Der Leiter der Musikschule der Stadt Koblenz ging in den wohlverdienten Ruhestand
Hans-Peter Lörsch wurde feierlich verabschiedet
Koblenz-Rauental. Fast zwei Jahre später als es die Altersruheregelung vorsieht, wurde der Leiter der Musikschule der Stadt Koblenz, Hans-Peter Lörsch, jetzt im Konzertsaal der Schule in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Die Reihe derer, die mit einem Grußwort sein zwanzigjähriges Wirken als Schulleiter würdigten, war lang. Die Liste dessen, was er in dieser Zeit erreichen konnte, ist deutlich länger. Niemand bezweifelte, dass er die Schule und ihre Entwicklung maßgeblich prägte sowie kontinuierlich zu ihrer guten Reputation beitrug, wie seine Stellvertreterin, Dorothea Buchwald, herausstellte. Ihr Dank galt allerdings nicht einzig Lörschs Arbeit, sondern darüber hinaus all jenen, die unterstützend und kooperierend dazu beitrugen, die Schule sich zu dem entwickeln zu lassen, was sie heute ist: Kollegen und Mitarbeiter, Schüler und Eltern, der Freundeskreis, die Bienko-Stiftung, die städtischen Ämter, Vertreter aus Wirtschaft und Politik, Vereine, musikalische Gruppierungen, Schulen und andere Institutionen. Unter der Ägide des jetzt 67-Jährigen wuchs die Schule enorm, wie Knut Schwab, Vorsitzender ihres Freundeskreises aufzeigte. Seit 1998 stieg allein die Schülerzahl von 1.100 auf knapp 3.000 an.
Drei städtische Kulturdezernenten waren es, die dem Diplom-Musikschullehrer Lörsch nach seiner Zeit als Lehrender an der Musikschule und als Fachbereichsleiter ihr Vertrauen schenkten und ihn ab 1993 auf dem Weg seiner beruflichen Karriere vom stellvertretenden über den kommissarischen Schulleiter und schließlich als Leiter der Musikschule begleiteten. Die, die ihn 1999 dazu ernannte, war Dr. Ingrid Bátori. Sie und ihre Nachfolger Detlef Knopp und die amtierende Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz wohnten dem Festakt bei. Theis-Scholz lobte Hans-Peter Lörschs engagiertes Wirken für die Schule, deren Leitung er in einer Krisenphase übernommen hatte. Er habe seine Verantwortung als Führungspersönlichkeit stets sehr ernst genommen, sei eine Konstante an der Schule, gar ihr Gesicht gewesen.
Ihm sei es gelungen, über all die Jahre im großen Kollegium der Musikschullehrkräften (derzeit 56) Zusammengehörigkeitsgefühl, hohe Identifikation und Einsatzbereitschaft für die Schule zu erwirken. Zudem habe er stark daran mitgewirkt, die Zahl der Kooperationspartner zu erhöhen. Anerkannte Initiativen wie Bachchor, Collegium vocale und Kammerchor konnte er als Mitglieder der Musikschule gewinnen. Außerdem hatte er maßgeblichen Anteil an der jahrelangen und äußerst erfolgreichen Teilnahme der Musikschüler/-innen am Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Landes- und Bundesebene.
Über die Musikschulgrenzen hinweg brachte sich Lörsch im Koblenzer Musikinstitut sowie weiteren Institutionen, Initiativen und Verbänden in gestaltender Mitwirkung ein. Mit seinem Ohr am Zeitgeist habe er sich abzeichnende Veränderungen in seine Arbeit für die Musikschule einbringen können und sich als aufgeschlossener Ansprechpartner beim Betreten von Neuland erwiesen. Sie versicherte Lörsch, sein Einsatz für die Musikschule werde noch lange Nachhall und Spuren hinterlassen. Dem Tenor folgten auch Jörg Gauchel, Vorsitzender des Personalrates und Christoph Utz, Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen in Rheinland-Pfalz. Lobende Worte charakterisierten ihn als omnipräsenten Menschen mit stets offenem Ohr und Tatkraft, der einen anerkennenden und wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitern, Kollegen und Gesprächspartnern pflegte.
