Der Kontaktkreis „Flüchtlinge“ lud seine Ehrenamtler ein
„Helfer-Dankfest“ für die Ehrenamtler
Über 60 Aktive waren der Einladung der Koordinationsteams in das Verwaltungsgebäude gefolgt
Unkel. Auf Einladung der evangelischen und katholischen Kirche hatten sich im Januar 2015 engagierte und interessierte Bürger aus der Verbandsgemeinde Unkel getroffen, die sich um die stark steigende Zahl der Asylbewerber in Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel kümmern wollten. Zur Zeit engagieren sich im „Kontaktkreis Flüchtlinge“ um das Koordinationsteam, das aus Detlev Cosler, Aynur Ergin, Frank Lorenz, Sibylle Meyer und Klaus Riekenbrauk besteht und das in der der Verwaltung von Anja Riehm und Andreas Nagel ergänzt wird, rund 150 ehrenamtliche Helfer. „Was von Ihnen hier in der VG Unkel in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren geleistet worden ist und immer noch geleistet wird, ist einfach großartig!“, begrüßt Verbandsbürgermeister Karsten Fehr im Foyer des Verwaltungsgebäudes gut 60 dieser Helfer, die der Einladung zum Dankfest-Brunch gefolgt waren.
„Damit haben wir rund 40 Prozent der Aktiven erreicht, die sich intensiv bei der Betreuung von Familien oder bei Sprachkursen einsetzen, während andere sporadisch Fahrten zum Arzt oder zur Verwaltung übernehmen, beim Willkommenscafé helfen oder unregelmäßige Dienste für die Flüchtlinge übernehmen“, freute sich Sibylle Meyer, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
Mittlerweile seien auch einige Flüchtlinge im Kontaktkreis aktiv . So würden sie nicht nur das Brunch-Buffet mit Speisen bestücken, sondern die Ehrenamtler wie auch die Verwaltung in diversen Bereich, etwa als Übersetzer, unterstützen und so anderen Asylbewerbern die Integration erleichtern.
„Hand in Hand und in Ergänzung mit der VG-Verwaltung stellen Sie sich den vielfältigen Herausforderungen, die unweigerlich bei Integrationsbemühungen von knapp 280 angekommenen Flüchtlingen entstehen“, lobte Karsten Fehr. So seien in allen Kommunen Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten geschaffen sowie Angeboten vernetzt worden, die der Freizeitgestaltung und der Bildung und damit eben auch der Integration dienen würden. Dank dieser gemeinsamen Bemühungen habe man in der VG Unkel die Asylanten dezentral unterbringen können und so erheblich günstiger Voraussetzungen geschaffen, erklärte der Hausherr abschließend.
„Ich kann mich noch gut an die Unsicherheit erinnern, die uns alle Anfang 2015 hinsichtlich der Einladung zur ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuung befallen hat. Jetzt aber hat sich klar erwiesen: Die Gründung des Kontaktkreises als Reaktion auf die aktuelle Flüchtlingssituation ist damals genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgt“, so Pfarrer Andreas Arend. Er freue sich wie sein evangelischer Kollege Michael Busch bei diesem engagierten Kreis dabei zu sein, der von Beginn an Problem selbstbestimmt angegangen sei. Die Kirchen würden ihm nur ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen, als Mit-Helfer sei jeder willkommen, vollkommen unabhängig von seinem Glauben. Allerdings sei er froh, dass das Erzbistum nicht nur politisch Stellung zur Flüchtlingssituation genommen, sondern auch den Geldhahn geöffnet habe, sodass Detlev Cosler inzwischen eine halbe Stelle besetze, um sich der entsprechenden Ehrenamtssachen anzunehmen.
„Ihre Arbeit für diese Menschen, die ihre einzige Chance darin gesehen haben, ihre Heimat zu verlassen und nur mit den Kleidern am Leib hierher gekommen sind, ist ungemein wichtig. „Sie tun Ihr Möglichstes, um sie zu integrieren und ich weiß, wie mühsam das manchmal sein kann“, erklärte der Geistliche, der den Kontaktkreis-Helfern dankte, dass sich diese dieser Kärrnerarbeit stehen würden, die ihnen hoffentlich aber auch frohmachende Erlebnisse bescheren möge, wünschte Andreas Arend den Aktiven.
„Es ist einfach unglaublich, was aus dem ursprünglichen Kontaktkreis gewachsen ist. Diese Fülle an Engagement spricht für unsere Orte“, so sein Kollege Michael Busch. Unkel bezeichne sich als Kulturstadt am Rhein, bezogen auf die ganze VG könne man aber mit Fug und recht von einer „Willkommens-Kulturstadt“ sprechen, ergänzte Detlev Cosler. Dem hatte eine Kopftuch-Trägerin anvertraut, dass sie in Neuwied misstrauisch beäugt und nie gegrüßt würde, während man ihr in Unkel freundlich lächelnd begegnen würde, berichtete, bevor das Koordinationsteam das Buffet im Sitzungssaal für eröffnet erklärte.
„Nach über zwei Jahren war es wirklich an der Zeit, den vielen Helfern einmal Dank zu sagen“, erklärte Sibylle Meyer. Vor allem die Intensivbetreuung von Familien sei schon ein Fulltime-Job, der mit viel Papierkram und immer neuen Formularen verbunden sei. Generell würde sich der Bedarf ändern.
Nach wie vor wichtig seien die Sprachkurse. Die Wartezeiten von der Anmeldung bis zur Teilnahme könnten schon bis zu sechs Monate betragen. Frauen mit Kindern könnten diese Kurse gar nicht besuchen. Deshalb biete der Kontaktkreis dieser Gruppe in Erpel besondere Sprachkurse an. Ein neues Problem sei dagegen die Wohnungssuche. Das betreffe nicht die neuen Asylbewerber, wohl aber diejenigen, die bereits Leistungen vom Jobcenter beziehen würde. „Diese sind gehalten, sich eine eigene Bleibe zu suchen. Bei dem nicht gerade üppigen Angebot an preiswerten Wohnungen, haben Flüchtlinge kaum eine Chance fündig zu werden“, berichtetet Sibylle Meyer. Das aber sei bei der Arbeitssuche hinsichtlich einer Berufs- und Zukunftsplanung. Erschwerend käme bei dieser hinzu, dass in der Heimat erworbene Ausbildungen meist nicht anerkannt würde, sodass den Flüchtlingen, so sie denn eine Arbeitserlaubnis haben, Beschäftigungen zugewiesen würden, für die sie im Grunde überqualifiziert seien. „Angenommen werde sie diese dann schon, weil nahezu alle auf eigenen Füßen stehen wollen, nicht zuletzt wegen einer angestrebten Familienzusammenführung, eine weitere äußerst schwierige Baustelle“, listete Sibylle Meyer Probleme auf, bevor auch sie sich dem Brunch widmete. DL
