Allgemeine Berichte | 26.10.2017

Lehrfahrt des Waldbauvereins Mayen-Koblenz nach Trippstadt

Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft bot Fülle an Informationen

Baumsteigervorführung durch Patrick Lemmen.privat

Mayen/Koblenz. Die diesjährige Lehrfahrt des Waldbauvereins Mayen-Koblenz e.V. führte zur Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft ( FAWF) nach Trippstadt. In den frühen Morgenstunden starteten 42 Waldbauern mit dem Reisebus nach Trippstadt zum Schloss, wo sie nach der Ankunft im Foyer vom Leiter der FAWF Hans-Peter Erhart begrüßt wurden. Im Anschluss an eine kurze Stärkung mit Kaffee wurden in der Aula des Schlosses zwei Vorträge gehalten. Hans-Peter Erhart berichtete über die „Waldforschung der FAWF in Rheinland-Pfalz“. Zunächst referierte er kurz zur Geschichte des 1764 erbauten Schlosses. 1865 begann die forstliche Tradition und 1984 wurde die Forschungsanstalt gegründet. Seit 2010 besteht im Antonihof ein Genressourcen-Zentrum. Zu den Aufgaben der FAWF gehören die Forschung und das Monitoring zur stetigen Optimierung aller Waldfunktionen (Ökosystemleistung), die Sicherung der Umwelt (Schutz des Bodens, des Wassers, des Klimas, der Tiere und der Pflanzen) durch Umweltmonitoring. Nach einer Schadenserhebung werden gezielt Gegenmaßnahmen erarbeitet, wie zum Beispiel Bodenschutzkalkungen.

Vielfältiger Aufgabenbereich des FAWF

Der wirtschaftliche Nutzen (Holzproduktion, Arbeitsplätze, Einkommen für Waldbesitzende) ist in Rheinland-Pfalz ein wichtiger Faktor mit fast 50.000 Beschäftigten in der Forst-Holz-Papier Branche. Auch die Verbesserung der Lebensqualität (Naturerlebnis, Freizeit und Sport) gehört zu den Aufgabenbereichen der FAWF. Ebenso kümmert sich die FAWF um Naturwaldreservate und ist am Forschungsprojekt zur Luchsauswilderung im Pfälzerwald beteiligt.

Danach folgte der Vortrag zu den „Risiken und Chancen unserer Baumarten im Klimawandel“ von Dr. Ulrich Matthes, dem Leiter des Kompetenzzentrums für Klimawandel der FAWF. 2016 war das wärmste Jahr seit der Temperaturaufzeichnung weltweit. In den letzten 30 Jahren erfuhr Rheinland-Pfalz einen stetigen Temperaturanstieg, wobei sich der Vegetationszeitraum der Bäume verlängert hat und eine Zunahme von extremen Wetterverhältnissen zu verzeichnen ist. Für die Fichte wird es tendenziell zu warm und zu trocken. Die Douglasie hingegen kommt mit dem Klimawandel deutlich besser zurecht. Bei den Nebenbaumarten ist die Weißtanne gut geeignet. Nähere Infos findet man auf www.klimawandel-rlp.de und www.kwis-rlp.de .

Pfropfung als Samengewinnung

Nach einer Stärkung im historischen Gasthaus „Zum Schwan“, dem ältesten 1726 erbautem Gasthaus im Pfälzerwald, ging es weiter zum praktischen Teil im Antonihof, dem Genressourcenzentrum der FAWF. Der Antonihof beheimatet zwei Institute, die Samenklenge und das Gewächshaus, in dem Pfropfungen durchgeführt werden. Patrick Lemmen erläuterte den Waldbauern zunächst anschaulich, wie die Samengewinnung bei verschiedenen Baumarten erfolgt. Bei den Laubbaumarten werden Netze in die Bestände ausgelegt, die Nadelbäume werden mittels Steiger beerntet. Patrick Lemmen demonstrierte an einer etwa 350 Jahre alten Eiche den Aufstieg mittels Klettergurt und Kletterseil in die luftigen Höhen. Danach erhielt die einen Einblick in die Saatgutaufbereitung. Im Antonihof werden durchschnittlich 20-30 Tonnen Saatgut aufbereitet. Im Jahr 2017 waren es sogar 35 Tonnen. Gepflückte Zapfen müssen noch circa zwei Monate nachreifen. Dann werden die Samen in Trommeln gereinigt, entflügelt, getrocknet und bei -5°C eingelagert, um die Keimhemmung zu erhalten. Im Institut befindet sich eine Genbank mit bis zu drei Tonnen Saatgut. Patrick Lemmen erläuterte am Beispiel des Ulmensterbens, wie wichtig es ist, Saatgut einzulagern. Denn so kann die genetische Vielfalt erhalten bleiben. Eicheln sind nur ein Jahr lagerfähig, wobei Robiniensamen bis zu 100 Jahre überleben können. Grundsätzlich gilt, je kleiner der Samen, desto besser ist die Lagerfähigkeit.

