Allgemeine Berichte | 21.11.2012, 07:55 Uhr

Handwerk und Kunst im Glas vereint

Feierstunde, Aktionen und Ausstellungen im Glasmuseum Rheinbach

Die Glasveredler vor einer festlich geschmückten Tafel. RFW
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Rheinbach. „65 Jahre sind kein traditionelles Jubiläum“, so Claus Wehage, Rheinbachs Vizebürgermeister, gleich zu Beginn seiner Festrede, „sie sind eher verbunden mit dem Eintritt in den Ruhestand. Aber für das Glasmuseum kann dies nicht gelten. Für ‚Glas in Rheinbach‘ heißt das: Rückblick auf Vergangenes, einmal kurz innehalten und dann mit rheinischem Schwung und neuer Energie die Zukunft angehen.“ Dies hörte nicht nur die Museumsleiterin Ruth Fabritius gerne, auch die zahlreich gekommenen Gäste zu dieser Feierstunde nickten zustimmend.

Seinen Rückblick begann der Vizebürgermeister im Jahr 1947. „Alles begann mit der gezielten Ansiedlung sudetendeutscher Glasveredler aus ihrer nordböhmischen Heimat, der traditionsreichen Region um Steinschönau und Haida nach dem 2. Weltkrieg. Der Gedanke, im linksrheinischen NRW ein Ansiedlungszentrum der ehemaligen nordböhmischen Glasveredlungsindustrie zu schaffen, ging von den Glasveredlern selbst aus“, so Wehage, „die Eifel erinnerte sie an die heimatliche Landschaft.“

Erfolgsgeschichte der Glasansiedlung

Auch wenn die Ansiedlung eine Erfolgsgeschichte wurde, der Start in den Nachkriegsjahren war mit Problemen behaftet, schließlich ging es um die Erteilung von Produktionsgenehmigungen, die Bereitstellung und Beschaffung von Baustoffen für die Errichtung und Instandsetzung von Werkstätten und Wohnungen, die Sicherstellung der Rohglasbasis und die Neuerstellung einer Glasfachschule. Für die Rheinbacher ‚Urbevölkerung‘ fanden die Neuankömmlinge überwiegend lobende Worte, wurden sie doch freundlich aufgenommen. Im Schaufenster der Bäckerei Mostert wurden Glasartikel ausgestellt, um die Bürgerschaft über den neu entstehenden Gewerbezweig zu informieren.

Eröffnung Glasfachschule und Gasmuseum

1948 folgte die feierliche Einweihung der „Staatlichen Glasfachschule für Glasveredlung und Keramik“, die 1953 in „Staatliche Glasfachschule“ umbenannt wurde. Dieser Name hält sich bis heute bei den Rheinbacher Bürgern, auch wenn heute die Schule „Staatliches Berufskolleg Glas, Keramik, Gestaltung des Landes NRW“ heißt.

Mit der Eröffnung des Glasmuseums 1968 war das böhmische Glas endgültig mitten in Rheinbach angekommen. Aber der weltweite Strukturwandel hat auch den Rheinbacher Glasveredlern zugesetzt. Museumsleiterin Ruth Fabritius beklagt, dass das Handwerk nicht mehr genügend geachtet werde. „Die Werke entstehen unter Einsatz von Hand, Herz und Verstand und purzeln nicht vom Fließband.“ Auch Joachim Strasdas, Vorsitzender des Fördervereins der „Freunde edlen Glases“, bemängelte, dass vielfach Glas heute nicht mehr in einem Fachgeschäft gekauft wird, sondern im Möbel-Discounter.

Glas aus Rheinbach heute

Aber wer sich für schönes Glas interessiert, wer Handwerk und Kunst in einem Objekt vereint erwerben möchte, der findet in Rheinbach und den Ortschaften rund herum immer noch Betriebe und Künstler, die auf höchstem Niveau mit dem Material Glas umgehen können. Die Ausstellung zu dem Jubiläum - etwa die festlich geschmückten Tafeln oder die Vorführungen der Glasveredler - zeigten die Möglichkeiten, die das Glas bietet. Auch nach den Jubiläumstagen lohnt ein Besuch des Museums, das neben den traditionellen Werken auch modernes Studioglas zeigt. Der Sammler Klaus Mühlstroh hat zu dem Jubiläum dem Museum weitere 50 zeitgenössische Objekte aus Frankreich, Schweden, der Tschechei sowie Lauscha (Thüringen) und Zwiesel (Bayern) geschenkt. RFW

Vizebürgermeister Claus Wehage hielt die Festrede.

Vizebürgermeister Claus Wehage hielt die Festrede.

Erlesene Tischkultur: Helga Feuser-Strasdas (l.) und Stefanie Stanke.

Erlesene Tischkultur: Helga Feuser-Strasdas (l.) und Stefanie Stanke.

Die Glasveredler vor einer festlich geschmückten Tafel. Fotos: Fotos: RFW

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