5. Auflage des Ahrathons war ein überwältigender Erfolg
Gelungene Mischung aus sportlichem Anspruch und fröhlichem Freizeitspaß
Etwa 2500 Läufer, Nordic Walker und Wanderer tummelten sich auf dem Rotweinwanderweg
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Eine gelungene Mischung aus sportlichem Anspruch und fröhlichem Freizeitspaß ist der Ahrathon-Volkslauf durch das Ahrtal. Der schlagende Beweis dafür war am Samstag der Menschenauflauf im Bad Neuenahrer Dahliengarten, wo das Ziel aufgebaut war. Dort hatten sich Hunderte von Schaulustigen eingefunden, um den 2500 Läufern, Nordic Walkern und Wanderern bei ihrem Zieleinlauf zuzujubeln und sich an deren teils überaus fantasievollen Kostümen zu erfreuen. Darüber hinaus gab es zahlreiche Vorführungen der fünf Vereine, die an der Organisation beteiligt sind.
„Mittlerweile sind wir aber an der Grenze unserer Kapazität angekommen“, bedauerte Cheforganisatorin Michaela Wolff fast ein wenig, dass der Ahrathon einen so großen Zuspruch gefunden hatte. In den fünf Jahren ihres Bestehens habe sich die Veranstaltung mehr als etabliert, im Vergleich zum Vorjahr meldeten sich doppelt so viele Läufer. Mit dem insgesamt 150 Helfern aus fünf Vereinen sei mehr einfach nicht machbar. Sie dankte besonders den engagierten Unterstützern aus den Reihen des TV 06 Bad Neuenahr, der Karnevalsgesellschaft Blau-Weiß „Schinnebröder“ Bad Neuenahr, dem TuS Ahrweiler, dem SV Westum und dem Ahrweiler BC. Sie alle hatten diesmal Läufer aus sage und schreibe 22 Nationen zu betreuen, sogar von den Seychellen und aus Brasilien waren Läufer angereist war, ebenso aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Tunesien.
Individuelle und familiäre Betreuung
Die Teilnehmer waren ausnahmslos voll des Lobes über die individuelle und familiäre Betreuung, die ohnehin eines der Aushängeschilder der Veranstaltung ist. Die würde allerdings auf der Strecke bleiben, wenn man die Veranstaltung noch größer mache, befürchtete Wolff. „Dabei sind wir schon jetzt der größte Volkslauf im Kreis Ahrweiler, vielleicht sogar einer der größten in ganz Rheinland-Pfalz.“ Bei so vielen Teilnehmern werde die Logistik aber immer schwieriger, zeitweise seien mehr als 100 Leute auf einen Schlag an einer Verpflegungsstation zu bedienen. „Da haben unsere Leute alle Hände voll zu tun“, beschrieb Alice Giffels vom Ringhotel Giffels Goldener Anker, das für eine der Verpflegungsstationen zuständig war. Nicht so ganz klar ist dem außenstehende Beobachter, ob der Schwerpunkt der Veranstaltung auf dem sportlichen Wettstreit oder dem Wettbewerb um das ausgefallenste Kostüm liegt. Denn jedes Jahr ist eine große Anzahl von Läufern dabei, die den Spaß und Genuss in den Vordergrund schieben. Schließlich gibt es unterwegs jede Menge leckere Häppchen der heimischen Gastronomen und edle Tropfen der Ahrtal-Winzer entlang des Rotweinwanderweges, über den ein Großteil der Strecke führt. Da kann man schon einmal die angestrebte Durchgangszeit aus den Augen verlieren.
Mit Taucherflossen und imBaströckchen
Als schlagkräftige Ausrede für sportlich eher schwache Vorstellungen können dann auf jeden Fall die lustigen Outfits herhalten, mit denen die Läufer an den Start gehen. Ob mit Taucherflossen oder im Baströckchen, als Wikinger oder als Schmetterling, als Gorillatransport oder als „Star Wars“-Prinzessin – es war alles dabei, was das Auge der Zuschauer erfreute. Sogar ein Dutzend Weinköniginnen und Weinprinzessinnen von der Ahr machten sich in vollem Ornat, allerdings mit Laufschuhen, auf den Weg. Sie wurden besonders lautstark bejubelt, reihten sich aber in den Siegerlisten weit hinten ein. Die Sieger im Halbmarathon Kostümlauf, Joshua Farnschläder und Robin Antonipilla aus der Kreisstadt, waren als feurige Mexikaner unterwegs.
