Allgemeine Berichte | 05.03.2018

Gedanken im Blick - Glaube, Traditionen und Persönliches

Feuerwerk der Achtsamkeit

Eine theologische Kolumne von Gunnar Bach

Gunnar Bach

„Ein Schüler fragte seinen Meister: ‚Kann ich irgendetwas tun, um die Erleuchtung zu erlangen?‘ Und der Meister antwortete: ‚So wenig, wie du dafür tun kannst, dass am Morgen die Sonne aufgeht.‘ Da fragte der Schüler weiter: ‚Was für einen Sinn haben dann die spirituellen Übungen, die du lehrst?‘ Und der Meister sagte:‘ Du übst, damit du nicht schläfst, wenn die Sonne aufgeht.‘“

Mit dieser Weisheitserzählung beginnt Christina Brudereck ihr wunderschönes Buch „Für alles gibt es eine Zeit. Rituale für Tag, Jahr und Leben“. Die Autorin möchte mit dem Buch dazu „anregen, eigene Rituale zu entwickeln, sich alte, verlorene, zurückzuerobern, neue zu erschaffen.“

Heilige Pausen feiern – das soll den Tag, das Jahr, dem Leben Rhythmus geben, die Geschichte wiederholen, „ihr Geheimnis und ihre Weisheit.“ Geschichte selbst erleben.

Das wunderschön mit Ornamenten, Zeichnungen und Fotos illustrierte Buch ist ein Feuerwerk von Anregungen dazu. „Ein Neuanfang muss möglich sein“, wünscht sich Brudereck. Das gilt für den Sonntag, „dem Tag, der uns unterbricht, der dem Alltag ausweicht.“ Das gilt für den Anfang des Kirchenjahrs, dem Advent, mit dem die evangelische Theologin, Sängerin und Poetin geschichtsbewusst ihr Rituale-Buch beginnt. Sie erinnert an die Zeit „Zwischen den Jahren“ und die zwölf Raunächte, „eine Zeit zum Pläneschmieden“ und um Gott um Segen zu bitten. Sie spürt Rituale mit allen Sinnen auf, zum Beispiel die regelmäßigen Treffen zweier Freundinnen, die sich einmal monatlich an einem freien Nachmittag nicht für einen Kaffeeklatsch mit Tratsch treffen, sondern ihr persönliches Kaffeebohnen-Ritual zelebrieren: Zwei Tassen stehen auf dem Tisch, zwei Hände Kaffeebohnen dazu. Dann erzählen sie sich, was bitter war in den letzten vier Wochen für sie. Jede Bohne steht für einen Stressmoment. Dann wird der Tasseninhalt gemahlen, das Bittere verändert sich. Es ist nicht weg. Aber es kommt Zucker in den Kaffee. „Und sie danken auch für das, was süß ist in ihrem Leben, und wunderbar.“ Brudereck hat keine Berührungsängste und Scheu. In großer Feinfühligkeit formuliert sie zum Beispiel ein Ritual für die Trauer über eine Fehlgeburt: „Wir legen dich in den Schoß von Mutter Erde. Tragen dich weiter in unseren Herzen. Und vertrauen dich Gott an. Es gibt Gedenkplätze für dich. Du gehörst zu uns. Wir werden von dir erzählen.“ Brudereck regt dazu an, Tagebuch zu schreiben, zu beten, zum Beispiel im Sommer täglich die vier Elemente zu spüren, auf einer Wiese sich im Schneidersitz die nackten Füße zu streicheln, um barfuß zu pilgern „auf den Weg des Friedens.“ Eine große Vielfalt! Sie hat als evangelische Christin auch keine Scheu vor dem Sich-Bekreuzigen, oder den Namenstag zu feiern. So bunt der Reigen der alten und neuen Rituale auch sein mag, und auch das Buch erhebt dafür auch in keiner Weise einen Anspruch auf Vollständigkeit, so wichtig ist Brudereck der Geist, in dessen Dienst ihrer Meinung nach persönliche Rituale stehen sollten: „Barmherzigkeit möge im Mittelpunkt aller Rituale stehen.“ Denn eines ist für den gewiss, der sich von Brudereck zur eigenen Rituale-Entdeckungsreise neu inspirieren lässt: Gott lässt seine Sonne aufgehen (Mt 5,45). „Für alles gibt es eine Zeit“! Christina Bruderecks Buch ist eine liebevolle Einladung, achtsam und wachsam zu leben.

