Rathausverein Oberwinter
Gelungene Exkursion nach Erpel
Oberwinter. Trotz des ungemütlichen Wetters fanden 30 Mitglieder und Freunde des Rathausvereins den Weg zum Neutor in Erpel, um sich der Führung von Edgar Neustein, dem ehemaligen Bürgermeister von Erpel, anzuvertrauen. Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte des Ortes, lud er die Besucher ein, mit ihm das 1420 erbaute Neutor zu besichtigen. Das alte Stadttor befand sich, vor allem im Inneren des Turmes, in einem bedauernswerten Zustand, die Balkendecken waren zusammen gefallen und Generationen von Tauben hatten ihre Ausscheidungen hinterlassen. Vor etlichen Jahren begannen zahlreiche ehrenamtliche Helfer in vielen Arbeitsstunden mit der Restaurierung des Bauwerks. Dabei wurde auch im Detail ganze Arbeit geleistet, was unter anderem an der liebevoll hergerichteten Abortanlage des Turmes - alles Gute kommt von oben - zu besichtigen ist. Heute wird im Neutor über vier Etagen in einer Sammlung von Werkzeugen und Gebrauchsgegenständen lebendige Ortsgeschichte präsentiert. Eine kleine Rarität in dieser Sammlung ist eine Selbstschussanlage gegen Wühlmäuse. In den oberen Etagen konnten die Besucher sich einen Eindruck von der Aufgabe eines Türmers machen, für den der Turm Wohnung und Arbeitsstätte zugleich war. Neben dem Ausguck nach marodierenden Truppen hatte er die viel wichtigere Aufgabe, von dort Brandwache zu halten und ggf. die Bürger zu alarmieren.
Hexenprozesse im 17. Jh.
Aber der Turm war im 17. Jahrhundert auch Schauplatz denkwürdiger Ereignisse, das waren die Hexenprozesse von Erpel, unter anderem gegen Anna Katharina Spee. Wenn Mauern erzählen könnten! Das übernahm für die Besucher Edgar Neustein, der mit viel Herzblut und fundiertem Wissen die historischen Zusammenhänge darstellte. Da es etwas länger dauerte, bis 26 Personen über steile Stiegen in vier Etagen alles gesehen hatten, ging es dann eiligen Schrittes zur Kirche St. Severinus, die 1230 erbaut wurde. In den Siebzigerjahren wurde mit großem finanziellem Aufwand das barockisierte Kircheninnere komplett auf den spätromanischen beziehungsweise frühgotischen Ursprung zurück gebaut. Es präsentiert sich den Besuchern heute in einer wunderschönen, harmonischen Formen- und Farbensprache. Von dem Ursprungsbau aus dem 10. Jahrhundert steht noch der romanische Glockenturm mit seinem „Köningspörzje“. Der Legende nach waren in der kleinen Kirche von Erpel vorübergehend die Gebeine der Heiligen Drei Könige untergebracht, als der Reichskanzler Reinhald von Dassel sie 1164 nach Köln brachte, woran die drei Kronen im Ortswappen erinnern.
Besuch des alten Eisenbahntunnels
Als Schlusspunkt der Führung stand noch der Besuch des alten Eisenbahntunnels hinter den Türmen der im März 1945 zerstörten Ludendorff-Brücke an, in dem alljährlich das Theaterstück über die Eroberung der Brücke durch die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg auf geführt wird. Hierzu trug Edgar Neustein Passagen aus dem Tagebuch einer Bürgerin von Erpel vor, die darin von einem ergreifenden Drama berichtet. Bei der Eroberung hatte ein Verwandter eine Schussverletzung davon getragen und sie versuchte verzweifelt Hilfe zu holen. Es gelang ihr erst nach vielen Stunden, weil sie kein Englisch sprach und kein Amerikaner Deutsch verstand. Bis sie dann in dem Chaos zu dem Verletzten gelangen konnten, war der seiner Verwundung erlegen. Am Ende seines Vortrages erhielt Edgar Neustein als kleines Dankeschön für die interessante Führung von Hans Metternich, im Namen der Teilnehmer, die Chronik zum 1100-jährigen Bestehen von Oberwinter.
Liebevoll restaurierte Abortanlage im Neutor.Foto: Heinz Wilms
