Allgemeine Berichte | 10.05.2016

Die fünften Kunsttage in Winningen präsentierten Werke von elf Künstlern an neun Ausstellungsorten

Großartiges Festival in einem kleinen Ort

Malu Dreyer wurde von der Winninger Weinhex, der Weinkönigin und Frank Hoffbauer herzlich begrüßt.EP

Winningen. Zum fünften Mal präsentierten Künstler außergewöhnliche Kunstwerke an ungewöhnlichen Orten in Winningen. Das lockte zahlreiche Besucher in den beschaulichen Ort an der Mosel, die sich für diese Kunst auf Zeit interessierten. Seit 2006 gibt es die Kunsttage in dem idyllischen Dorf, das für seinen Riesling, seine Weinfeste und die historischen Bauten bekannt ist. Mit Recht sind Birgitt Schaaf und das Kunsttageteam stolz auf das hohe Niveau des Festivals der Kunst, das unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Beate Reifenscheid steht.

Wie in den vergangenen Jahren fand die Eröffnung in der evangelischen Kirche statt, wo die Künstlerin Ulli Böhmelmann ein Kunstwerk aus Glaskugeln inszeniert hatte. Sie schwebten förmlich im Raum und fingen die Lichtstrahlen ein. Die Glaskugeln symbolisierten Weintrauben, damit griff die Künstlerin einen wichtigen Teil des christlichen Glaubens auf - das Abendmahl, das mit Wein und Brot gefeiert wird. In diesem passenden Rahmen empfing Birgitt Schaaf die Gäste, die das Kirchenschiff füllten.

Gewaltige Gongschläge machten den Gesprächen ein Ende. Von der Empore erklangen Flötentöne, strömten hinab und schwangen im Raum. Das Ensemble „Membrana“ entlockte seinen Instrumenten wunderschöne Klänge. Birgitt Schaaf begrüßte die Gäste und dankte zuerst besonders der Winninger Pfarrerin Iris Ney: „Es ist schön, dass die Kunst wieder hier in der Kirche sein darf.“ Sie richtete an alle ein herzliches Willkommen und ihren Dank an Sponsoren und Künstler, ohne die die Kunsttage nicht realisierbar wären. Besonders würdigte sie das Engagement von Frank Hoffbauer.

Bevor sie der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz das Wort übergab, appellierte sie an die Besucher: „Freuen wir uns über das großartige Festival in unserem kleinen Ort.“ Der Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist es ein Anliegen, mit ihrem Dasein die Kunsttage zu unterstützen. Vor zwei Jahren gab sie das Versprechen wiederzukommen. Und freut sich darauf, es immer wieder einzulösen.

Säulen des Teams

Birgitt Schaaf und Frank Hoffbauer bezeichnete sie als die Säulen des Teams, das die Kunsttage organisiert. Und das ehrenamtlich. „In Rheinland-Pfalz sind die meisten ehrenamtlichen Menschen aktiv. Das erzeugt ein besonderes Lebensgefühl in unserem Land“, sagte sie. Malu Dreyer ist überzeugt, dass Kunst die Möglichkeit bietet, neue Sichtweisen zu erfahren. Amüsant war eine kleine Geschichte über ihren vergangenen Besuch, die sie zum Besten gab - und der Folgen hatte. Damals war in der evangelischen Kirche die Kunst von Dorotheé Rothbrust ausgestellt: die Lotterweiber. Davon war die Ministerpräsidentin so begeistert, dass sie eine davon kaufte. Diese fand im Wohnzimmer ihren Platz. Als ihr Ehemann nach Hause kam, erschrak er sich. Es verschlug ihm die Sprache, weil dieses Weib dastand. Damit nicht genug.

Der Kaufpreis ging in die Schweiz - was wiederum eine eifrige Bankangestellte dazu brachte nachzufragen. Denn eine stattliche Überweisung in die Schweiz mit dem Verwendungszweck „Lotterweib“ erschien ihr seltsam. Malu Dreyer klärte auf und ihr Mann gewöhnte sich an den Anblick.

