Neun Jugendliche pflanzen auf einer Kahlfläche im Dieblicher Gemeindewald klimastabile Laubbäume
Firmlinge pflanzen seltene Gehölze
Dieblich. Die Schöpfung in ihrer Vielfalt bewahren, mit natürlichen Ressourcen sorgsam haushalten — diese Gebote lassen sich auch aus dem christlichen Glauben ableiten. Für viele junge Christen an der Schwelle zum Erwachsensein hat eine Beschäftigung mit diesen Themen gerade in Zeiten des Klimawandels und globalen Artensterbens zentrale Bedeutung — so auch für neun Jugendliche der katholischen Pfarreiengemeinschaft Untermosel-Hunsrück in ihrer Vorbereitung auf die Firmung. Der Wunsch, sich dazu einen lokalen Gemeindewald und seine Bewirtschaftung anzuschauen, kam von den Jugendlichen selbst. In Zusammenarbeit mit dem Forstamt Koblenz wurde die Idee um eine Pflanzaktion erweitert, denn „grau ist alle Theorie“.
Beim Waldbegang in den Höhenlagen der Moselgemeinde Dieblich vermittelten die Förster Hermann Schneider, Forstrevier Untermosel, und Jörg Parschau, Funktionsförster Wald-Klima-Management im Forstamt Koblenz, den Firmlingen zunächst Grundlagenwissen über Waldgeschichte, Waldfunktionen und nachhaltige Waldbewirtschaftung. Aktuelle Herausforderungen wie der Klimawandel, hohe Wilddichten und eingeschleppte Schädlinge wurden thematisiert und Lösungsansätze diskutiert. Die Firmlinge beeindruckte vor allem die lange Kulturgeschichte des Dieblicher Gemeindewaldes, deren Spuren bis in die Römerzeit zurückreichen, sowie die generationenübergreifende Ausrichtung der heimischen Forstwirtschaft. Die Förster wiederum zeigten sich überrascht von der guten Artenkenntnis der Jugendlichen, die mühelos wichtige Baumarten wie Buche und Eiche, Fichte und Lärche identifizieren konnten — heutzutage keine Selbstverständlichkeit.
Anschließend wurde gepflanzt, auf einer im Zuge von Dürre und Borkenkäferfraß entstandenen Kahlfläche, wo Forstwirtschaftsmeister Michael Laux die Gruppe bereits mit frischem Pflanzgut und Pflanzgeräten erwartete. „Flächen wie diese werden in unserer Region schnell von dichtem Brombeerbewuchs vereinnahmt, was die natürliche Wiederbewaldung jahrzehntelang hinauszögern kann“, erklärt Förster Schneider. „Hier hat es Sinn, der Natur durch punktuelle Pflanzungen auf die Sprünge zu helfen. Die Fläche grenzt zudem an einen Waldweg. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, hier einen naturnahen, stufigen und für Mensch und Tier reizvollen Waldinnensaum zu schaffen.“
Die Firmgruppe ließ sich nicht lange bitten und pflanzte unter fachkundiger Anleitung der Forstleute parallel zum Weg eine bunte Mischung heimischer Waldrandgehölze: Kornelkirsche, Wildapfel, Elsbeere und Speierling — überwiegend wärmeliebende Laubgehölzarten, von denen man erwartet, dass sie mit dem Klimawandel besser zurechtkommen werden als die zuvor auf diesem Standort kultivierte Fichte, wie Klimaförster Parschau erläutert. „Da diese Arten in unserer flurbereinigten Kulturlandschaft zudem sehr selten geworden sind, kommt die Pflanzaktion auch unmittelbar der biologischen Vielfalt zugute.“
Die verbleibende Kahlfläche hinter dem frisch gepflanzten Saum wird laut Hermann Schneider noch in diesem Winter gruppenweise mit einer Mischung aus Traubeneiche und Esskastanie bepflanzt, wertvolle, standortgerechte Nutzbaumarten, die ebenfalls als klimawandelresilient gelten. „Zusammen werden diese Pflanzungen die Brombeervegetation relativ zügig durch Beschattung verdrängen. In den Zwischenfeldern kann dann Naturverjüngung aus den angrenzenden alten Mischbeständen auflaufen. So wird hier in absehbarer Zeit ein naturnaher, artenreicher und hoffentlich klimastabiler Mischwald entstehen.“ Der Erhalt der Schöpfung, zumindest im Dieblicher Gemeindewald, scheint er an diesem Tag ein Stück weit gesichert. Weitere Informationen zum Thema Wald unter www.koblenz.wald.rlp.de.
Pressemitteilung des Forstamtes Koblenz
Eine frisch gepflanzte Elsbeere wird mittels Wuchshülle gegen Wildverbiss, Konkurrenzvegetation und klimatische Extreme geschützt. Foto: Sonja Klein
Firmlinge und Betreuer mit Mitarbeitern von Landesforsten Rheinland-Pfalz bei der Pflanzaktion im Gemeindewald Dieblich: v.li. Rudolf Demerath (Pfarrgemeindereferent), Sonja Klein (Betreuerin), sechs von neun Firmlingen, Melanie Brüschke (Betreuerin), Förster Hermann Schneider, Forstwirtschaftsmeister Michael Laux und Förster Jörg Parschau. Foto: Lea Klein
