Allgemeine Berichte | 10.06.2017

Ökumenische Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr e.V.

Flüchtlinge flicken ihre Räder selbst

Fahrradwerkstatt für geflüchtete Menschen erfreut sich großer Beliebtheit

Vom Wrack zum Sportgerät - stolz präsentieren die beiden Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien das Produkt ihrer Arbeit. privat

Remagen. Remagen - Abdo und Elias (Namen von der Redaktion geändert) schrauben an ihren Fahrrädern. Zusätzlich helfen sie Alex, an dessen Fahrrad die Kette abgesprungen ist und versorgen an Torivans Bike die Reifen mit Luft. Aber der Reihe nach. Als Nachfolger des Projektes „bike wash“, das Studierende des RheinAhrCampus Remagen unter der Leitung von Dr. Laurent Borgmann 2016 durchgeführt hatten, betreibt die Ökumenische Flüchtlingshilfe RheinAhr e.V. (ÖFH) seit Mai an alter Stätte weiterhin eine Fahrradwerkstatt für geflüchtete Menschen. Das Projekt wird auch aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. So wird die ehemalige Autoelektrikwerkstatt Brumberg in der Grabenstraße zum internationalen Treffpunkt. Viele Flüchtlinge verfügen zwar über Fahrräder, die sie meist von Deutschen geschenkt bekommen haben, leider jedoch selten über Luftpumpen und fast nie über Reparaturwerkzeug. Und Kenntnisse und Erfahrungen im Schrauben konnten sie in der Regel auch noch nicht sammeln. So ist es kein Wunder, dass vor vielen Flüchtlings-Unterkünften neben den fahrbereiten Rädern viele Bikes mit mehr oder weniger großen Defekten herumstehen.

Manche sind reif für den Schrott, andere lassen sich aber noch reparieren. Hier setzt die Idee der Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge an. Sie bietet einen Arbeitsplatz, an dem Reparaturständer und Werkzeuge zur Verfügung stehen, um kleinere und größere Reparaturen in Eigenregie durchzuführen. Gern steht Lothar Scheffel mit Rat und Tat zur Seite, aber die eigentliche Arbeit machen die Flüchtlinge selbst. Dabei lernen sie, wenn sie das möchten, die vielen kleinen Handgriffe kennen, die nötig sind, um ein Rad funktionsfähig und verkehrssicher zu halten.

„Für fast alle Flüchtlinge ist das Fahrrad ein wichtiges und vor allem kostenloses Verkehrsmittel, das die Mobilität sichert. Dabei reicht es allerdings nicht, nur das Radfahren zu beherrschen, sie müssen auch die Pflege und Wartung durchführen können, damit das Rad immer zur Verfügung steht“, so Lothar Scheffel. Vom Reifen-Aufpumpen über das Beheben von Plattfüßen bis zum Instandsetzen von Defekten reicht die Arbeitspalette. Und wer geschickt und geduldig ist, kann sich sein Rad aus den Beständen der Werkstatt auch selbst zusammenbauen.

Abdo war stolz und froh, als er mit seinem giftgrünen BMX-Rad, das er als Wrack mit defekter Lenkung und ohne Bremsen übernommen hatte, die erste Proberunde drehen konnte. „Das möchte ich allein machen“, sagte er oft, wenn ihm Lothar Scheffel einen Reparaturschritt erklärt hatte. Mit den ersten kleinen Fachkenntnissen konnte er sogar schon anderen Flüchtlingen bei deren Radproblemen helfen. Ganz nebenbei entwickeln die Flüchtlinge durch die Gespräche in der Werkstatt ihre Sprachkenntnisse weiter und kommen in Kontakt zu deutschen Werkstattbesuchern. Ein langfristiges Ziel ist es durchaus auch, dass den Flüchtlingen in den Unterkünften Werkzeug und Material zur Verfügung steht. Aber bis dahin ist es noch ein etwas längerer Weg.

Wer die Arbeit des Projektes unterstützen möchte, kann mal in seinen Keller oder seine Garage schauen: Falls dort Fahrräder stehen, die seit längerer Zeit nicht benutzt wurden, können diese in der Grabenstraße 36 in Remagen abgegeben werden. Oder bei der Ökumenischen Flüchtlingshilfe RheinAhr e.V. unter Tel. (0 26 41) 3 02 95 55 melden. Wenn es die Zeit erlaubt, holen die Verantwortlichen auch mal ein Rad ab. Werkzeuge (Luftpumpen, Reifenheber, Schraubenschlüssel usw.) oder Material (Schläuche, Reifen, Flickzeug usw.) werden ebenfalls gerne entgegengenommen. Die Werkstattzeiten sind am Montag und Mittwoch von 14 bis 16.30 Uhr.

Vom Wrack zum Sportgerät - stolz präsentieren die beiden Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien das Produkt ihrer Arbeit. Foto: privat

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