Gunnar Bach,

katholischer Theologe

und Seelsorger

aus Nentershausen

Foto: Gunnar Bach

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Walter Knieps: Warum erst jetzt ?!?!
  • K. Schmidt: Das "Sicherheitskonzept" überzeugt. Ein Polizeieinsatz, "geringe Anzahl" Rettungsdienst, keine Feuerwehr nötig. Im Haushaltsplan 2025 hatte Boppard 10.000 Euro für ein Sicherheitskonzept vorgesehen, in...
  • W. Harkort: Danke für diesen Kommentar. Gab es auch Einwendungen wegen seltener Ameisen? Irgendwann in naher Zukunft werden diese Leute ihre Entscheidung bereuen. Dann ist es aber zu spät.
Gesundheit im Blick
Maifest in Gönnersdorf
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Gesundheit im Blick
T-Roc & R-Line / Meckenheim
Empfohlene Artikel
Die Weinmajestäten von Altenahr, Rech und Dernau (von links) eröffneten gemeinsam mit Ingrid Näkel-Surges und Helmut Fischer (WeinKulturDorf Dernau e.V.) auf dem Dernauer Weinfestplatz den Weinfrühling Mittelahr. Fotos: DU
71

Dernau/Rech/Mayschoß/Altenahr. Was einst als „Dernauer Weinfrühling“ begann und am vergangenen Wochenende seine 17. Auflage erlebte, hat sich als erweitertes Gemeinschaftswerk der Mittelahr-Orte Dernau, Rech, Mayschoß und Altenahr längst auch als „Weinfrühling Mittelahr“ fest etabliert. Eben jener findet 2026 schon zum vierten Mal statt und ist ein unbestrittener Frequenzbringer, auch über die Mittelahr...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
114

Diez. Die Feuerwehren aus Diez, Altendiez und Heistenbach löschten den Brand zügig. Entgegen der ersten Meldungen kam es nicht zu einem Vollbrand des Mehrfamilienhauses oder einer einzelnen Wohnung. Das Feuer brach auf einem Balkon im Erdgeschoss aus, griff jedoch nicht direkt auf die Wohnung über.

Weiterlesen

Die „Koppelaner“ bedanken sich bei Magdalene und Ralf Ueberall, die die Kosten des Frühstücks gespendet haben.  Foto: Ralf Ueberall
12

Pflegesaison auf dem Koppel-Plateau eröffnet

Koppelaner starten in die neue Sommersaison

Rheinbreitbach. Seit vielen Jahren pflegen und reinigen die „Koppelaner“ das Koppel-Plateau und die umliegenden Fußwege „Weinbergsweg“ und „Unterm Heilig“. Die „Koppelaner“, eine ehrenamtliche Gruppe von 25 rüstigen Rentnern, trafen sich Anfang April und eröffneten voller Tatendrang und bei Sonnenschein auf dem Koppel-Plateau die Pflegesaison. Es wurden fleißig die Beete neu bepflanzt und alles herausgeputzt.

Weiterlesen

Ralf Schweiss
Imageanzeige
Hausmeister, bis auf Widerruf
Image Anzeige
Gesundheit im Blick
Maifest in Gönnersdorf
Maifest Gönnersdorf
Innovatives rund um Andernach
Gesundheit im Blick
Gesundheit im Blick
Innovatives rund um Andernach
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Pädagogische Fachkraft (w/m/d)
Maifest in Dedenbach
Anzeige KW 17