Gedanken im Blick - Glaube, Traditionen und Persönliches
Gottes Schutz im Wald
Eine theologische Kolumne von Gunnar Bach
In diesen Tagen warnen Försterinnen und Förster vor der Gefahr schneebedeckter Äste, die auf Spaziergängerinnen und Spaziergänger scheinbar aus heiterem Himmel abbrechen und sie verletzen oder gar töten könnten. Die Gefahr sei besonders durch die drei vergangenen Dürresommer wahrscheinlicher geworden. Denn die Äste sind trocken und zerbrechlich.
Wie sehr Gottes Schöpfung vom ewigen Kreislauf von Geburt und Tod geprägt ist, machen sich viele Menschen für ihr eigenes Leben oft nicht bewusst.
Wer in der Nähe von Hübingen jetzt im Wald spazieren geht, könnte mit wachem Auge auf sie stoßen: die Eiche, die ein silbernes Kruzifix enthält.
Zu dieser Eiche erzählt Thomas Kempfer auf Facebook eine bewegende Geschichte:“ Der Pfarrer von Winden hatte den Abendgottesdienst im benachbarten Welschneudorf beendet, die wenigen Gäste verabschiedet und sich dann selbst auf den Weg gemacht, denn von Westen zog ein Unwetter herauf und er musste noch zu Fuß durch den dichten Wald nach Hause. Als er die Kirchentüre hinter sich ins Schloss fallen ließ, zuckten schon wilde Blitze über den Abendhimmel und fernes Donnergrollen verhieß nichts Gutes. Er hatte die Geschwindigkeit des Unwetters unterschätzt, denn als er auf halber Strecke durch den dunklen Wald stapfte, brach die Urgewalt des Wetters über ihn herein. Der Regen prasselte auf die Erde, Blitze im Sekundentakt erhellten die Dunkelheit, ein Sturmwind heulte plötzlich auf wie ein der Kettenhund des Höllentores und fuhr durch Blätter und Geäst der Bäume. Der Pfarrer hatte Mühe sich gegen den Wind zu bewegen und Regen peitschte ihm ins Gesicht, sodass er kaum den Weg erkennen konnte. Ein Blitz durchfuhr die Nacht, es krachte und ein getroffener und brennender Ast, schlug neben ihm zu Boden und verfehlte ihn nur um wenige Zentimeter. Wieder ein Donnerschlag und diesmal brach eine alte Eiche, fiel auf den Boden und versperrte ihm den Weg. Auch hinter ihm hörte der das Krachen der Bäume, die zu Boden fielen. Keine Möglichkeit mehr, rechtzeitig in Dorf zu kommen und so stellte er sich zu einer Eiche am Wegesrand und rief die Heiligen, Maria und den Herrn selbst um Hilfe. Letzterem leistete er einen Eid, wenn die Eiche ihn jetzt vor den Unbilden des Wetters beschützte, würde er an ihr zum Dank ein eisernes Kruzifix befestigen. Wie die Geschichte ausging, wissen wir, denn das Kruzifix ist heute noch zu sehen. Nicht mehr viel davon, denn der Baum hat es inzwischen fast verschluckt. Fast 70cm groß soll das ganze Gebilde einmal gewesen sein. Das meiste davon befindet sich im Baum drinnen.“
Ich wünsche uns allen, die wir jetzt trotz Lockdowns bei dem gefallenen Schnee den schönen Westerwald genießen dürfen, einen ebenso großen Schutz. Seien Sie achtsam und vorsichtig. Passen Sie gut auf sich auf!
Ihr Gunnar Bach
