Die verhängnisvolle G.Schichte
Heute: Der verhängnisvolle Abfall
von A.F. Haffenloher
Das Verhängnis begann, als ich gerade dabei war unseren Müll zu trennen, um ihn anschließend zu entsorgen. Gerade war ich im Begriff mit dem Müll die Wohnung zu verlassen, da stürzte G. ins Zimmer und sagte: Wir müssen unverzüglich die Polizei rufen. Ruf sofort die Polizei!
Warum denn? wollte ich wissen.
Weil draußen im Hausflur eine Gruppe von Sizilianern angefangen hat zu singen, japste sie und schwenkte eine Broschüre. Ich hielt das Ganze für einen von G.s seltsamen Scherzen und wollte weiter mit dem Müll, aber sie hielt mich auf.
Hier, sagte sie, im Handbuch der Kripo steht: Rufen Sie sofort die Polizei, wenn Einbrecher Ihnen etwas abnehmen wollen, aber nicht das Argument, Sie seien gar nicht zu Hause; oder wenn jemand mit einem Akzent, der leicht ins italienische spielt behauptet, der Tod sei annähernd das Schlimmste, was ihm passieren könne und deshalb ziehe er es vor, eine Geldbuße zu zahlen; oder wenn in Ihrem Hausflur eine Gruppe Sizilianer anfängt zu singen. Und genau das tun sie, rief G.
Was singen sie denn? fragte ich und stellte die Behältnisse mit den getrennten Abfällen ab.
Ein Männlein steht im Walde, sagte G., hörst du das denn nicht?
Nein, ich höre niemanden singen. Bist du ganz sicher?
Sicher bin ich sicher, sagte G., ganz sicher sogar. Dann hielt sie inne, verzog das Gesicht zu einer vorwurfsvollen Grimasse und flüsterte: Mist, jetzt ist es passiert.
Was ist passiert?
Ich habe einen toten Punkt, sagte G.
Ich erschrak. Der Punkt war wirklich mausetot, da war nichts mehr zu machen. Was sollten wir tun. G. wollte von meinem Vorschlag, trotzdem die Polizei zu rufen, nichts wissen. Sie meinte, wenn diese Leiche, dieser tote Punkt bei uns gefunden würde, kämen wir in Teufels Küche und das entspreche in der Wartezeit vor der Remagener Post. Willst du das? fragte sie. Nein, das wollte ich nicht. Aber ich wollte wissen, wie es nun weitergehen sollte.
Lass mich nachdenken, sagte G. und legte sich ein paar Haferflocken auf den Kopf. Das tat sie immer, wenn sie nachdachte. Etwas später fing sie an zu kichern, was bedeutete, dass sie das Nachdenken abgeschlossen hatte.
Und? fragte ich, aber G. zuckte nur mit den Schultern und meinte: Keine Ahnung, ich weiß es nicht.
Also entschloss ich mich, erst einmal den Müll wegzubringen, da hörte ich eine Gruppe im Flur „Ein Männlein steht im Walde singen“.
Schließ die Tür ab! zischte G.
Das geht nicht, der tote Punkt liegt im Weg, sagte ich.
Dann musst du ihn halt überwinden.
Das tat ich und schloss die Tür ab. Es dauerte lange bis die Sizilianer das Treppenhaus endlich verlassen hatten. So lange, dass ich genügend Zeit hatte eine Lösung zu finden. Ich fand eine und G. war stolz auf mich. Ich zerlegte den toten Punkt in viele kleine Teile und wir entsorgten ihn einfach als Leistungsabfall.