Die meisten Starter hatten für den Halbmarathon gemeldet, hier kämpften insgesamt gut 900 Läufer und Nordic Walker auf einem Rundkurs über 21 Kilometer gegen die Zeit. Stolze 800 Höhenmeter waren dabei zu überwinden. Julien Jeandrée aus Altenburg war bei den Männern mit 1:16,37 Stunden schnellster mit vier Minuten Vorsprung vor dem zweiten, Bodo Banischewski aus München. Vorjahressieger Thomas Roche aus Köln kam diesmal nur auf Platz drei, hatte aber vorab versprochen, für jede Sekunde, die er schneller als im Vorjahr sei, fünf Euro an den „Bunten Kreis“ zu spenden. Er blieb 52 Sekunden unter seiner Vorjahreszeit und spendete damit 260 Euro. Die Siegerin bei den Frauen war Adele Blaise Solnius aus Erftstadt in 1:26,58 Stunden. Darüber hinaus waren vier Rückwärtsläufer unterwegs, und das Are-Gymnasium gewann den Halbmarathon-Staffellauf, an dem 20 Mannschaften teilnahmen, vor der Laufgemeinschaft der Kreisverwaltung Ahrweiler.
Trotz sechs gebrochener Halswirbel am Start
Mehr als doppelt so anstrengend war der Marathonlauf über gut 42 Kilometer, hier verteidigte René Spanier (LAZ Puma Rhein-Sieg) seinen Vorjahrestitel in 2:51:47 Stunden souverän. Bei den Frauen war Isabella Gschwandtner (Hardtseemafia Triathlon) ganz oben auf dem Siegertreppchen, mit 3:36:47 Stunden hatte sie fast elf Minuten Vorsprung vor der Bonner Marathonmeisterin Caterina Schneider. Die Sieger der Langstrecken wurden ebenso in Wein aufgewogen wie die Gewinner der Kostümpreise. Besonders hervorzuheben war die Leistung des 71-jährigen Bernhard Schöneck aus Rüscheid, der sich vor neun Jahren bei einem Autounfall sechs Halswirbel brach und anschließend mehrere Monate im Streckkorsett verbringen musste. Doch der begeisterte Extremsportler ließ sich nicht hängen und zeigte beim Ahrathon zwar einen etwas ungewöhnlichen Laufstil, kam aber auf der Marathon-Distanz nach 5:34:38 Stunden unter großem Jubel ins Ziel.
Auch touristisch eine ernstzunehmende Sache
Dass der Ahraton mittlerweile auch touristisch eine ernstzunehmende Sache ist, machte Oliver Piel vom Ahrtal-Tourismus klar: „Mehr als 1000 Läufer haben für diese Veranstaltung eine oder zwei Übernachtungen in der Kreisstadt gebucht.“ Das sei schon eine Hausnummer. Bestätigt wurde er von Dorint-Direktor Frank Schönherr, der die Hälfte seiner Zimmer schon vor einem Jahr für Teilnehmer des letztjährigen Ahratons reserviert hatte. „Wer hier einmal dabei war, der kommt auf jeden Fall wieder“, wusste er.
Bei der Abschlussfeier im Weingut Sonnenberg lautete das Motto „Rock und Wein“, hier heizten die Rockcoverbands „Soundkitchen“ und „Sidewalk“ den Besuchern sechs Stunden lang mächtig ein. Der Erlös der gesamten Veranstaltung kommt auch in diesem Jahr dem „Bunten Kreis“ zugute.
JOST
2500 Medaillen durften die Helfer an die Teilnehmer überreichen. Foto: Volker Jost
Als bunte Schmetterlinge war diese Truppe des Marathonteam Mönchengladbach unterwegs. Foto: Volker Jost
Foto: Volker Jost
Foto: Volker Jost
Foto: Volker Jost
Weinköniginnen, Landrat, Beigeordnete und Sponsoren zeigten Daumen hoch: der Ahrathon 2016 war spitze. Foto: Volker Jost
