Allgemeine Berichte | 27.02.2024

Inspirierender Vortrag zu Trends der Innenstadtgestaltung

„Handel mit Stärke, Gemeinschaft mit Herz“

Oliver Wolf (l.) und Dr. Joachim Rasch danken Ute Marks für ihren Vortrag.

Rheinbach. Am Donnerstag, 22. Februar hatte die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft der Stadt Rheinbach mbH (WFEG) zusammen mit dem Gewerbeverein der Stadt in das RaiffeisenHaus eingeladen. Unter der Überschrift „Handel mit Stärke, Gemeinschaft mit Herz“ trafen sich rund 145 Gäste zum Netzwerken und um den Vortrag von Ute Marks, Stadt und Handel Dortmund, der die Überschrift „Hand in Hand für Rheinbach: Wir bauen unsere Zukunft“ trug, zu hören.

Der Aufforderung, sich auszutauschen, kamen die Rheinbacher Gewerbetreibenden gerne nach. Schon vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung schwirrten im gut gefüllten Foyer des RaiffeisenHauses die Stimmen hin und her, wurden Hände geschüttelt und angeregt diskutiert.

Der guten Stimmung geschuldet, begrüßte Bürgermeister Ludger Banken (parteilos) die Gäste mit etwas Verspätung. Er wünschte den Anwesenden einen motivierenden, gesprächsreichen Abend. Wirtschaftsförderer Dr. Joachim Rasch freute sich, dass er so viele Gäste bei dieser Veranstaltung, der ersten ihrer Art in Rheinbach, begrüßen konnte. In einer Zeit, in der Einzelhandel, Dienstleister und Handwerker vor großen Herausforderungen stehen, wolle man die Bedeutung der Gewerbevereine für die Stärkung der Stadt und deren Wirtschaft in den Vordergrund rücken, hatte es schon in der Ankündigung geheißen. Wichtig hierfür sei die intrinsische Motivation und dass es den Rheinbacher Gewerbetreibenden daran nicht mangele, zeige allein schon ihr zahlreiches Erscheinen.

Oliver Wolf, Vorsitzender des Gewerbeverein Rheinbach e.V. , betonte in seiner Begrüßung, dass sich die Zusammenarbeit in der Stadt sehr positiv entwickelt habe, beispielsweise bei der Einführung der Stadtgutscheine oder der Entwicklung der virtuellen Realität. Er sei zutiefst davon überzeugt, dass in einer Gemeinschaft die Menge mehr sei, als die Summe der einzelnen Teile. Mit rund 240 Mitgliedern sei der Verein zwar relativ stark, um aber die anstehenden Herausforderungen zu meistern, wäre es gut, wenn man die Arbeit auf mehr Schultern verteilen könnte. Folgerichtig lagen an diesem Abend Beitrittserklärungen aus, sodass man dem Gewerbeverein sofort beitreten konnte. Besonders wichtig sei es aus Wolfs Sicht, künftig Projekte zu entwickeln, die die Einzigartigkeit Rheinbachs nach außen tragen, schloss er.

City-Managerin Ramona Mignon, seit einem knappen Jahr im Amt, nutzte die Gelegenheit, sich bei den Rheinbacher Gewerbetreibenden für die freundliche Aufnahme zu bedanken. Die hohe Beratungskompetenz und Freundlichkeit sei das, was der Onlinehandel nicht bieten könne, betonte sie.

Dann war die Bühne frei für Ute Marks, Bereichsleiterin Citymanagement & Stadtmarketing der Stadt + Handel GmbH aus Dortmund, einem bundesweit tätigen Beratungsunternehmen, dass beispielsweise konzeptionelle Grundlagen für attraktive Innenstädte liefert.

Ihren engagierten Vortrag, der von prägnanten Grafiken untermauert wurde, begann sie mit aktuellen Trends und Herausforderungen. Bei den Umsätzen sei das Vor-Corona- Niveau in den Innenstädten noch nicht wieder erreicht worden. Insgesamt sind die Folgen der Konsumzurückhaltung in Folge des Ukraine-Krieges gravierender als die Lockdowns der Corona-Pandemie. Das Konsumverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Individualisierung ist ein Thema, sowie die Entkopplung des Schoppens von der Innenstadt, hier nannte sie u.a. die Märkte auf der grünen Wiese und den Onlinehandel als Beispiele. Erlebnisorientierung wird bei den Konsumenten immer wichtiger. Für jüngere Konsumenten liege „Nutzen statt Besitzen“ im Trend, wie beispielsweise die Entwicklung der Streamingdienste zeige.

Als weiteren Trend nannte sie „Instant-Shopping“, das heißt, dass die Kunden zunehmend die Möglichkeit nutzen, direkt über beispielsweise Instagram die dort angebotenen Produkte zu kaufen. Umso wichtiger sei die digitale Sichtbarkeit für den stationären Einzelhandel. „Omni-Chanel“ sei das Stichwort für Erfolg im Handel.

Die Innenstadt als Einkaufsstadt sei ein Modell von gestern, führte Ute Marks weiter aus. Gerade die jüngere Generation müsse wieder für die Innenstadt begeistert werden. Die Erwartung an Innenstädte seien im Wandel begriffen: sie sollen beispielsweise ein multifunktionaler Lebensmittelpunkt sein, ein Ort für Gemeinsamkeit, ein Wohlfühlort mit Qualität und Ästhetik.

Die Zentren werden sich verändern müssen, so Marks weitere These. Sie müssen umgebaut werden, um den neuen Anforderungen zu entsprechen, unter Umständen sogar schrumpfen. Hierbei müssen alle wichtigen Akteure an einem Strang ziehen, u.a. auch die Immobilienbesitzern, denn anstehende Investitionen müssen sich auch rechnen.

Mit dem Slogan „Eating is the new shopping“ wies sie auf die Bedeutung der Gastronomie für die Entwicklung der Innenstädte hin und untermauerte dies mit einer Grafik zu den entsprechenden Umsätzen. Diese zeigte deutlich, dass mittlerweile die Umsätze im Gastrobereich die Umsätze im Bereich Bekleidung um ein Vielfaches übertreffen. Umso wichtiger sei für die Attraktivität eines Zentrums auch die Qualität der Gastronomie zu beachten.

Mit „Stadt ist Stein“ fasste sie das heutige Erscheinungsbild vieler Innenstädte zusammen. Hier müsse es in den nächsten Jahren deutliche Veränderungen geben, denn mit mehr Grün werde die Klimaresilienz der Innenstädte gesteigert und die Aufenthaltsqualität verbessert. Wo dies nicht sofort möglich sei, könne man temporäre Grünoasen schaffen, regte sie an.

Es gelte, einen Idee für die jeweilige Stadt zu finden, hinter sich alle Akteure vereinen. Dies sei ein Prozess, der einen langen Atem erfordere. Ähnlich wie beim Sporttreiben führe ein Vernachlässigen der Aktivitäten sofort zu sichtbaren, negativen Folgen.

Oliver Wolf dankte Ute Marks für ihren Vortrag. „Wir kämpfen für Rheinbach!“ schloss er und drückte seine Hoffnung aus, dass für die Mitglieder des Gewerbevereins, der in diesem Jahr 75 Jahre besteht, dieser Abend der Auftakt für weitere 75 Jahre toller Zusammenarbeit sei.

KS

Interessierte Zuhörer beim Vortrag von Ute Marks. Fotos: KS

Interessierte Zuhörer beim Vortrag von Ute Marks. Fotos: KS

Oliver Wolf (l.) und Dr. Joachim Rasch danken Ute Marks für ihren Vortrag.

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