekorationen. Raku-Vorführungen zeigten an beiden Markttagen das faszinierende Spiel mit Feuer und Farben. Viele Keramikwerkstätten hatten geöffnet, in denen man den Töpfern bei der Arbeit über die Schulter schauen konnte.
Das Jugend- und Kulturzentrum „Zweite Heimat“ machte Programm für die jungen Besucher des Marktes.
Der walisische Künstler Terry Davies baute aus über 400 Weinflaschen einen „Chianti-Flaschenofen“. Der funktioniert so, dass die Köpfe der Glasflaschen im inneren Bereich des Ofens schmelzen und das geschmolzene Glas auf die Keramiken darin tropft und so eine einzigartige Glasur herstellt. Nachts, im Dunkeln, leuchtet der Ofen von Terry Davies wunderschön.
Musikalisch bereicherten die Big Band des Gymnasiums im Kannenbäckerland und die Gruppe „Jazzkrönung“ das Marktgeschehen. Auch ein DJ und ein tansanischer Trompeter erfreuten die Besucher.
Jede Menge Leute auf dem 40. Europäischen Keramikmarkt in Höhr-Grenzhausen – als Besucher vor den Schautischen und als Teilnehmer darauf. Fotos: KER
Tausende Besucher schlenderten durch die romantischen Gassen der historischen Altstadt von Höhr-Grenzhausen.
Haben Sie noch alle Tassen im Schrank? Wenn nicht, fand man auf dem Keramikmarkt tolle neue Modelle.
Die rudernden Frauen gefielen dieser Besucherin.
Schon mal auf einer Keramikbank gesessen? Ein erhebendes Gefühl!