Danach wurde das Gewächshaus besucht, wo Patrick Lemmen die vegetative Vermehrung durch Pfropfung erklärte. Durch die Pfropfung kann man im Waldbau einen erheblichen Zeitvorsprung erlangen. Eichen etwa brauchen fast 30-40 Jahre, bis sie ihre erste Saat tragen. Durch das Pfropfen erreicht man dies bereits nach zwei Jahren. Der Wettergott meinte es gut, und so konnte auch die sehr informative Nachmittagsveranstaltung erfolgreich abgeschlossen werden.

Gepfropfte Eichen im Gewächshaus des Antonihofes.

Gepfropfte Eichen im Gewächshaus des Antonihofes.

Baumsteigervorführung durch Patrick Lemmen.Fotos: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Imageanzeige
Lampionfest in Weißenthurm
Innovatives rund um Andernach
Auszubildende:r im Bereich Fachkraft für Veranstaltungstechnik
vermisste Brille
Anzeige Fahrzeugsegnung
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0366#
Empfohlene Artikel
Der voll besetzte Marktplatz. Fotos: DU
37

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Obwohl er heuer schon in die 5. Runde geht, war der „Musiksommer Ahrweiler“ noch Ende Mai akut in Gefahr. Durch den relativ kurzfristigen Rückzug einer Sponsorenzusage, war dem beliebten Musikevent, das überdies nicht unerheblich zur Innenstadtbelebung beiträgt, eine wichtige Finanzierungssäule von rund 20.000 Euro weggebrochen. Doch dank des Engagements bestehender und neuer...

Weiterlesen

Laura Epstein (Mitte) wird neue Mayschoßer Weinkönigin, Eva Kirsch wird als Weinprinzessin amtieren. Rechts Mirco Burkardt (stellv. Vorsitzender WG Mayschoß-Altenahr). Foto: DU
31

Mayschoß. Zwei Wochen nachdem in Altenahr die zukünftigen Weinmajestäten verkündet wurden, zog mit Mayschoß am vergangenen Wochenende ein weiterer Mittelahr-Ort in Sachen Weinmonarchie nach: kommende Weinkönigin des Jahres 2026/27 wird Laura Epstein! Durch ihren Freund, der aus einer Mayschoßer Winzerfamilie stammt, ist die 25-jährige Musikerin eng mit dem Wein und dessen Anbau vertraut, schon oft packte sie im Weinberg tatkräftig mit an.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Aufgrund eines Ladendiebstahls fahndet die Polizei nach dem Verdächtigen.
458

Hochpreisiges Parfüm gestohlen

Bonn: Polizei fahndet nach Ladendieb

Bonn. Fahndung nach einem mutmaßlichen Ladendieb in Bonn: Das Kriminalkommissariat 15 der Bonner Polizei hat eine öffentliche Suche nach einem Verdächtigen eingeleitet, der im Verdacht steht, am 12. März 2026 ein teures Parfüm aus einer Parfümerie in der Bonner Innenstadt gestohlen zu haben.

Weiterlesen

Foto: Polizei
8056

Die Gesuchten sollen einen 24-Jährigen bewusstlos geprügelt haben:

22.06.: Fahndung: Wer kennt diese Männer?

Köln. Die Kriminalpolizei Köln fahndet mit Bildern von Zeugen nach zwei Männern, die am 12. Februar (Weiberfastnacht) einen 24-Jährigen angegriffen und schwer am Kopf verletzt haben sollen.

Weiterlesen

Bei der symbolischen Durchschneidung des „Roten Bandes“.  Foto: WTE
2032

Ahrtal/Marienthal. Groß war der Andrang bei der offiziellen Einweihung des neuen Radweges zwischen Walporzheim und Mayschoß oberhalb von Marienthal auf dem Gelände der Firma Weiss. Stefan Schmitt, Leiter des Projektbüros „Wiederaufbau Ahrtal“ Landesbetrieb Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz, konnte hierzu - neben zahlreichen Offiziellen - viele Radfahrer/Inen sowie etliche Mandaträger/Innen und Radfahrgruppen,...

Weiterlesen