Lehrfahrt des Waldbauvereins Mayen-Koblenz nach Trippstadt
Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft bot Fülle an Informationen
Mayen/Koblenz. Die diesjährige Lehrfahrt des Waldbauvereins Mayen-Koblenz e.V. führte zur Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft ( FAWF) nach Trippstadt. In den frühen Morgenstunden starteten 42 Waldbauern mit dem Reisebus nach Trippstadt zum Schloss, wo sie nach der Ankunft im Foyer vom Leiter der FAWF Hans-Peter Erhart begrüßt wurden. Im Anschluss an eine kurze Stärkung mit Kaffee wurden in der Aula des Schlosses zwei Vorträge gehalten. Hans-Peter Erhart berichtete über die „Waldforschung der FAWF in Rheinland-Pfalz“. Zunächst referierte er kurz zur Geschichte des 1764 erbauten Schlosses. 1865 begann die forstliche Tradition und 1984 wurde die Forschungsanstalt gegründet. Seit 2010 besteht im Antonihof ein Genressourcen-Zentrum. Zu den Aufgaben der FAWF gehören die Forschung und das Monitoring zur stetigen Optimierung aller Waldfunktionen (Ökosystemleistung), die Sicherung der Umwelt (Schutz des Bodens, des Wassers, des Klimas, der Tiere und der Pflanzen) durch Umweltmonitoring. Nach einer Schadenserhebung werden gezielt Gegenmaßnahmen erarbeitet, wie zum Beispiel Bodenschutzkalkungen.
Vielfältiger Aufgabenbereich des FAWF
Der wirtschaftliche Nutzen (Holzproduktion, Arbeitsplätze, Einkommen für Waldbesitzende) ist in Rheinland-Pfalz ein wichtiger Faktor mit fast 50.000 Beschäftigten in der Forst-Holz-Papier Branche. Auch die Verbesserung der Lebensqualität (Naturerlebnis, Freizeit und Sport) gehört zu den Aufgabenbereichen der FAWF. Ebenso kümmert sich die FAWF um Naturwaldreservate und ist am Forschungsprojekt zur Luchsauswilderung im Pfälzerwald beteiligt.
Danach folgte der Vortrag zu den „Risiken und Chancen unserer Baumarten im Klimawandel“ von Dr. Ulrich Matthes, dem Leiter des Kompetenzzentrums für Klimawandel der FAWF. 2016 war das wärmste Jahr seit der Temperaturaufzeichnung weltweit. In den letzten 30 Jahren erfuhr Rheinland-Pfalz einen stetigen Temperaturanstieg, wobei sich der Vegetationszeitraum der Bäume verlängert hat und eine Zunahme von extremen Wetterverhältnissen zu verzeichnen ist. Für die Fichte wird es tendenziell zu warm und zu trocken. Die Douglasie hingegen kommt mit dem Klimawandel deutlich besser zurecht. Bei den Nebenbaumarten ist die Weißtanne gut geeignet. Nähere Infos findet man auf www.klimawandel-rlp.de und www.kwis-rlp.de .
Pfropfung als Samengewinnung
Nach einer Stärkung im historischen Gasthaus „Zum Schwan“, dem ältesten 1726 erbautem Gasthaus im Pfälzerwald, ging es weiter zum praktischen Teil im Antonihof, dem Genressourcenzentrum der FAWF. Der Antonihof beheimatet zwei Institute, die Samenklenge und das Gewächshaus, in dem Pfropfungen durchgeführt werden. Patrick Lemmen erläuterte den Waldbauern zunächst anschaulich, wie die Samengewinnung bei verschiedenen Baumarten erfolgt. Bei den Laubbaumarten werden Netze in die Bestände ausgelegt, die Nadelbäume werden mittels Steiger beerntet. Patrick Lemmen demonstrierte an einer etwa 350 Jahre alten Eiche den Aufstieg mittels Klettergurt und Kletterseil in die luftigen Höhen. Danach erhielt die einen Einblick in die Saatgutaufbereitung. Im Antonihof werden durchschnittlich 20-30 Tonnen Saatgut aufbereitet. Im Jahr 2017 waren es sogar 35 Tonnen. Gepflückte Zapfen müssen noch circa zwei Monate nachreifen. Dann werden die Samen in Trommeln gereinigt, entflügelt, getrocknet und bei -5°C eingelagert, um die Keimhemmung zu erhalten. Im Institut befindet sich eine Genbank mit bis zu drei Tonnen Saatgut. Patrick Lemmen erläuterte am Beispiel des Ulmensterbens, wie wichtig es ist, Saatgut einzulagern. Denn so kann die genetische Vielfalt erhalten bleiben. Eicheln sind nur ein Jahr lagerfähig, wobei Robiniensamen bis zu 100 Jahre überleben können. Grundsätzlich gilt, je kleiner der Samen, desto besser ist die Lagerfähigkeit.
Danach wurde das Gewächshaus besucht, wo Patrick Lemmen die vegetative Vermehrung durch Pfropfung erklärte. Durch die Pfropfung kann man im Waldbau einen erheblichen Zeitvorsprung erlangen. Eichen etwa brauchen fast 30-40 Jahre, bis sie ihre erste Saat tragen. Durch das Pfropfen erreicht man dies bereits nach zwei Jahren. Der Wettergott meinte es gut, und so konnte auch die sehr informative Nachmittagsveranstaltung erfolgreich abgeschlossen werden.
Gepfropfte Eichen im Gewächshaus des Antonihofes.