Im Rahmen der „langen Nacht“, die sich an die Eröffnung anschloss, hatten die Besucher bis 23 Uhr die Gelegenheit, ihre Blicke auf die außergewöhnlichen Kunstwerke zu werfen. Es war ein Reigen hochkarätiger Werke, gestaltet von Künstlern aus drei Ländern: Südkorea, Deutschland und der Schweiz. Mit vielseitigen Arbeiten und überraschenden Techniken, in Verbindung mit unterschiedlichen Stilrichtungen, war das Festival ein Highlight für jeden Interessierten. Stahlskulpturen von Rheinhard G. Puch, zu sehen im Gemeindehaus, erschienen trotz des schweren Materials leicht und grazil. Einer Kunst mit langer Tradition im asiatischen Raum hat sich Tilmann Zahn verschrieben. Sein Medium ist Papier, und seine Werke waren in der Galerie im Kelterhaus und in der Gutsschänke Schaaf zu bewundern. Beatriz von Eidlitz, die sich nicht der klassischen Malerei widmet, stellte ihre Werke im Rathaus aus. Bei ihrer Kunst geht sie einen ganz eigenen Weg und lässt Arbeiten sowohl auf Papier als auch auf Eisenplatten, mit geometrischen Formen, klaren Linien und kräftigen Farben entstehen.

Im Weingut Heymann-Löwenstein begegneten sich zwei Künstler. Bildwerke, bei denen es immer um das Wechselspiel von Licht und Schatten und die Beziehung zwischen Körperlichkeit und Fläche geht, präsentierte dort der Koreaner Tchun Mo Nam. Der Werkstoff des Bildhauers Werner Bitzigeio ist der Stahl. Bei den Skulpturen, die er zeigte, geht es immer um die Aufhebung der Schwere. Im Weingut Knebel waren Kunstwerke von zwei Künstlerinnen zu sehen: die kraftvollen Papierreliefs von Aja von Loeper und die luziden Glaskörper von Mechthild Ehmann. Besonders war der Ort, den die Steinskulpturen des Schweizers Pi Ledergerber einnahmen. Er verleiht den Steinen eine andere Charakteristik, zu bestaunen in den nebeneinanderliegenden Gärten der Familien Richter und de Leuw in der August-Horch-Straße.

Auch die Vinothek war Ausstellungsort. Dort zeigte die Malerin Regina Reim ihre Arbeiten, in denen sich Tanz, Musik, Malerei und Tiefdruck verbinden. An einigen Ausstellungsorten waren Werke von Schülern der Förderschule Am Bienhorntal Koblenz zu sehen. Die „Kunstkleckser“ hatten sich engagiert mit Kunsttechniken und Arbeitsweisen der Kunsttagekünstler beschäftigt. Außergewöhnliches geschah am Moselufer, wo Edgar Müller seine „street art“ präsentierte. Mit seiner gemalten 3-D-Illusion verwandelte er die Straße in einen Abgrund.

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit zu geführten Rundgängen, die zum Teil vom Blechbläserensemble Pentaphonic Brass musikalisch begleitet wurden. Bei der Kunsttageparty im Weingut Fries war die Gelegenheit zum Austausch über die Kunst. Aber auch zum Tanzen mit der Musik des Jazz Point Trios und Carolin Hilds Saxophonspiel. Dazu gab es Wein und leckere Kleinigkeiten. Natürlich lud auch an allen Tagen die Winninger Gastronomie zum Verweilen ein. Ein musikalisches Intermezzo mit dem Blechbläserensemble Pentaphonic Brass am Weinhof beendete die fünften Kunsttage, das große Ereignis im kleinen Dorf. Motiviert wegen des Erfolgs, geht das Kunsttageteam in die Planung der sechsten Kunsttage, die für den 11. bis 13. Mai 2018 geplant sind.

EP

Mit seiner außergewöhnlichen Kunst als 3-D-Illusion verwandelte Edgar Müller die Straße am Moselufer in einen Abgrund.

Mit seiner außergewöhnlichen Kunst als 3-D-Illusion verwandelte Edgar Müller die Straße am Moselufer in einen Abgrund.

Im Gemeindehaus waren die Stahlskulpturen von Rheinhard G. Puch zu bestaunen, die trotz des schweren Materials leicht und grazil schienen.

Im Gemeindehaus waren die Stahlskulpturen von Rheinhard G. Puch zu bestaunen, die trotz des schweren Materials leicht und grazil schienen.

Glaskugeln, die Weintrauben symbolisierten, schmückten das Kirchenschiff, geschaffen von der Künstlerin Ulli Böhmelmann.

Glaskugeln, die Weintrauben symbolisierten, schmückten das Kirchenschiff, geschaffen von der Künstlerin Ulli Böhmelmann.

Malu Dreyer wurde von der Winninger Weinhex, der Weinkönigin und Frank Hoffbauer herzlich begrüßt.Fotos: EP

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