BUND-Arbeitskreis Voreifel besuchte Campus KIein-Altendorf der Universität Bonn
Forschung zu nachwachsenden Rohstoffen am Campus Klein-Altendorf
Region. Elefantengras (Miscanthus), Paulownia (Blauglockenbaum), Silphie oder Sida: Diese und andere exotisch klingende Pflanzen werden im nahe Rheinbach gelegenen Außen-Forschungslabor der Universität Bonn auf ihre Eignung als nachwachsende Rohstoffe wissenschaftlich untersucht. Der BUND-Arbeitskreis Voreifel hatte zu Vortrag und Führung auf den Campus Klein-Altendorf eingeladen. Rund 25 Interessierte waren der Einladung gefolgt.
Professor Ralf Pude (wissenschaftlicher Leiter) und Christian Brünker (landwirtschaftlicher Betriebsleiter) stellten das landwirtschaftliche Außenlabor vor: Auf der 180 Hektar umfassenden Versuchsfläche mit 5000 qm Gewächshäusern werden jährlich über 100 Versuche zu Gartenbau und landwirtschaftlichen Fragestellungen durchgeführt und ausgewertet.
Nachhaltigkeit hat auf dem Campus überall Vorrang: So werden die Gebäude ausschließlich mit solargetrockneten Apfelholzschnitzeln gerodeter Apfelplantagen aus der Region beheizt. Auch ein wasserstoffbetriebener Traktor kommt zum Einsatz.
Schon lange wird in Klein-Altendorf anwendungsorientiert zur nachhaltigen Rohstofferzeugung geforscht.
Ackerbauliche Leitlinie ist dabei die Ackerbaustrategie 2035: weniger Dünger, mehr Pflanzenschutz, Züchtung und Anbau mehrjähriger Pflanzen und Digitalisierung.
Die Energiekrise infolge des Ukrainekrieges befeuert aktuell das Interesse an neuen Methoden der Energiegewinnung durch nachwachsende Rohstoffe.
Professor Pude und seine MitarbeiterInnen arbeiten u. a. mit Miscanthus, Paulownia und Silphie - Pflanzen die alle schnell wachsen und Masse bilden, dadurch viel CO2 binden und häufige Ernte garantieren; sowie sich für mehrjährige Kulturen eignen, was einige Vorteile hat: Stärkere Wurzelbildung, dadurch Verbesserung der Bodenstruktur und höhere Widerstandsfähigkeit gegen Trockenstress (längere Wurzeln erreichen noch feuchte Bodenschichten).
Der jährliche Bodenumbruch samt Neueinsaat entfällt, was den Boden schont und Kraftstoff spart.
Der Weg in die Praxis ist lang. Professor Pude zeigt sich enttäuscht, dass trotz zahlreicher Auszeichnungen für viele seit Jahren vorliegenden Erkenntnisse aus seiner Forschung ihre praktische Anwendung nur schleppend anläuft.
Deshalb geht die Universität Bonn mit gutem Beispiel voran: Auf dem Campus entstanden bereits ausschließlich auf Grundlage von Paulownia gebaute Gebäude.
Der Wissenschaftler begrüßt, dass Ex-Campus-Doktoranden ihr zukunftsweisendes Wissen über die Anwendung nachwachsender Rohstoffe als Multiplikatoren in ihre neuen Wirkungsstätten tragen. Viele arbeiten in Unternehmen der Region Rhein-Voreifel, vernetzen sich und fördern so zukunftsweisende Entwicklungen.
Klimawandel und Energiewende zwingen zu neuen, CO2-freien Lösungen der Energiegewinnung und zum sparsameren Umgang mit Ressourcen.
Die breite Anwendung nachwachsender Rohstoffe ist ein vielversprechender Ansatz - vorausgesetzt, die Auswirkungen des Anbaus auf hiesige Ökosysteme, ihre Biodiversität und den Wasserhaushalt werden beachtet und ernst genommen.
Blauglockenbäume und Co werden nicht „Bio“ angebaut. Es sind gewinnorientierte Baumplantagen, die mit optimalem Ertragsziel bewirtschaftet und beerntet werden. Pestizid- und Düngereinsatz mögen geringer als z.B. im intensiven Maisanbau sein, aber sie sind nötig.
Doch wie wirken sich die exotischen Nutzpflanzen langfristig auf hiesige Ökosysteme, ihre Artenvielfalt und den Wasserhaushalt aus? Treten neue Schädlinge auf? Gäbe es heimische Alternativen? Es besteht nach wie vor noch viel Forschungsbedarf.
Pressemitteilung
BUND-Arbeitskreis Voreifel
