Rathauserstürmung in Rheinbach
Für drei Tage in der Macht der Narren
Rheinbach. Ja, die Tollitäten haben es schwer. Nach der mühsamen, aber erfolgreichen Erstürmung der Tomburg-Kaserne stand nun einen Tag später der Sturm auf das Rheinbacher Rathaus an. Pünktlich um 11.11 Uhr marschierten die Stadtsoldaten als Vorhut mit schwerer Kanone auf den Rathausvorplatz und bezogen Stellung. Ihnen folgten die Karnevalsgesellschaften, Prinzenpaare, Kinderprinzessin und das Kinderprinzenpaar. Sie wurden von den Verteidigern des Rathauses, insbesondere von Bürgermeister Stefan Raetz, allesamt gebührend empfangen. Ratsmitglieder und Verwaltung hatten sich gut auf die bevorstehende Machtübergabe an die kleinen und großen Tollitäten vorbereitet. Die erste Überraschung gab es, als Prinz Heiko I. bereits beim Aufmarsch auf den Rathausvorplatz stolz den goldenen Schlüssel zum Rathaus schwenkte. Nach einem längeren Bombardement mit Kamelle für die Kleinen wurde es dem Kommandanten des Stadtsoldatencorps doch ein bisschen zu viel. Er hatte Angst, dass die Steuern steigen werden, wenn noch mehr Kamelle fliegen. Aber der Bürgermeister beruhigte und sagte, dass die Kamelle alle freiwillige Leistungen seien. „Das Brauchtum ist für uns Pflichtaufgabe“, so der Bürgermeister. „Ja, das könnt ihr am besten: Mit vollen Händen das ausgeben, was euch nicht gehört!“, konterte Willi Hohn. Er machte auch gleich einen Vorschlag für den nächsten Veilchendienstagszug: Alle, die jetzt auf dem Rathausbalkon stünden, sollten dann auch beim nächsten Zug dabei sein, natürlich gegen ein Entgelt. „Das wäre schön“, rief Willi Hohn. Nachdem das Wortgefecht zwischen den Belagerern und den Verteidigern unentschieden zu Ende ging, hieß es für alle Tollitäten: Aufstellung zum Tanz. Im Dreivierteltakt bewegten sich die Majestäten, und die Zuschauer schunkelten mit. Während der ganzen Tanzerei hatte das Kernstadtprinzenpaar Heiko I. und Sandra I. sich unbemerkt von allen Richtung Rathaustür „davongetanzt“. Aber der Plan ging zunächst nicht auf, denn die Tür war verschlossen, und der schöne Schlüssel schien nicht zu passen. Mit allen Kräften versuchte man, die Tür zu öffnen - vergebens. Lediglich Hohnrufe vom Rathausbalkon waren zu vernehmen. Schließlich hatte Prinz Bernd I. aus Oberdrees die rettende Idee und bat seine Prinzessin Hilde I., auf den Vorplatz zu gehen, um die Verteidiger zu bitten, die Tür zu öffnen, da sie ein dringendes „menschliches Bedürfnis“ hätte. Nun endlich wurde die Tür geöffnet, und die Tollitäten stürmten den Balkon des Rathauses. Dann erfüllte der Bürgermeister noch ein offenes Gebot des Kernstadt-Kinderprinzenpaares. Er las sein selbst verfasstes Gedicht „Auf Rheinbach“ vor und erntete viel Applaus dafür. „Aber verloren hast du trotzdem“, meinte trocken Kinderprinz Felix nach dem Vortrag des Bürgermeisters. Sein Gedicht ist eine „Liebeserklärung“ an die schöne Stadt Rheinbach und hat das Zeug dazu, zum Lied vertont zu werden. Vielleicht erfüllt der Landsturm diese Bitte des Kommandanten des Stadtsoldatencorps. Der Rathaussturm endete dann im geselligen Zusammensein bei einem leckeren Kölsch und zünftiger Karnevalsmusik im Foyer des Rathauses.
Eingekreist von Tollitäten, Karnevalisten und vor einer bedrohlichen Kanone der Stadtsoldaten, blieb den Verteidigern des Rheinbacher Rathauses am Ende nur die Kapitulation.Fotos: Stein
Siegesbewusst sind die Tollitäten auf dem Vorplatz des Rathauses eingetroffen, denn Prinz Heiko I. (1.v. li.) hatte schon den Schlüssel zum Rathaus dabei.
Bürgermeister Stefan Raetz (3.v. re.) erfüllt ein Gebot des Kinderprinzenpaares und trägt sein selbstverfasstes Gedicht vor. Hier liest Kinderprinzessin Fenya I. das Gebot vor.