Die Schule habe er auch außerhalb der Dienstzeiten stilsicher und mit Freude präsentiert. Besonders schätzten sie seinen Kampfgeist, sich für den kulturellen Bildungsauftrag der Musikschule und die finanziellen Belange der Lehrkräfte stark zu machen. Mit ausschließlich fest angestellten Lehrkräften sei die Schule vorbildhaft. Laudator Hans-Jörg Assenmacher, Vorsitzender des Kooperationspartners Casino Gesellschaft zu Coblenz und Vorstand der talentierte Schüler fördernden und die Musikschule unterstützenden Gertrud-Bienko-Stiftung, nannte Lörsch einen Taktiker und Pragmatiker mit einer gewissen Hartnäckigkeit. Mit der ihn umgebenden Aura des Vertrauens und der Verlässlichkeit sowie seiner Kunst des Vernetzens konnte er einen sehr erfolgreichen Weg mit der Musikschule gehen.
Unter seiner Leitung erfolgte an diversen Schulen die Einrichtung des Unterrichtsfaches „Klassenmusizieren“, eine kontinuierlich betriebene Zusammenarbeit mit Schulen, die Gründung der Gitarrenakademie, einer Musikschulband, eines landesweiten Wettbewerbs für Pop- und Jazzbands der Musikschulen, die Ausrichtung von Musikwettbewerben bzw. Teilnahme an ihnen sowie eine immerwährende Pflege und Weiterentwicklung der Außenwirkung der Schule als auch das Streiten für sie und ihren Bildungsauftrag.
„Das wunderschöne Amt aufgeben zu müssen“ fällt Lörsch offenbar nicht ganz leicht. Er bezeichnete seine Arbeit als „eine bereichernde Tätigkeit an einem geliebten Umfeld, die ihm viele wunderschöne zwischenmenschliche und musikalische Momente bescherte“. Alles Lob dieses Tages gab er eins zu eins weiter an die Kollegen und Mitarbeiter, die mit ihm am selben Strick zogen. Dank sagen wollte er allen Wegbegleitern, die sich in jedweder Form um die Musikschule verdient gemacht hatten. In dieser Reihe sah er neben seiner Stellvertreterin Dorothea Buchwald und Knut Schwab aus dem Freundeskreis im Besonderen seine Ehefrau. Sie habe ihn im Hintergrund gecoacht, ihn mit all ihrer Kraft unterstützt und ihm die große Liebschaft Musikschule gestattet.
Musikschulen in der deutschen Bildungslandschaft verankern
Abschließend formulierte er als Herzensangelegenheit noch einmal seine Forderung, die öffentlichen Musikschulen in der deutschen Bildungslandschaft zu verankern. Die finanziellen Abhängigkeiten unter dem Joch „freiwillige Leistung“ sollten ein Ende haben, und die Landesregierung müsse die kargen Fördermittel dringend aufstocken. Damit die Musikschule der Stadt Koblenz auch in Zukunft ihrem Bildungs-, nicht nur Ausbildungsauftrag nachkommen könne, wünschte er ihr stets verantwortliche Gestalter und Entscheider, die bereit sind, sich für eine gerechte Entlohnung der Mitarbeiter und den Erhalt der moderaten Gebührensätze einzusetzen, und die es verstehen, die Musikschüler zu fördern.
Zum Abschluss des Festaktes erfüllten ihm Musiker des Fachbereichs Rock/Pop/Jazz und eine langjährige Schülerin der Musikschule, Luisa Topler als Sängerin, seinen Musikwunsch des Beatles-Klassikers „Let it Be“. Die wahrlich konzertante Begleitung der Feierstunde leisteten die verschiedenen Fachbereiche mit hervorragenden Musikern und ausdrucksvollen wie dem Anlass würdigen Musikstücken. Zum gemütlichen Beisammensein danach spielten die Trash Drumming Group der Musikschule und die Gruppe Scatwalk auf. BSB
Hans-Peter Lörsch mit dem vormaligen Kulturdezernenten Detlef Knopp.
