Allgemeine Berichte | 20.03.2024, 13:29 Uhr

Herausragendes junges „Malion-Quartett“

Die Besucher erlebten einen wunderschönen Vormittag.  Foto: privat
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Grafschaft-Holzweiler. Durch das Konzert des „Malion-Quartetts“ ließ der Grafschafter Kunstverein in Kooperation mit der Landesstiftung Villa Musica sein Publikum in der wunderschönen Villa Bellestate einen unvergesslichen Sonntag-Vormittag erleben.

Das von Prof. Dr. Gisela Maerker-Alzer angekündigte „Frühlingskonzert“ erwies sich als eine Streichquartett-Matinee mit einem Maß an musikalischen Entdeckungen und Überraschungen. Die erste Entdeckung - jedenfalls für das hiesige Publikum - waren die drei Musikerinnen Miki Nagahara, Violine, Lilya Tymchyshym, Viola, und Bettina Kessler, Violoncello, mit Alex Jussow an der ersten Geige. Dieses vielfach mit Stipendien, Preisen und Ehrungen ausgezeichnete Quartett spielte Mendelssohns frühes Streichquartett Es-Dur Opus 12 vom ersten Takt an zugleich leicht, präzise und seelenvoll. Das staunende Publikum erlebte dort als dritten Satz ein tiefenentspanntes „Andante espressivo“, das auch beim gelegentlichen „Forte“ niemals auch nur eine Spur druckvoll herüberkam. Das Finale „Molto allegro e vivace“ gestalteten die vier ausgreifend und überzeugend, mit feinem Sinn sowohl für Details als auch für die Großform.

Die zweite Entdeckung war sowohl der Komponist Karol Szymanowski als auch sein Streichquartett C-Dur Opus 39. Kurz und prägnant warf Bratscherin Lilya Tymchyshym in ihren einleitenden Worten ein Schlaglicht auf die persönliche Tragik des „Vaters der modernen polnischen Musik“, denen das „Malion-Quartett“ umgehend musikalische Taten folgen ließ: Der erste Satz „Lento assai - Allegro moderato“ erklang groß und intensiv. Flageolett-Effekte wirkten klanglich apart in einem melodisch expressiven Umfeld. Das folgende „Andantino semplice (in moda d’una canzone)“ erklang in einer geradezu meisterhaften Interpretation. Die komplexe und zugleich anrührende Fuge bildete das Gravitationszentrum des „Vivace ma non troppo (Scherzando alla Burlesca)“. Den pointierten Schluss servierte das Quartett so gekonnt, dass im Publikum spontane Lacher entstanden.

Die dritte Überraschung kam nach der Pause in Debussys Streichquartett g-Moll Opus 10 zum tragen. Dass Debussy spätere Komponisten wie etwa Karol Szymanowski und namentlich George Gershwin beeinflusst hat, ist eine oft beschriebene Tatsache. Dem Malion-Quartett jedoch gelang es, im zweiten Satz von Debussys einzigem Streichquartett „Assez vif et bien rythmé“ (Schnell genug und sehr rhythmisch) „Groove“ und „bluesige Licks“ hören zu lassen. Für diese Dinge, die in Jazz und Rock inzwischen gut bekannt sind, gab es in der Entstehungszeit des Quartetts (um 1892) noch nicht einmal Worte. Die dazugehörigen Stilrichtungen steckten noch in ihren Babyschuhen und waren in Europa völlig unbekannt. Das musikalisch reiche Konzertprogramm stieß auf begeisterten und lang anhaltenden Beifall, dem eine weitere kleine (Zugabe-)Überraschung folgte.

Die Besucher erlebten einen wunderschönen Vormittag. Foto: privat

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