Zentrale Gedenkfeier des Kreises Ahrweiler auf dem Ehrenfriedhof in Bad Bodendorf
Frieden ist keine Selbstverständlichkeit
Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mit bemerkenswerter Ansprache
Bad Bodendorf. Die zentrale Gedenkfeier des Kreises Ahrweiler zum Volkstrauertag auf dem Ehrenfriedhof in Bad Bodendorf hat eine lange Tradition. Der Frieden, der seit nunmehr 74 Jahren in Deutschland herrscht, sei keine Selbstverständlichkeit. Dies war einer der Kernsätze aus der Gedenkrede von Angelika Nußberger bei dieser zentralen Veranstaltung. Die Hauptrednerin der Feier ist Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im französischen Straßburg und Direktorin des Instituts für osteuropäisches Recht und Rechtsvergleichung an der juristischen Fakultät der Uni Köln.
Sie sprach dabei die durchaus ungerechte Verteilung des Guts „Frieden“ über die Generationen hinweg an. Jene Deutsche, die um die Wende zum 20. Jahrhundert das Licht der Welt erblickten, hätten als Kinder den Ersten Weltkrieg und dann als Erwachsene die Schrecken des Zweiten Weltkriegs miterlebt. Die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland Geborenen seien dagegen „Kinder des Friedens“, die Kriege eigentlich nur aus den Medien kennen.
„Wir wissen nicht mehr wirklich, was Krieg bedeutet“, sagte Nußberger. „Angst, Gewalt und unermessliches Leid.“ So sei der Begriff Frieden für die nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Deutschen aber auch ein abstrakter Begriff. Der entspringe weniger der Sehnsucht oder einem tief empfundenen Wunsch, sondern werde vielmehr als pure Selbstverständlichkeit wahrgenommen.
Teilnehmer an der Gedenkfeier waren Mitglieder des Kreistags, des Sinziger Stadtrats und des Ortsbeirats Bad Bodendorf sowie die Bürgermeister Björn Ingendahl (Remagen) und Andreas Geron (Sinzig). Die evangelische Pfarrerin Kerstin Laubmann und ihr katholischer Kollege, Dechant Frank Klupsch, sprachen die Eingangsworte und das Schlussgebet. Ebenfalls zugegen waren Vertreter von Landesregierung, Bundeswehr, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Sozialverband VdK, die auch Trauerkränze niederlegten. Für die musikalische Umrahmung der würdigen Gedenkfeier sorgten der Posaunenchor Bad Neuenahr unter der Leitung von Pfarrer Rüdiger Stiehl sowie die Chorgemeinschaft aus Bad Bodendorf und Sinzig sowie der Westumer Männergesangverein.
Der Kreisbeigeordnete Horst Gies erinnerte in Vertretung von Landrat Dr. Jürgen Pföhler daran, dass sich der Beginn des Zweiten Weltkriegs im Jahr 2019 zum 80. Mal jährte. Die über 1000 Soldatengräber in Bad Bodendorf stünden stellvertretend für das unfassbare Leid und die Zerstörung, die die beiden Weltkriege verursacht haben. Gies erinnerte aber auch daran, dass die friedlichen Zeiten in Europa keineswegs weltweit gelten würden. Denn auf der Welt gibt es zur Zeit 220 bewaffnete Konflikte, mehr als 68 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Nußberger zitierte wiederholt Carl Friedrich von Weizsäcker und dessen Kernsatz „Lernen sie miteinander zu leben – nicht gegeneinander.“ Das Erinnern an die Schrecken des Kriegs, aber auch den Willen, den Frieden zu verteidigen, waren zentrale Leitmotive der Veranstaltung in Bad Bodendorf. BL
Vertreter der Bundeswehr kamen ebenfalls der Einladung. Foto: Fotograf Ralf Schuhmann
Auf dem Ehrenfriedhof in Bad Bodendorf fand die zentrale Gedenkfeier statt. Foto: Fotograf Ralf Schuhmann
