Allgemeine Berichte | 11.07.2015

Abtei Laach die schönste und artenreinste romanische Kirche in Deutschland

Goethe und Boisserèe retten vor 200 Jahren Laacher Kirche

Basilika sollte als Steinbruch genutzt werden

Region Laacher See. Drei Jahre lang versuchte der Kunstexperte, Sammler und späterer Bayerischer Generalkonservator Sulpiz Boisserèe (1783 bis 1854) Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) zu einer Reise an den Rhein zu bewegen. Erst im Sommer 1815 schließlich besuchte Goethe, der seine Kur in Wiesbaden unterbrach, den großen Reformpolitiker Reichsfreiherrn vom und zum Stein (1757 bis 1831) in Nassau an der Lahn, um sich mit ihm auf nach Köln zu machen. Am Dienstag, 25. Juli, brechen die beiden zur Rheinreise auf. Mit der Postkutsche bis Ehrenbreitstein und dann mit dem Nachen über Andernach und Linz (Zoll) nach Köln. Hier besichtigen beide den noch unvollendeten Dom, an dem 1560 wegen fehlender Finanzmittel die Bauarbeiten eingestellt worden waren. Der junge Künstler Boisserèe, der schon 1808 mit den Vorarbeiten für den Weiterbau des Kölner Doms begonnen hatte, wirbt um die einflussreiche publizistische Unterstützung durch Goethe, die dieser auch erneut verspricht. Am 27. Juli verlassen die Reisenden Köln, sehen sich in Bonn Sehenswürdigkeiten an und erreichen am 28. Juli zu Mittag Andernach. Nächstes Ziel ist laut Bericht von Goethes Sohn August: „Ins Gebirge. Verödete Abtey Laach“. 1802 in der Säkularisation von den Benediktinern verlassen und war sie von Napoleon I. der Ehrenlegion zugeeignet worden. Lediglich der Sarkophag des Stifters Pfalzgraf Heinrich II. und der Baldachin aus dem 13. Jahrhundert sind die einzigen Kunstwerke, die übrig geblieben waren. Hier kämpfte Boisserèe dafür, dass die Basilika nicht als Steinbruch benutzt wird. Aus der Stille des Laacher Sees „mit seinen gelinden Hügeln und Buchenhainen“ gelangen Goethe und der Freiherr v. Stein nach „Niedermennich“. Der „Bruch der rheinischen Mühlsteine“ interessiert die beiden, für die Mineralogie und Bergbau keine Fremdwörter sind. Doch hier irrt Goethe bei seinen Überlegungen über die Entstehung des Niedermendiger Basalt. Er äußert später Boisserèe gegenüber: „Warum soll denn das Wasser nicht auch löchrige Steine machen können wie die Bimssteine und die Menninger Steine?“ Durch Wassereinwirkung anstatt durch Aufblähung durch Feuer war die falsche Überlegung. Zurück zum Rhein ging es weiter über Weissenthurm nach Koblenz, wo Josef Görres (1776 bis 1848) beiden Reisenden am nächsten Morgen auf der Kathause zum Frühstück einlud. In „Kunst und Alterthum am Rhein und Main“ schreibt Goethe in dem Kapitel über Koblenz: „Auch hier würde sich ein Mittelpunkt zur Aufbewahrung der Alterthümer und zur Förderung der Kunst von selbst bilden...wie denn zum Anfange die wenigen, aber bedeutenden Reste der Abtey Laach mit Vorsicht und Sorgfalt hierher zu retten wären“. Dazu kam es Gott sei Dank nicht, denn neben Goethe trug vor allem auch Boisserèe dazu bei, dass die Basilika das blieb, was sie schon immer war, die schönste und artenreinste romanische Kirche in Deutschland seit über 900 Jahren! Eine Tuffsteinskulptur aus dem Jahr 1915 von Bruder Tutilo Haas am Seehotel in Maria Laach erinnert an den Besuch von J.W. Goethe und Freiherr vom Stein am 28. Juli 1815. Die Kulturgemeinschaft Albertinum in Mendig würde es begrüßen, wenn auch Sulpiz Boisserèe für seine außerordentliche Bemühungen um die Rettung der Abteikirche eine Gedenktafel erhalten würde aus Anlass des zweihundertjährigem Jubiläums 1815 bis 2015! Heinz Lempertz

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