Allgemeine Berichte | 09.10.2019

Mit Handy oder Tablet nicht im „Hier und Jetzt“, sondern im Zewa-Wisch und Weg“

Gedankenexperimente und eine schonungslose Zeitanalyse

Politkabarettist HG Butzko unterhielt mit seinem Programm „Echt jetzt“

Der Politkabarettist unterhielt das Publikum in Remagen mit seiner Show. Foto: AB

Remagen. Einen schonungslosen Rundumschlag über die Themen Ost und West, Europa und USA, Merkel und Trump sowie vieles mehr und das ganze im Vergleich zwischen 1997 und heute lieferte der Politkabarettist Hans-Günter Butzko einem knapp 300-köpfigen Publikum. In rasantem Durchgang, sodass die Fans schon ganz schön aufpassen mussten, nahm Butzko allerhand unter die Lupe. Und dies tat er mit scharfer Zunge, da blieb der Brüller den Fans hie und da eher im Hals stecken. Dennoch sorgte er an der ein oder anderen Stelle in seinem Programm „Echt jetzt“ für herzhafte Lacher. Einen kurzen Gag gab es über Donald Trump. Gemeinsam mit Gerhard Schröder sei er die Zäpfchenpackung in Putins Allerwertestem. Doch noch einmal werde er Trump in seinem Programm nicht erwähnen. Dafür sei es ihm zu schade. Sei Amerika 1997 noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewesen, so sei es heute das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten. Das nächste Schlagwort von Butzko war Patriot. Ein Patriot sei eine Luftabwehrrakete. Im Unterschied zu den Blödbirnen der Nation, der Pegida, habe die Luftabwehrrakete einen intelligenten Kopf. Was diese Rechtspopulisten über Integration schwätzen würden, sei einfach nur Blödsinn. „Sind die schon mal dabei gewesen, wenn ein Ostfriese versucht hat, sich in Bayern zu integrieren“, fragte Butzko. Die Sprache sei nun mal anders, auch innerhalb von Deutschland. So wie ein Gelsenkirchener sage „Hallo, du Arsch“ und meine „Hallo, mein Freund“, sage ein Düsseldorfer „Hallo mein Freund“ und meine „Hallo, du Arsch“. Lediglich der Kölner sage „Hallo, mein Freund“ und meine es auch so. Auch seiner Meinung über die Protestwähler ließ er freien Lauf.

Aus diesem Grund AfD zu wählen, sei wie in einer Kneipe an der Klobürste zu lutschen, nur weil einem das Bier nicht schmecke.

Das Programm von Butzko „echt jetzt“ getreu dem Motto: „logisch statt ideologisch“ ist eine brüllend komische und bisweilen besinnliche Mischung aus schonungsloser Zeitanalyse, Infotainment, schnoddrigen Gags, Frontalunterricht und pointierter Nachdenklichkeit, mit der Butzko einen ganz eigenen, preisgekrönten Stil entwickelt hat, und dabei die großen Zusammenhänge so beleuchtet, als würden sie „umme Ecke im Stammlokal“ stattfinden. Die Schnelllebigkeit anhand von Internet und Co mache Butzko so klar. Vor 20 Jahren noch sei das Internet so schnell gewesen, wie wenn Sebastian Vettel heute auf einem Sitzrasenmäher an einem Formel-1-Rennen teilnehmen würde. Den jüngeren Leuten erläuterte Butzko auch das Faxen. Das sei wie heute WhatsApp, nur auf Papier. In einem seien sich Wissenschaft und Religion einig. Der Mensch lebt nur im „Hier und Jetzt“. Zudem seien sie sich darin einig. Wenn der Mensch an Smartphone oder Tablet herumfummele, sei er nicht im „Hier und Jetzt“, sondern im „Zewa Wisch und Weg“. So riet er dem Publikum, doch eher mal im „Jetzt“ zu bleiben.

Zum Thema Rassismus, auch wenn es anscheinend keine Rassisten gebe, sprach Butzko von den eher unbewussten Vorurteilen, von denen sich keiner freisprechen könne. Diese unbewussten Vorurteile würden bis in die Sprache hinein reichen. Sonst könne es Begriffe wie „Frauenfußballmannschaft“ oder „herrenloses Damenfahrrad“, die die männliche Dominanz deutlich zeigen würden, wohl kaum geben. Von „Muttersprache“ werde wohl nur gesprochen, „weil Papi nichts zu sage hat“. Der Mann an sich habe es schwer, der Frau zuzuhören. Das ermüde ihn rasch. Auch die Kanzlerin bekam deutlich ihr Fett weg. Seit zwölf Jahren rede sie so viel Unsinn, dass Kohl sich schon vor seinem Tod im Grab herumgedreht hätte. Letztlich zweifelte Butzko auch dank des immer noch vorhandenen Gefälles bei Löhnen, Renten, etc, an der Deutschen Einheit, dem Zusammenschluss von „Ossis und Wessis“. Das letzte Bauwerk, das auf deutschem Boden funktioniert habe, man denke nur an den Berliner Flughafen und den Stuttgarter Bahnhof, sei die Mauer gewesen.

Eine ganze Reihe von Themen brachte Butzko auf den Punkt, klar und deutlich. Dem Publikum gefiel es, mal heiter und applaudierend, mal nachdenklich.

AB

Der Politkabarettist unterhielt das Publikum in Remagen mit seiner Show. Foto: AB

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