Allgemeine Berichte | 16.03.2021

Institut für Prävention und Aufarbeitung (IPA)

Geleitet von der Vision, dass Kinder und Jugendliche heute geschützt sind

IPA: Mary Hallay-Witte steht für Grundlagenarbeit in Prävention und Aufarbeitung

Mary Hallay-Witte. Foto: privat

Lantershofen. „Was ist hier los?“ Diese Frage hat sie sich gestellt, als sie 2008 im Rahmen eines pastoralen Austauschs in Chicago zu Besuch war, erinnert sich Mary Hallay-Witte.

Es ging unter anderem um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, und Hallay-Witte dachte, dass dieses Thema „bei uns ganz weit weg ist“. Dass das Thema die gesamte Weltkirche betrifft, ist heute klar.

Die Frage ist für die 50-jährige Diplom-Religionspädagogin dennoch geblieben – und sie arbeitet aktiv an der Beantwortung mit: Hallay-Witte leitet seit dem 15. Februar das Institut für Prävention und Aufarbeitung (IPA) in Lantershofen und steht für einen differenzierten und wissenschaftlich fundierten Blick auf die Themenfelder Prävention und Aufarbeitung.

2010 macht Hallay-Witte eine Fortbildung zur systemischen Familientherapeutin, zu der auch der Austausch mit der unabhängigen Beauftragten für Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt im Erzbistum Hamburg gehörte. So kommt sie erneut mit dem Thema in Verbindung und erkennt für sich, dass sie sich genau an dieser Stelle in der Kirche beruflich engagieren will. Sie beginnt mit dem Aufbau der Fachstelle Kinder- und Jugendschutz im Erzbistum.

„Wir hatten uns mit dem Thema noch nicht wirklich befasst, und es ging auch ein bisschen darum, das thematische Chaos zu bändigen“, erinnert sich Hallay-Witte. Fast neun Jahre leitet sie die Fachstelle, macht sich auch schnell bundesweit einen Namen, etwa als Sprecherin der Präventionsbeauftragten der deutschen Bistümer.

Doch nach den vielen Jahren der Pionierarbeit hat sie das Gefühl, eine Pause zu brauchen, und wechselt 2019 auf die Seite der Wissenschaft an die Medical School Hamburg. „Und da habe ich gemerkt: Ich will mich weiter im Feld der Prävention und Aufarbeitung engagieren, aber an einer anderen Stelle. Nicht mehr im diözesanen Kontext, sondern ich will an der Seite der Kirche Grundlagenarbeit machen.“

Ein gesamtgesellschaftliches Thema muss raus „aus der Schmuddelecke“

Da kommt der Ruf als Referentin ans IPA gerade recht. Der Trierer Bischof und Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im Raum der Kirche und für Kinder- und Jugendschutz, Dr. Stephan Ackermann, hatte das IPA 2019 gründet. Das Institut will Partner für Institutionen und Gruppen sein, die zunehmenden Erkenntnisse im Bereich von Aufarbeitung und Prävention systematisieren, die Player vernetzen und in den Austausch bringen. „Mich leitet die Vision, dass wir aus der Vergangenheit lernen und Kinder und Jugendliche deshalb heute besser geschützt sind, damit Institutionen wie die Kirche zu sicheren Orten werden“, sagt Hallay-Witte. Dass viele dieses Thema als erschreckend und unangenehm empfinden, kann sie nachvollziehen. Aber ihr ist es wichtig, dass es als gesamtgesellschaftliches Thema heraus kommt „aus der Schmuddelecke“. Das ist ihr so wichtig, dass sie für ihren Job derzeit zwischen ihrer Heimat an der Ostseeküste und dem rheinland-pfälzischen Lantershofen an der Ahr pendelt. Als die Leitung des IPA Ende 2020 neu zu besetzen ist, ist ihr klar, dass sie sich bewerben will. Ihr Mann und ihre beiden erwachsenen Töchter unterstützen sie „respektvoll und stolz“ in ihrer Arbeit, erzählt die Halb-Irin, die zum Abschalten „paddelt. Oder paddelt. Oder paddelt.“ Mit dem Kajak auf dem Wasser oder auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad in der Natur unterwegs zu sein, gibt ihr Kraft.

Ziel: Wirksamer Beitrag zum gesamtgesellschaftlichen Diskurs

Und Kraft braucht man, wenn man in diesem Themenfeld arbeitet. Noch ist das IPA ein Zwei-Frauen-Betrieb. Doch mit der Gründung eines Trägervereins und der finanziellen Unabhängigkeit, die durch eine Familienstiftung gewährleistet ist, will Hallay-Witte das IPA jetzt weiterentwickeln und ausbauen. Projektbegleitung, etwa beim Erstellen von institutionellen Schutzkonzepten oder die Identifizierung von Forschungsfragen stehen ganz oben auf Agenda. Gerne will Hallay-Witte einen „kleinen, aber wirksamen Mitarbeitenden-Stamm“ aufbauen. „Wenn ich in fünf Jahren sagen kann: Die Arbeit des IPA hat Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs, dieses Netzwerk leistet einen gesamtgesellschaftlich wirksamen Beitrag zu Prävention und Aufarbeitung, dann bin ich fürs Erste zufrieden.“ Fürs Erste – denn der differenzierte Blick auf die Frage „Was ist da los?“ werde noch lange nötig sein.

Mary Hallay-Witte. Foto: privat

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