Wachtberg informiert über Wege aus der Gewalt
Flagge zeigen gegen Gewalt an Frauen
Informationsmaterial zu Hilfen und Prävention
Wachtberg-Berkum. Im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße gingen der stellvertretende Bürgermeister Paul Lägel und die Gleichstellungsbeauftragte Silvia Klemmer am 25. November.
Anlässlich des internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen verteilten sie Informationsmaterial zum Thema am Einkaufszentrum am Wachtbergring. Um Sprachbarrieren zu vermeiden, gab es die Informationshefte in Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch und Arabisch. In den Heften wird das Thema sensibel bearbeitet und klar gemacht, wo die Grenze zwischen normalem Streitgespräch und Gewalt verläuft. Frauen werden hier auch typische Situationen, in denen sich Gewaltpotenzial anbahnt, aufgezeigt. Solche Anbahnungen gilt es zu erkennen und – am Besten – zu vermeiden.
Spätestens, wenn ein Ausweichen nicht möglich ist oder sich Gewaltsituationen wiederholen, ist es an der Zeit, sich Hilfe von außen zu holen. Die Informationsschrift nennt die passenden Ansprechpartner und ihre Handlungsmöglichkeiten beim Namen und zeigt Wege in ein Leben ohne einen Gewalttäter im eigenen Alltag. So werden klar die Möglichkeiten eines Wohnungsverweises und des Rückkehrverbots aufgezeigt. Die Strukturen der Zusammenarbeit zwischen Polizei, Jugendamt, Opferschutz der Kreispolizei, den Frauenzentren Troisdorf und Bad Honnef sowie der Frauenhäuser verdeutlicht ein Schaubild knapp und klar. Auf diese Weise wird sehr deutlich: Frauen, die im Rhein-Sieg-Kreis Opfer von Gewalt wurden, werden hier nicht allein gelassen.
In vielen Köpfen unserer Zivilisation wird dieses Thema oft zur Seite geschoben. Dass es dennoch wichtig ist, zeigen die traurigen Zahlen der Fälle, die angezeigt werden. Aus Statistiken und Umfragen ist bekannt, dass rund 30% der Frauen bereits selbst von körperlicher oder gar sexueller Gewalt betroffen waren. Die Zahlen, die sich mit der Gewalt in der Partnerschaft beschäftigen, sind noch erschreckender. Hier ist es ein Viertel der Frauen, die mit Gewalt konfrontiert sind. Zudem haben bereits rund 60% der Frauen Situationen erlebt, in denen sie sexueller Belästigung ausgesetzt waren. Diese alarmierenden Zahlen gab das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben heraus. Die Zahl der Fälle im Rhein-Sieg-Kreis ist von 485 im Jahre 2013 auf 529 im Jahre 2015 angestiegen. Umso wichtiger, am Tag gegen Gewalt an Frauen ein Zeichen zu setzen und die Bevölkerung mit der Verteilaktion für das Thema zu sensibilisieren. Bei der Betrachtung der kalten Zahlen der Statistik ist zu beachten, dass es sich nur um Zahlen handelt, die aus angezeigten Taten oder aus Umfragen gewonnen wurden. Allerdings schweigen viele Opfer aus Scham oder aus Angst vor weiteren Repressalien. Deshalb war und ist dieses Thema eines, das besonderer Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft bedarf.
Ziel dieser Aktion ist es unter anderem, die Gesellschaft zu sensibilisieren für brisante Themen wie Gewalt an Frauen, Menschenrechte und Frauenrechte insgesamt, erklärt Paul Lägel. Auch Silvia Klemmer ist aus ihrer Berufspraxis klar, dass hier immer wieder Handlungsbedarf besteht. Der Kreis mache viel für die Frauen, sagt sie und verweist auf den runden Tisch gegen häusliche Gewalt im Rhein-Sieg-Kreis, der in regelmäßigen Abständen stattfindet.
